Gruppenhaltung

Ein Pferd, das sich in seinem Stall wohl fühlt, zeigt sich ausgeglichener und zufriedener und bereitet dem Besitzer im Umgang mehr Freude. In den letzten Jahren haben Weidegang, Auslaufmöglichkeiten und Gruppenhaltung für Pferde massiv zugenommen. Bei den Haltungssystemen hat die Gruppenhaltung stark an Bedeutung gewonnen und ist der absolute Renner. Die Landwirtshaft hat damit einen bedeutenden Wirtschaftszeig gewonnen. Doch ist auch wirklich alles so positiv wie es im ersten Augenblick scheint?

Pferdeverhalten

In der freien Wildbahn leben Pferde in kleinen Gruppen zusammen. Der Umgang unter den Tieren ist durch eine klare Rangordnung geregelt. Junge Hengste leben zeitweise als Einzelgänger innerhalb eines Herdenverbandes. Jedoch gibt es kaum völlig isoliert lebende Einzelpferde. Denn die Augen einer Herde sehen mehr, als die eines Einzeltieres. Für Pferde bedeutet somit die Herde ein Ort der Sicherheit. Auch im Wesen des Hauspferdes ist dieses Sozialverhalten noch verankert. Daher ist es nicht erlaubt ein Pferd alleine zu halten. In der Tierschutzverordnung ist festgehalten, dass Pferde mindestens zu einem Artgenossen Sich-, Hör- und Geruchkontakt haben müssen. Jungpferde müssen, damit sie die arttypischen Ausdrucksformen verstehen lernen, in Gruppen oder mindestens zu zweit gehalten werden.

Das Pferd ist ein Bewegungstier. Es verspürt daher den Drang sich täglich fünf bis zwölf Stunden zu bewegen und im Schnitt rund 30 Kilometer zurück zu legen. Ebenfalls zählt das Pferd zu den Dauerfressern. Aufgrund ihres kleinen Magens nehmen sie nur kleine Rationen auf einmal auf und verteilen die Nahrungsaufnahme über den ganzen Tag.

Im Allgemeinen zählen zu den Grundbedürfnissen der Pferde:

· Fressen

· Trinken

· Koten und Harnen

· Bewegung

· Ruhe

· Sozialverhalten

· Spielen

· Körperpflege

· Erkunden

· Spielen

· Fortpflanzung und Jungenaufzucht

· Frische Luft und Sonnenlicht

Fakt ist, dass je nach Art der Nutzung von Pferden, einzelnen Aspekten mehr oder weniger Bedeutung geschenkt wird. Keine Ausnahme gibt es jedoch bezüglich Bewegung und Sozialkontakt. Diese beiden Bedürfnisse müssen bei jedem Pferd ausreichend abgedeckt werden. Dabei spielt die Rasse, das Alter oder das Geschlecht der Tiere keine Rolle.

Analysiert man die Verhaltensmuster von Pferden in freier Wildbahn und ihre Grundbedürfnisse könnte man glauben, dass die Gruppenhaltung die ideale Pferdehaltung darstellt. Ob dies aber in der Praxis auch wirklich der Fall ist, werden wir nun anschauen.

 

Gruppenhaltung

Bei der Gruppenhaltung werden Pferde in Herdenverbänden von mindestens zwei Pferden gehalten. Diese Haltungsform ermöglicht den Tieren ihr ausgeprägtes Sozialverhalten weitgehend auszuleben. Ebenfalls werden die Tiere durch die Haltung in Gruppen mental gefordert.

Am besten deckt die Haltung im Offenstall die Pferdebedürfnisse ab. Die Gruppenhaltung setzt viel Fachwissen und Zeit für die Tierbeobachtung voraus. Bei schlecht geführter Gruppenhaltung können erhebliche Probleme auftreten wie zum Beispiel: chronischer sozialer Stress, vermehrte Verletzungsgefahr, keine Ruhephase für die Pferde und Fütterungsprobleme. Ebenfalls ist bei der Integration von neuen Tieren in eine bestehende Gruppe Vorsicht geboten.

Aus tierärztlicher Sicht gibt es auch Argumente, die gegen die Gruppenhaltung sprechen. Denn Pferde die in Gruppen gehalten werden stellen einen immer grösser werdenden Anteil der Patienten dar. Unter den erfassten Verletzungen treten Hufschläge am meisten auf. Um das Verletzungsrisiko zu senken müssen die Ställe nicht möglichst gross, sondern richtig strukturiert sein. Ist man an der Gruppenhaltung interessiert und plant einen eigenen Stall, wird empfohlen sich an eine kompetente Beratungsstelle zu wenden.

Offenstall:

Die Tiere leben bei dieser Haltungsform das ganze Jahr im Freien. Sie können sich den ganzen Tag bewegen und ihrem Bedürfnis nach Sozialkontakt nachgehen. Damit die Pferde bei schlechter Witterung Schutz aufsuchen können, gibt es mindestens einen integrierten Unterstand. Teilweise wird der Boden mit verschiedenen Materialien ausgestattet. Dies dient einer guten Hufgesundheit. Bei einem Offenstall muss jedem einzelnen Pferd genügen Platz zur Verfügung stehen, damit auch rangniedrige Tiere zur Ruhe kommen können.

Vor- und Nachteile Offenstall:

Die Offenstallhaltung deckt weitgehend alle Bedürfnisse der Pferde ab - eine durchdachte und gute Organisation der Haltung vorausgesetzt. Robustpferde sind meist gesünder und leistungsfähiger als Stallpferde. Die Tiere arbeiten besser mit und sind ausgeglichener.

Diese Haltungsform eignet sich jedoch nicht für Betriebe mit ständigem Pferdewechsel. Neue Gruppenzusammensetzungen bringen Unruhe in die Herde und sind mit Stress für die Tiere verbunden. Dazu kommt das Robustpferde im Winter ein dickeres Winterfell bilden, wodurch die Pflege etwas aufwändiger wird und die Pferde beim Arbeiten schneller schwitzen. Trotzdem eignet sich dieses Haltungssystem nicht nur für Ponys und Freizeitpferde, sondern auch für Sportpferde.

Laufstall:

Laufställe sind weniger strukturiert als Offenställe. Ihnen fehlt die Einteilung in verschiedene Bereiche und der komplette Stall ist eingestreut. Die Pferde können sich frei bewegen und leben in Gruppen. Der Laufstall kann vom Typ her mit einer sehr grossen Boxe verglichen werden. Sehr oft werden Jungtiere oder Stuten mit ihren Fohlen in solchen Stallungen gehalten.

Vor- und Nachteile Laufstall:

Die Pferde können sich frei bewegen, jedoch sind ihren Bewegungsabläufen Grenzen gesetzt. Daher sollte bei dieser Haltungsform auf den täglichen Weidegang oder Auslauf nicht verzichtet werden. Der Vorteil von Laufställen besteht darin, dass Pferde ihrem Bedürfnis nach Sozialkontakt uneingeschränkt nachgehen können. Wie auch der Offenstall, eignet sich der Laufstall nicht, bei ständigem Pferdewechsel.

Schlussfolgerung:

Die Gruppenhaltung entspricht am meisten den Bedürfnissen der Pferde. Jedoch ist, wie ich aus eigener Erfahrung weiss, die ganztägige Gruppenhaltung nicht für jedes Pferd ideal. Für Pferde kann das ganztägige Leben in der Herde bei ungenügend Rückzugsmöglichkeiten zu Stress führen. Es sollte jedoch jedem Pferd die Möglichkeit geboten werden, direkten Kontakt mit Artgenossen zu haben. Dies kann durch Gruppenhaltung oder gemeinsamen Weidegang realisiert werden. Eine Alternative stellen auch aneinandergereihte Auslaufboxen dar.

Eine gut strukturierte und fachgerecht organisierte Gruppenhaltung eignet sich nicht nur für Freizeitpferde. Sie stellt auch eine Haltungsform für Sportpferde und je nach dem sogar für Hengste dar. Bei Hengsten besteht die Möglichkeit sie gemeinsam mit Stuten, welche gedeckt werden dürfen oder mit Wallachen zu halten. Bei der Integration von Hengsten ist jedoch grosse Vorsicht geboten und meist eine längere Angewöhnungsphase notwendig.

Forschungen zeigen, dass auch Hengste gemeinsam gehalten werden können. http://www.agroscope.ch/haras/07251/07326/index.html?lang=de

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