Hippotherapie - Ein Fallbeispiel (Teil 2)


Am Dienstag berichtete ich schon über ein Mädchen, dass bei uns durch die Pferde mehr aufgeblüht ist. In diesem Artikel geht es um ein zweites Mädchen, namens Lara, die es auch nicht leicht hatte und sehr weit gekommen ist durch die Arbeit mit den Pferden.

Bei Lara war die Situation ein bisschen einfacher. Sie hatte keine Angst. Bei ihr bestand das Problem darin, dass sie sehr viel Zeit brauchte, um zu verstehen, was wir von ihr verlangten. Vielmals mussten wir die Aufgaben sehr einfach formulieren. Auch wenn Lara bereits neun Jahre alt war, als sie zu uns kam, war sie kognitiv noch nicht weit. Lara kam damals mit ihrer Freundin ins Ferienlager zu uns. In diesen Ferien half ich auf dem Hof aus und hatte somit sehr viel mit ihr zu tun. Morgens ritten wir immer aus. Auf den langen Spaziergängen im Gelände merkte ich dann, wie es richtig um Lara und ihre Entwicklung stand. Sie wollte unbedingt reiten, doch ihr fehlte das nötige Verständnis für gewisse logische Abläufe. Dazu kam noch, dass sie aufgrund ihrer Übergewichtigkeit fürs Reiten physisch nicht ausreichend konditioniert war. Nur schon das Aufsteigen auf das Pferd war für sie körperlich sehr anstrengend. Wir mussten ihr immer helfen. Normalerweise springt der Reiter vom Boden ab und wir nutzen diesen Schwung, um ihm auf das Pferd zu heben. Lara jedoch liess sich jedes Mal wie ein Kartoffelsack hängen. Mit der Zeit verstand sie jedoch, dass sie uns ein bisschen entgegenkommen musste. Nichtsdestotrotz zeichnete sich ihre Unsportlichkeit bei neuen Aufgaben immer wieder von Neuem ab und stellte eine enorme Belastung dar.

Eines Tages kam Lara auf mich zu und sagte, dass sie bei der Voltige mitmachen wollte. Ich war einverstanden, sagte ihr aber, dass sie sich grosse Mühe geben muss, denn mit ihrem Körpergewicht und Körpergefühl war es immer noch schwierig. Doch ich liess sie mitmachen, denn ich wusste, dass dies für ihr Selbstbewusstsein nur von Vorteil sein könnte. Am Anfang schaffte sie es kaum, mittels des Minitrampolins auf den Pferderücken aufzuspringen. Ich versuchte ihr mehrmals zu erklären wie sie anlaufen musste, um auf das Pferd aufsitzen zu können. Ich machte ihr die Bewegung auch vor, indem ich selber sprang, damit sie den Ablauf auch auf visuelle Art und Weise lernen konnte. Um ihr einen Vergleich bieten zu können, lief ich zuerst wie sie an und anschliessend auf die korrekte Art und Weise. Aufgrund dieser Lehrmethode kann Lara inzwischen das Pferd in einem Schwung sogar überspringen. Zwischendurch fällt sie in ihr altes Muster zurück, doch wenn man sie auffordert, es richtig zu machen, klappt es immer wieder von Neuem.

Heutzutage gestaltet sich in der Arbeit mit Lara vieles anders. Auch sie war anfänglich sehr schüchtern und sprach nur wenig. Mit der Zeit tauschte sie ihre Einwortsätze durch ganze Gespräche aus. Heute fragt sie nach der Reitstunde oft nach, ob sie bei Etwas behilflich sein könne. Ausserdem durfte sie diesen Sommer in die grosse Reitstunde wechseln. Wir hatten über diesen Entscheid lange nachgedacht. Auch wenn sie wie Bettina lange Zeit die Beste in der „Führzügel“-Reitstunde war, wollten wir nicht, dass sie sich überfordert fühlt. Der mutige Entscheid hat sich jedoch gelohnt. Sie kommt gut in der neuen Reitstunde voran und dadurch, dass sie keine Angst hat, macht sie auch schnell Fortschritte.

Link Fallbeispiel (Teil 1)

 

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