Hufabszess


Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als wir in den Stall kamen und eines der Pferde Schweiss gebadet in seiner Boxe stand und ein Bein nicht mehr belastete. Wir riefen den Tierarzt und dieser diagnostizierte einen Hufabszess. Ein Tag zuvor lief Vitali noch ohne zu Lahmen an der Kutsche. Für uns alle war das alles kaum vorstellbar. Aufgrund der Grösse des Abszesses musste der Hengst in die Tierklinik nach Zürich gefahren werden. Die Fahrt für ein Pferd, welches nicht mehr richtig stehen kann und so starke Schmerzen hat, eine wahre Tortur. Erleichtert steig er in Zürich auf drei Beinen aus dem Transporter. Die
Operation und auch die Heilung verlief hervorragen. Für uns alle war dies damals eine grosse Erleichterung, da die Prognose zu Beginn nicht gerade berauschend war.

Aber was genau ist denn ein Hufabszess und wie entsteht er?

Beim Hufabszess handelt es sich um eine Eiteransammlung in der Lederhaut. Meist entsteht er aus kleinen infektiösen Lederhautentzündungen. Als Ursache kommen verschiedene Punkte in Frage. Sehr trockene und rissige Hufe sind besonders stark gefährdet. Bereits durch mikroskopisch kleine Spalten können Bakterien eindringen und in der Hornwand zu einer Infektion führen. Ebenfalls kommt das Abstossen von Gewebsteilen im Huf inneren als Ursache in Betracht. Auch infizierte
Lederhautverletzungen wie Nagel- und Kronentritt können zu einem Hufabszess führen.

Für das Pferd ist der Abszess sehr schmerzhaft, da Eiter unter der Hornkapsel unter Druck steht. Das erkrankte Tier zeigt eine deutliche Lahmheit und belastet das betroffene Bein in den meisten Fällen nicht mehr. Auf das „Beklopfen“ der Wand und Sohle kann das Pferd schmerzempfindlich reagieren. Oft ist die Temperatur leicht erhöht und im Bereich des Fesselkopfes kann eine deutliche Pulsation der Blutgefässe festgestellt werden. Wird der Abszess nicht gleich erkannt, sucht sich der Eiter den Weg entlang des geringsten Wiederstandes nach oben. Nach einiger Zeit
bricht er am Kronsaum durch.

Lokalisiert wird der Abszess durch eine Hufuntersuchungszange. An der Stelle des Abszesses ist das Pferd besonders druckempfindlich. Das Horn wird dann an der schmerzempfindlichsten Stelle durch den Tierarzt abgetragen, bis der Eiter abfliesst. Bei kleineren Abszessen geht es den Tieren, durch die Druckablassung, bereits am nächsten Tag besser. Ist der
Eiter bereits weit nach oben gewandert und kurz vor dem Durchbruch muss der Abszess in den meisten Fällen in einer Tierklinik entfernt werden. Nach dem Eingriff muss bis zur vollständigen Abtrocknung und Heilung ein Verband angelegt werden. Zu Beginn muss dieser täglich gewechselt werden. Bei verschleppten Abszessen ist die Behandlung viel aufwendiger und somit die Heilungsaussichten ungünstiger.

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