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Grundlagen im Umgang mit Pferden

Am letzten Wochenende waren wir mit unseren Isländer auf einem Plauschturnier. Für den jungen Picasso war es der zweite grosse Ausflug und ich war ziemlich gespannt, wie  er sich dieses Mal schlägt. Bei unserem ersten Turnier lief es nicht ganz so, wie wir es erwartet haben. Picasso war sehr unruhig und stand kaum still. In der Isiszene ist es üblich die Pferde lang am Hänger anzubinden, Wasser und Heu dazustellen und das Turnier zu schauen, die Pferde stehen teilweise sehr nahe bei einander und lassen sich aber nicht stören. Es ist eine unglaublich schöne Atmosphäre und die Pferde sind alle total entspannt. Picasso hatte aber ziemlich seine Mühe, sich zur beruhigen und das zu machen, was von ihm verlangt wurde. Umso mehr haben wir am Vertrauen zum Pferd gearbeitet und ihm gelernt, dass er das machen soll, was wir ihm sagen. Das Thema Vertrauen ist im Umgang mit den Pferden lebenswichtig, wir müssen uns die Position vom Leittier erarbeiten.

Ich behaupte mal jeder Reiter will, das das Pferd einen als Freund betrachtet und uns vertraut. Die Überlegung, dass das Tier unser Freund ist, ist ein guter Vorsatz, oft wird aber falsch gedacht. Ich sehe das auch bei Hunden oft, ein Tier ist und bleibt ein Tier, egal ob es in freier Wildbahn oder im Stall oder im Haus lebt. Wir müssen also zuerst lernen, wie ein Tier denkt, bevor wir ihr vertrauen und die dazugehörige Freundschaft für uns gewinnen können.

Ob Hund oder Pferd, die Tiere leben im Rudel und die meisten wollen ein Rudel oder Herdenanführer haben. So können wir also gleich vergessen, dass wir mit nur Streicheleinheiten und Leckerli zu schieben die besten Freunde von unseren Pferden werden. Oft wird  vergessen, wie Tiere in der Natur miteinander umgehen!

Bei Isländer sieht man das Verhalten immer noch sehr schön. In unserem Auslaufstall leben fünf Isländer zusammen. Immer wieder kann man kleine Rangordnungskämpfe beobachten und wenn man sich mal hinsetzt und schaut, wie die Pferde miteinander umgehen, ist der Umgang den wir pflegen, lachhaft! Es wird geschubst, gebissen, gedroht und geschlagen! Es wird aber auch gegenseitig geputzt und gekuschelt.

Überlegen wir also einmal über den Tischrand hinaus und fragen uns, was erwartet unser Pferd von uns? Pferde sind Fluchttiere und ebenso Herdentiere. Logischerweise gibt es in der Herde ein Leittier. Machen wir uns Gedanken darüber, was für Ansprüche ein solches Leittier erfüllen muss!

Ein Leittier darf weder vor allem Angst haben noch darf es Gefahren leichtsinnig hinnehmen. Pferde, die in der Natur nicht dem Leittier folgen, müssen damit rechnen das sie einem Raubtier zum Opfer fallen. Es wird auch nicht darüber diskutiert, in welche Richtung gerannt wird, das Leittier übernimmt die Situation und trägt die volle Verantwortung. Unsere Pferde sind es also gewohnt, Entscheidungen zu akzeptieren und zu vertrauen.

Wie gewinne ich das Vertrauen von meinem Pferd?

Respekt wird weder über Gewalt noch über lautes Schreien erarbeitet. Unsere Pferde bevorzugen klarer Körpersprache und reagieren sehr darauf, wie wir uns bewegen. Versuche nicht, dein Pferd mit selbstsicherem Auftreten zu täuschen, unsere Pferde erkennen sofort, ob jemand sich nur verstellt, oder ob die Person wirklich als Leittier geeignet wäre. Genau wie bei uns Menschen untereinander verraten zum Beispiel hängende Schultern, sehr hektische Bewegungen und übervorsichtiges Verhalten eine Unsicherheit. Tritt also immer mit erhobenem Oberkörper und in Ruhe auf den Pferd zu. Lass dich nicht aus der Ruhe bringen, auch wenn dein Pferd dich testen will. Mache dir ein Plan. Egal in welcher Situation, wenn du Planlos auf den Pferd zutrittst, wird es das merken und testen, ob es auch eine andere Option gibt.

Gerade bei unseren jungen Isis haben wird das mit dem Plan sehr hautnah erleben müssen. Nach einigen Wochen wurde ihnen klar, Halfter gleich Arbeit. Es wurde also getestet, ob sie uns entwischen können. In der Offenstallhaltung gar nicht so einfach zum Einfangen!

Wir mussten also sehr gezielt und mit einem klaren Plan in den Paddock gehen, die Ausstrahlung durfte keine Zweifel zu lassen! Wir übten das immer wieder. Lustig erweise liessen sich die Jungs von mir und der Besitzerin schnell problemlos einfangen, wollte aber jemand anders die Ponys anhalftern, schien das Spiel wieder von vorne zu beginnen!

Im nächsten Bericht werde ich darüber informieren, wie wir uns Respekt verschaffen.

Ich wünsche euch einen schönen Tag.

Xenia mit den Isis.

 

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