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Im Umgang mit Pferden, Respekt erarbeiten

Im Umgang mit Pferden, Respekt erarbeiten

Um das Thema Respekt zu starten fangen wir bei etwas Simplen an, dem Abstand. Ob Hund, Pferd oder Mensch, wir alle haben unsere eigene Individualdistanz. Hierzu ein kleines Beispiel aus meinem Alltag.

Vor zwei Wochen tranken mein Freund und ich seit langem an einem Samstag mal wieder einen Kaffee in der Stadt. Im Selbstbedienungsladen stand ich also in der Schlange vor dem Tresen und wartete bis ich an der Reihe war. Die Dame hinter mir stand mir extrem nahe. Ich bin nicht heikel was Körpernähe anbelangt und habe grundsätzlich auch keine Berührungsängste aber die Nähe dieser Frau sorge bei mir für ein Unwohlsein. Instinktiv ergriff ich die Flucht nach vorne. Das ging so lang gut, bis da der Tresen für die Bestellabgabe kam. Auch als ich meine Geldbörse hervor nahm wich die Dame keinen Schritt von mir weg. Ich bin sicher, von vorne hat man sie hinter mir gar nicht gesehen, so nah stand sie an mir. Nun, ich bin nicht auf den Mund gefallen und ziehe mich in mein Schneckenhaus zurück, sondern mache gekonnt einen Ausfallschritt nach hinten. Analysieren wir das Verhalten in der Tierwelt, mehrere Male zeigte ich klar, lass mich, ich weiche von dir weg. Und dann wird es mir zu viel, ich werde in eine Ecke gedrängt und reagiere mit Angriff. Diese Distanz verteidigt jedes Lebewesen, je nach Laune und nach dem Gegenüber wird mehr oder weniger Nähe toleriert.

 

Zurück zum Pferd. Wenn du neben deinem Pferd gehst und es dir ständig auf die Füsse trampelt, in dich rein lauft oder dich sogar um rempelt ist das nicht irgendwie einfach nur frech, das ist absolut ober anstandslos! Hier darf man echt kein Auge zudrücken!

Als Grundlage kann man sagen, die Nase deines Pferdes sollte deine Schulter nie überholen.

Als Übung kannst du dir einmal einen Kreis auf den Boden zeichnen und dir überlegen, wie viel Abstand du gerne zu deinem Pferd haben willst. Wenn du diesen Abstand kennst, kannst du dies mit deinem Pferd umsetzten. Es braucht für diese Umsetzung keine Gewalt, einige einfache Übungen helfen.

Respekt startet beim Eingang in den Stall. In Boxen ist diese Übung leichter als bei einer Gruppenhaltung aber es wäre wünschenswert, dass dein Pferd dich beachtet wenn du in den Stall kommst. Wenn das nicht der Fall ist, kannst du einmal versuchen den Namen deines Pferdes zu rufen, wenn eine Reaktion kommt, Kopf abdrehen oder Ohren drehen ist schon als Reaktion zu verbuchen, lobst du dein Pferd. Wenn keine Reaktion kommt hilft oft ein kleiner Klaps auf den Po, nicht fest nur so im Stil von, Guten Morgen, ich bin auch hier. Du wirst merken dein Pferd wird dich mit der Zeit begrüssen!

Mit Picasso hatten wir am Anfang ein Problem, heute teilweise noch, dass er einem sehr Nahe kommt. Er würde am liebsten in einen herein kriechen. Nun haben lernen wir ihm aber, dass er von uns weg weicht, er muss keine Angst vor mir haben aber mich respektieren und mir meinen Platz geben. Wenn er nicht von mir weicht lege ich meine Hand an den Pferdehals sehr Nahe am Kopf und mit der anderen Hand tippe ich das Pferd an der Schulter an. Die meisten Pferde weichen beim zweiten Antippen seitwärts weg. Wenns nicht klappt, kannst du mit der Hand am Pferdehals ein wenig Druck ausüben. Der erste Millimeter wird gleich belohnt. Ich habe das noch mit einem Kommando unterlegt. „weg“ soll bedeuten, geh von mir weg. Achtung, hier ist das zu füttern von Leckerli gerade in der Aufbauphase kontraproduktiv, das Pferd würde dann ja wieder zur dir abdrehen. Versuche es mit einem Lobwort und kraulen am Hals.

Das Ziel wäre, dass am Schluss das Zeigen mit dem Finger reicht und das Pferd zur Seite geht.

Dasselbe übe ich mit dem Rückwärts laufen. Wir stellen uns aufrecht vor das Pferd und drücken zwischen die Schulterspitzen mit unserem Daumen. Das Kommando zurück hilft dabei, das Pferd nachher auch ohne Körperhilfe zu führen. Sobald das Pferd sich bewegt, den Druck entfernen und das Pferd loben.

Achte darauf, dass du nur kleine Erfolgsschritte verlangst, das mach eine gute Führungsperson aus!

Mit Picasso habe ich zudem ein Belohnungs- und Entspannung -Ritual aufgebaut. Da ich mit Leckerli bei einem aufdringlichen Pferd nur zweiter mache hilft das sehr. Versuche es doch mal mit einer Massagebürste oder einer ganz weichen Kopfbürste, etwas, das du dann nur machst, wenn du während dem Training Erfolg hast!

 

Viel Spass beim Ausprobieren.

Xenia mit den Isis.

 

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