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Gastbeitrag von C.Y.

Vergesst alles, was ich im „Mein Pferd – genau mein Typ“-Blog geschrieben habe. Ich liebe mein Pferd, aber manchmal bringt er mich einfach um den Verstand. So frage ich mich oft und gerne, was da eigentlich in Cornets Dachstock vorzugehen scheint? Dann stelle ich mir vor, was er sich wohl in bestimmten Situationen überlegt, und genau auf solchen meiner Kopfkino-Gedankenstreifen beruht der dieswöchige Text. Hier und heute kommt brühwarm ‚der’ Wahrheit über mein Pferd: so sehe ich Cornet zu einer der dünkleren Stunden als Pferdemama, verpackt als Gastbeitrag, indem sich Cornet selbst vorstellt. Viel Spass!

 "Ich bin original deutscher Staatsbürger und bin in Löningen geboren. Da gab es viel Gras, aber irgendwann wurde es Herbst und das Gras wurde nass, das war dann schon nicht mehr so königlich. Plötzlich kam aus dem südlichen Irgendwo Menschin Olga um die Eck und versprach mir die Welt. Obwohl ich eigentlich besseres verdient hätte, ging ich trotzdem mit Olga in den Süden, aber alles nur auf vertraglicher Basis. Ein Vertrag um sie zu knechten und an mich zu binden. In guten Zeiten, schlechten Zeiten. Ein Leben, das neu begann...Nun gibt sie mir zu Essen, ein Dach über dem Kopf, viel Liebe sowie Zuneigung und ich wendle ihr mit dem Schweif die Fliegen aus dem Gesicht, wenn sie hinter mir vorbeiläuft und es am wenigsten erwartet. Und das sogar im Winter.

 Ich habe einen richtig episch königlichen Namen, aber der entfällt mir permanent. Meistens bin ich "NEI!“, manchmal auch „SUUUUPER!“. 

 Zu meinen Stärken zähle ich zum Beispiel, dass ich sehr treu schauen kann. Deshalb mögen mich auch alle und um dem Ganzen einen draufzusetzen, komme ich sofort angetrabt, wenn die Menschen mich  rufen. Aber das ist alles nur eine fiese, akribisch durchdachte Masche und Teil meines teuflischen Planes, um die Weltherrschaft über den Föhrenhof an mich zu reissen! Meine Tarnung ist lückenlos perfekt, weil ich das Baby im Stall bin und kein Mensch meine Dreistheit vermutet.

 Mein königlicher Dokter hat gesagt, ich sehe aus, als könne ich lesen und schreiben. Tja, natürlich würde ich es nie verraten, wenn dem so wäre. Ausserdem - wer will schon lesen und schreiben können? Ich persönlich schätze es viel mehr die Gabe der Manipulation zu besitzen, die es mir ermöglicht alles zu kriegen, was ich will. Dabei muss ich nur lieb aus der Wäsche schauen und meine Wünsche erfüllen sich von allein. Des Weiteren habe ich die Fähigkeit, alles und jeden in meinem Umfeld bei Bedarf komplett zu ignorieren und alle möglichen Versuche meine Aufmerksamkeit zu erregen, mit einem verstrichenen Blick in die Ferne zu überspielen. Nicht zuletzt kann ich blitzschnell vom Äusseren eines Zuchthengstes der Preisklasse X – Z, zur Körperhaltung eines uralten Kleppers mit Kolik-Rehe-Asthma mutieren, dasselbe auch retour. Am allerliebsten aber schreie ich durch die Gegend wie Mufasa.

 Wenn es etwas gibt, das ich gar nicht haben kann, dann sind es die anderen Wallache im Stall. Sie sind grundsätzlich alle gemeine Konkurrenten, vor allem dieser übertrieben stark behaarte Spanjockel und der andere Deutsche, dieser miese Staatsverräter. Denen kann einfach nie, ich wiederhole NIEMALS, trauen!

 Dafür kann ich es sehr gut mit den Stuten, sie lieben mich. Wenn ich das so sagen darf, bin ich einfach das, was alle Frauen wollen: die perfekte Mischung zwischen bisschen Arschloch und bisschen Gentleman, der es einfach von Natur aus draufhat den Mähnenkamm auf die richtige Art und Weise zu beknabbern. Momentan habe ich zwei Stuten, die gehören mir ganz allein. Die Tendenz meiner Liebschaften ist aber steigend. Man(n) hat mal versucht, mir meinen Harem zu nehmen; ich habe dann unmissverständlich meinen Unmut klargemacht und bei einem geschauspielerten Ausbruchversuch die Hälfte der liebevoll installierten Weideeinzäunung ausgerissen. Und siehe da, man(n) erliess mir wieder meine Ladies - true story! Einzige unschöne Konsequenz dieser Aktion war, dass ich einige Tage später sehr gründlich an meiner leider fehlenden Männlichkeit begrabscht wurde, damit alle auch wirklich sicher waren, dass ich Wallach bin.

 Neben meinen Ladies habe ich noch eine andere grosse Liebe: die blaue Schüssel. Sie ist magisch und immer mit Essen gefüllt. Meine Sonne geht auf, wenn ich sie sehe.

 Obwohl es jetzt vielleicht so scheint, als ob ich mich nur um mein Egozentrum und vielleicht noch die magische blaue Schüssel kümmere, weiss ich doch sehr viel über das Leben. Zum Beispiel, dass eine wesentliche Eigenschaft der Diplomatie der Kompromiss ist. Deshalb ist es von mir aus okay, wenn mir Olga ab und zu auf den Rücken klettert, und dort oben krampfhaft versucht, teils etwas missverständliche Anweisungen zu geben. Ich habe glücklicherweise mit meinen vier Jahren schon die Grösse zu verzeihen, schliesslich sind nicht alle so schwächefrei wie ich, die Olga schon gar nicht. Meistens folge ich ihren Bitten (wir erinnern uns: es ist ein Geben und Nehmen auf vertraglicher Basis). Ausser bei dem Ding wo ich so seitwärts die Beine kreuzen muss, das ist jetzt nicht so der Knall aus dem All. Für solche Sinnlosigkeiten habe ich dann den Asthma-Kolik-Klepper-Modus.

 Meine Menschin Olga ist eine Meisterin der Erpressung und Korruption. Dies und ihre Abstammung aus dem Ostblock machen sie mindestens so verdächtig wie mich und meine teuflischen Pläne, deshalb verfolge ich sie immer auf Schritt und Tritt und durchsuche sie jedes Mal nach Wanzen oder Bestechungsmaterial, das ich dann gleich vernichten muss, bevor sie mich damit in eine für mich ungünstige Lage manövrieren kann. Ich würde gerne die mir hier gebotene Möglichkeit nutzen, um Olga ein paar Worte zum Abschluss zu sagen. Hör mal zu:

 Ich habe Angst, wenn du anfängst zu schreien, dann habe ich etwas gründlich falsch gemacht und ich bin zu eitel, um mir meine eigenen Fehler einzugestehen. Bitte überlasse mir das Herumgeschreie, dafür gebe ich mich damit einverstanden, dass du beim Ausreiten immer singen musst. 

 Die Kuhherde auf dem Hügel gegenüber habe ich zwar schon dreitausend-und-zwei Mal gesehen, aber je nach Stand der Sonne und dem dadurch ständig wechselnden Schattenwurf kann man nie wissen, ob es tatsächlich immernoch dieselben Kühe sind. 

 Das Band zwischen mir und der magischen blauen Schüssel ist unbrechbar. Bitte wirf dich das nächste Mal nicht wieder dazwischen, wenn du sie mir versuchst zu servieren.

 Fremde Pferdeäpfel sind für mich der (s)Hit, das ist wie der Newsfeed von Facebook und verdammt Olga, ich muss da einfach dran schnüffeln, ich muss!

Du denkst du kannst mit der Küchenschere viel besser umgehen, als dies tatsächlich der Fall ist. Bitte hör auf mir solche unmännlichen Haarschnitte zu verpassen. Bitte. Danke.

-Hochachtungsvoll, Dein Cornet's Yuri

PS: Ich habe genau gesehen, dass bei der Geissel die Schnur abgerissen ist. Du kannst für's nächste Mal longieren schon mal die Jogging-Schuhe auspacken... "

Tags: olga
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