Heu füttern - aber wie?

Jeden Morgen wenn ich unsere Pferde im Stall füttere und Ihnen die erste Portion Heu in die Boxen lege, ist es immer dasselbe Schauspiel: Liegt das Heu lose in der Box, ist es schnell weg. Von weggescharrt, drunter gebuddelt oder im Pferdebauch. Ein Kilogramm loses Heu fressen die Pferde ratz-fatz in 30 bis 40 Minuten auf. Eine tägliche Heuration von sieben Kilogramm ist also in knapp fünf Stunden vertilgt.

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Steht das Pferd nun im Stall oder Paddock ohne Graszugang, ist es 19 Stunden am Tag ohne Futter. Heumangel kann nicht nur zur Folge haben, dass die Fresszeit kürzer wird, sondern auch, dass das Pferd nicht nur mehr Langeweile und ein ausbleibendes Sättigungsgefühl hat, sondern auch mehr Stress. Im Pferdekörper vermehren sich dann einzelne Bakteriengruppen explosiv, während wichtige Mikroben absterben. Durch die geringe Speichelbildung wird die Magensäure nicht genügend gedämpft, sodass die stärkere Säure- und Gasbildung (Krampf-) Koliken, Durchfall oder Hufrehe hervorrufen kann. Des Weiteren wird der Elektrolyt- und Energiehaushalt geschwächt und somit der gesamte Stoffwechsel, wodurch Pferde, die dauerhaft Rohfasermangel haben, anfälliger für Erkrankungen sind. Ein Pferd sollte nicht länger als vier Stunden ohne Fressen sein, auch nachts nicht. Schliesslich würde es in freier Natur auch fast rund um die Uhr fressen. Denn in der freien Wildbahn verbringen Pferde 60 bis 80 Prozent des 24-Stunden Tages mit der Nahrungsaufnahme.

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Heunetze und ähnliches verlängern die Fressdauer der Pferde, dass haben etliche Studien und auch meine eigene Erfahrung gezeigt. Ich habe mal den Vergleich gemacht: Jedes Pferd bei uns im Stall erhielt loses Heu am Boden und am nächsten Tag Heu im Heutoy oder Heunetz. Das Ergebnis war extrem: Durch die Vorlage von Heu im Netz wurde die Fresszeit im Vergleich zur Bodenfütterung mehr als verdoppelt! Ausserdem beschäftigten sich die Pferde mit den Netzen oder dem Heutoy und entwickelten verschiedene Techniken wie das Herauszupfen der Heuhalme oder Heubüscheln seitlich und von unten, Herausdrücken mithilfe der Oberlippe bis hin zum Schütteln des Netzes und mit dem Vorderbeinen dran klopfen.

Dennoch: 30 Prozent der normalen Tagesration sollte das Pferd wie gehabt vom Boden bekommen, denn nur dann kann das Pferd seine natürliche Fresshaltung einnehmen und es muss das Heu kauen und nicht zupfen.

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Engmaschige Heunetze haben aber noch einen weiteren Vorteil: Es geht weniger Heu verloren. Netze mit einer Maschenbreite von acht Zentimetern und mehr führen zu keiner Verlängerung der Fresszeit. Sie sind zudem gefährlich, denn die Pferde können sich mit den Hufen darin verfangen und in Panik geraten.

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Ähnliches gilt für Heutaschen, bei denen die Pferde das Heu aus einer Öffnung zupfen. Sind diese Öffnungen grösser als ca. 6 bis 30 Zentimetern, sind diese in der Pferdehaltung risikobehaftet und sollten höchstens für längere Fahrten im Pferdeanhänger eingesetzt werden.

Auch bei einer überdachten Raufe macht es Sinn, das Heu mit einem Netz abzudecken. So zupfen die Pferde weniger Heu und es geht nicht so viel daneben. Alternativ zu einer Rundballen-Raufe können auch mehrere Heunetze im Auslauf verteilt werden, so dass jedes Pferd in Ruhe fressen kann. Diese müssen dann allerdings täglich von Hand befüllt werden – das macht Arbeit.

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Die Heunetze zu Befüllen, sprich die Heunetze zu stopfen, ist tatsächlich eine Kunst: Das Heunetz aufhängen, mit einer Hand festhalten und mit der anderen das Heu hineindrücken…. Genau: Plötzlich verrutscht alles – und man muss von vorne anfangen. Da gibt es viele Hilfsmittel die von verschiedenen Herstellern angeboten werden: vom Heustopf-Ring über Abstandhalter bis hin zu „einfach befüllbaren Heunnetzen. Einfach, praktisch und preiswert ist dagegen die Heu-Stopftonne, die mit etwas Geschick kinderleicht nachgebaut werden kann.

Nach dem Füllen ist es wichtig, auf die Befestigung zu achten. Die meisten Heunetze oder –taschen werden mit einer Schlaufe aufgehängt. Diese kann in der Box zum Beispiel an Gitterstäben festgebunden werden. Es gibt auch Modelle die mit vier Schrauben oder Haken an der Wand oder am Paddockzaun befestigt werden. Diese bieten den Pferden so weniger Möglichkeit, mit dem Netz zu spielen.

Bleibt die Frage, wie hoch das Heunetz aufgehängt werden soll? Die gesündeste Fresshaltung für Pferde ist mit der Nase am Boden. Am besten ist es für die Pferde, dass sie das Futter von oben in der natürlichen Kopf-/Halshaltung aufnehmen können. Auf jeden Fall sollten Heunetze so niedrig wie möglich aufgehängt werden.

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Jedoch sollte das Netz leergefressen auf keinen Fall den Boden berühren! Beschlagene Pferde mit Heunetzen sollten nie unbeaufsichtigt gelassen werden, denn es besteht immer das Risiko, dass sie sich mit den hinteren Schenkeln der Hufeisen im Netz verfangen und festhängen. Enge Maschen, weite Maschen, viele Öffnungen oder doch lieber weniger? Hier einige der verschiedenen Heunetzte / -taschen:

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(1) Kommentare

  • Heunetz Gefahren

    Hallo
    Mein Pferd war in einem Stall mit verteilten Heunetzten im Paddock. Die Maschengrösse war 3.5 cm. Solange das Heu sehr gut strukturiert war, funktionierte die Fütterung einigermassen. Dabei konnte aber der Unmut der Pferde beobachtet werden, wir sie je nach Charakter wild ins Netz bissen, es zerrten oder schüttelten. Dieses Verhalten hat sich auch nach einigen Monaten nicht geändert. Der Frust hatte seinen Höhepunkt, als das Heu relativ fein war. Da konnte kaum noch ein Halm gezupft werden. Dann spielte die Hierarchie eine Rolle: Die ranghöheren Pferde vertrieben jeweils die Rangniedrigen beim Netz, wenn diese etwas heraus zu zupfen vermochten. Mein Pferd verhungerte fast. Ich musste den Stall wechseln, da die Stallleitung nicht einsichtig war, leider!
    Im neuen Stall musste mein Pferd wieder lernen, dass das Heu zur Verfügung stand und es nicht weggenommen wird. Es wird in Pferdeständen gefuttert.
    Ich würde mein Pferd nie mehr in einen Stall mit Heunetzen geben. Auch ist mir die Kopfhaltung beim stundenlangen Zupfen an den Heunetzen äusserst unsympathisch. Da die Pferde oft nur von ihrer Lieblingsseite fressen.
    Mein Fazit: Nur Heunetzte zum Zeitvertreib geben, aber nicht um die Hauptmahlzeiten (Morgens, Mittags, Abends und spät Abends) zu ersetzen. Das Fressen muss Stressfrei erfolgen.
    Übrigens hatte mein jetziger Stall auch mal den Versuch über Nacht mit Heunetzten zu überbrücken gewagt. Mit dem Resultat, dass eines Morgens ein Pferd sich mit dem Bein verfangen hat.
    Also seid nicht Leichtfertig mit dem Einsatz der Netzte.

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