Haltung von Sportpferden - Interview mit Reitsport.ch Botschafterin Corinne Sélébam Alt

Das Alltagsleben vieler Sportpferde sieht nicht gerade wunderschön aus. Viele von ihnen fristen ein Dasein in Boxen. Auf die Weide kommen sie selten oder nie.

Reitsport.ch Botschafterin Corinne Sélébam - Alt hat sich für eine artgerechte Haltung ihrer Sportpferde entschieden, ganz nach dem Motto "Zucht, Sport und ein artgerechtes Leben". Wie ihre Pferde gehalten werden und wo sie die Vorteile dieser Haltung sieht, erzählt sie uns im Interview.

Corinne erzähl uns einmal, wie werden eure Sportpferde gehalten?
Unsere Sportpferde werden alle in Gruppen in einem grossen Offenstall gehalten. Die Hengste und Wallache in einer Gruppe und die Stuten mit oder ohne Fohlen in einer Gruppe. Vom Fohlen bis zu meiner bald 30 jährigen Stute. Unser Zuchthengst lebt ebenso im Offenstall momentan mit drei Stuten zusammen.

Was hat euch inspiriert oder was war der Grund, weshalb ihr euch für diese Haltungsform entschieden habt?
Wir hatten zuerst geplant, nur die Jungpferde und Zuchtstuten mit Fohlen in Gruppen zu halten und haben deshalb zuerst Auslaufboxen gebaut. Zu Beginn stand nur der alte Stall, einfach eine Scheune ohne Boxen. Bis unser Neubau fertig war hielten wir also all unsere Pferde in diesem Stall zusammen. Nach und nach kamen neue Pferde hinzu und wir stellten fest, dass es kein Problem ist auch Sportpferde die sich jahrelange Boxenhaltung gewohnt waren so zu halten. So entschlossen wir uns, unseren Plan über Bord zu werfen und hielten fortan all unsere Pferde in Gruppen.

Hast du das Gefühl, dass die Haltung eurer Pferde einen Einfluss auf ihre Leistung hat?
Unsere Pferde sind immer leistungsbereit. Ich muss meine Pferde nicht jeden Tag arbeiten um ihnen Bewegung zu verschaffen. Deshalb denke ich, sind sie mit Freude bei der Arbeit, die meistens nur 2-3 wöchentlich stattfindet. Verblüffend finde ich immer wieder wenn ich längere Zeit weg bin und meine Pferde eine Pause haben. Ich kann zurückkommen, den dreijährigen frisch angerittenen rausnehmen und ausreiten. Als wäre es das normalste auf der Welt. Sie müssen sich nicht unter dem Sattel austoben, sondern tun das mit ihren Kumpels.

Viele Sportpferdebesitzer haben Angst, dass sich ihr Pferd bei pferdegerechter Haltung (Kontakt zu Artgenossen, Weidegang, etc.) vermehrt verletzten könnte. Kannst du diese Angst nachvollziehen?
Ich kann diese Angst sicher nachvollziehen. Ich sehe jedoch auch bei Boxenpferden immer wieder Erkrankungen. Andere Erkrankungen als wir sie vielleicht haben. Meistens Sehnenprobleme oder Koliken.. Seit ich meine Pferde so halte wie jetzt, hatte ich nie mehr einen Sehenschaden und auch sehr selten eine Kolik. Meistens sind es bei uns halt Kratzer oder kleine Wunden, gerade die Hengste und Wallache spielen halt oft miteinander. Das wird desinfiziert und fertig. Fürs Turnier gibt's dann Spray in der passenden Fellfarbe :-) Grössere Verletzungen oder Unfälle können meines Erachtens überall passieren.

Ein kurzes Statement zum Schluss: " Weshalb sollten auch Sportpferde die Möglichkeit haben, einfach einmal Pferd zu sein?"
Weil es das einzig Richtige ist und wir unseren Pferden das schuldig sind. Sie geben jeden Tag so viel für uns, deshalb sollten wir ihnen doch wenigstens die Möglichkeit geben, artgerecht zu leben.

Vielen lieben Dank für das Interview Corinne und weiterhin alles Gute mit deinen Pferden.
Sportpferdezucht Rietenberg

Ebenfalls ein spannender Dokumentarfilm rund um die Pferderhaltung von Sportpferden findet ihr hier: Wie leben die Popstars neben der grossen Bühne?

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