Für immer Dein, für immer Mein

Der Blog, den ihr gerade zu lesen beginnt, stammt aus einer Reihe von Liebesbekundungen, die ich mal für einen Wettbewerb geschrieben habe. Der ursprüngliche Text bezog sich auf die Auseinandersetzung mit zwischenmenschlichen Beziehungen, aber irgendwie finde ich, dass man das, was da zwischen einem Pferd und seinem Reiter passiert, auch als eine Art Beziehung bezeichnen könnte. Zwar heisse ich weder Wendy noch Joy, also wer bin ich schon, dass ich über Pferde- oder Beziehungsfragen schreiben könnte. Doch nur, weil ich etwas nicht kann, heisst es lange nicht, dass ich es nicht versuchen werde.

Aus dieser Grübelei entstand also folgender, pferdig angepasster Text - ein klein wenig emotionale Nackedei, also nicht nur witzig (doch, vielleicht ein bisschen):

Die Liebe ist etwas Geniales, die kann ich nur empfehlen. Und verliebt sein ist ganz leicht, das kann irgendwie jeder. Einige haben ganz genaue Vorstellungen davon, was sie lieben. Sie lieben das Wetter, laute Autos, Kleider oder krasse Machos. Und dann gibt es noch mich: Ich hänge mein Herz an alles Mögliche, ohne Vorwarnung, oft zu schnell und meistens ohne besonderen Sinn.

Diese Feststellung liess mich ziemlich genau heute vor zwei Jahren die wahnwitzige Idee gebären, mich zur Abwechslung mal so richtig gezielt zu verlieben. Ein Wallach solltest du sein, gross gebaut, in dunkler Jacke und mit genug Blut.

Wie es sich für das 21. Jahrhundert gehört, fand ich dich auf einer Internetplattform. Du warst nicht ansatzweise das, was ich mir vorgenommen hatte zu finden und trotzdem hat sich mein eigensinniges, unergründliches Herz einmal mehr ohne Vorwarnung, viel zu schnell und ohne besonderen Grund an dich und deine schräge Blesse gehängt.

Anfangs schien für uns die Sonne aus jeder Himmelsrichtung und sogar nachts, um uns herum gab es Blumen in den unmöglichsten Farben, die alle Rückschläge in ihren Schatten stellten und rasch vergessen liessen. Jeder Tag mit dir war ein Abenteuer, das immer happy endete. Aber auf Dauer glücklich sein, das geht doch nicht, wer macht das schon? Also ich ganz bestimmt nicht, dafür zerfleische ich mich viel zu gern.

Heute, nach bald zwei Jahren, sind wir ein Abenteuer geblieben. Zwei Jahre voll Arbeit, richtig harter Arbeit. Immer wieder haben wir gegeneinander gekämpft, nur um immer wieder aufs Neue festzustellen, dass sich nur das Gegenteil davon lohnt. Es gab Tage, an denen ich vor Freude die ganze Welt umarmen wollte und dann, nur wenige Zeit später, hätte ich alles Leben dieser Erde erdrosseln können.

Heute, nach bald zwei Jahren, bist du omnipräsent. Sei es durch deine Haare, die mit einer unvergleichbaren Hartnäckigkeit an jedem, wirklich ausnahmslos JEDEM meiner Kleider haften, sei es durch die Goodiekrümel, die ich in allen Taschen finde, oder sei es durch die Zeit, die mir ständig fehlt, weil es unausgesprochen feststeht, dass sie dir gehört. Oft bist du ein Muss, das ich nicht wegdenken darf, obwohl ich es vielleicht an bestimmten Tagen heimlich gerne wegdenken würde.

Verliebt sein ist ganz leicht, verliebt sein konnte sogar ich. Nach einer gewissen Zeit ist dieses Hochgefühl aber zwischen die Zeilen verschwunden und ich bin gezwungen das Grosse und Ganze zu lesen, um zu verstehen.

Jetzt weiss ich, dass ich dein Mensch bin, selbst wenn du an schlechten Tagen die Ohren bei meiner Ankunft so brutal nach hinten klappst, dass man denken könnte, sie wären gar nicht da. Ich weiss, dass ich dein Mensch bleiben werde, selbst wenn du mir an solchen Tagen nur dann einen lieben Blick schenkst, wenn ich dir im Gegenzug etwas Essbares zwischen die Zähne schiebe. Es ist vielleicht egoistisch, aber ich sehe so viel von mir in dir. Denn egal wie grau mein eigener Tag war, ein mit Käse überbackener Z’nacht lässt die Sonne wieder scheinen. Ich weiss, dass du mein inneres Bein knallhart ignorierst, nicht, weil du dämlich bist und mich nicht verstehst, sondern weil du gerade einfach keinen Bock hast. Und ich weiss selbst dann, dass du mich magst, wenn du deine Fürze genau auf den Zeitpunkt timest, in dem ich gerade deinen Schweif bürste. Zwischen all diesen Zeilen werde ich unser grossartiges Ganzes immer herauslesen. Versprochen.

Ob du besser dran wärst mit jemand anderem, kann ich dir nicht sagen. Viel zu oft glaube ich, du hättest jemand Besseres verdient. Jemand talentierteren und seriöseren, einen Routinier, der dir zeigen könnte, dass die Welt rund ist. 

Viel zu oft glaube ich auch, ich hätte so viele Möglichkeiten ohne dich. Aber du bleibst die schönste. Damals habe ich mein Herz ohne Vorwarnung, viel zu schnell und ohne besonderen Grund an dich und deine schräge Blesse gehängt und ich würde mich heute noch immer und immer wieder für dich entscheiden. Es gibt nichts, was meine Zuneigung mehr verdient hätte - nicht einmal Machos oder Käse. 

(Kitschig im Quadrat! Foto by: Katja Stuppia)

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(5) Kommentare

  • .

    Liebe!

  • einfach Spitze !!!

    So toll geschrieben ! Hab laut gelacht ! Danke :-)

  • wie wunderbar treffend ! !

    Seit 25 Jahren erlebe ich dieses Wechselbad der Gefühle mit meiner Stute ! Als Sportkameradin war 's wie 2 Frauen im täglichen fight und wenn's draufankommt das Super-Team. Eine Lebensbereicherung die heute in gegenseitigem Respekt und nonverbalem Austausch auch immer noch mit prikeldem Esprit abläuft.

  • Aus der Seele geschrieben

    Hallo Olga
    Ich glaube man kann es nicht treffender sagen.
    Tja, wo die Liebe hinfällt...........

  • Ein Hoch auf die Liebe!

    Ein wunderschönes Liebesbekenntnis Olga!

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