Freizeitreiter GOES Dressur: Die Kurzkehrtwendung

Uff, was habe ich mir oder besser gesagt uns (Gipsy und mir) da wieder eingebrockt…

Zuerst war ich ein bisschen enttäuscht, als ich auf meinem „Stundenplan“ sah, dass ich natürlich auch an unserem Vereinspferdesporttag in der Schule erwartet werde, weshalb die Freude über die Verschiebung dann riesen gross war. Wohl etwas zu gross, sodass ich als FREIZEITREITERIN mich gleich für BEIDE Dressurprogramme angemeldet habe. Weil es eine interne Veranstaltung ist, dachte ich mir, dass bestimmt viele sich dafür melden werden… falsch gedacht: Ich trete jetzt nämlich ganz ALLEINE gegen unsere Dressurcracks an!

„Alles Feiglinge?!“, fragte ich mich, bis ich dann mal begann das Programm durchzulesen… 

Bereits beim vierten Punkt „Kurzkehrtwendung rechts“ stockte mir der Atem, weshalb ich mich in der letzten Zeit intensiv mit diesem Thema beschäftigt habe… Schlussendlich brachte ich sogar meine Reitlehrerin zum Verzweifeln, da ich dies unbedingt noch unter ihrer Aufsicht üben wollte. Leider hatte ich mir dazu leider nicht gerade die passende Gruppenstunde ausgesucht, weshalb es die nachfolgende Gruppe dann noch schwieriger hatte, weil ich ihr schon die meisten Nerven geraubt hatte…


Dennoch möchte ich euch diese Dressurlektion ein bisschen näher bringen.


Definition

Die Kurzkehrtwendung ist eine Lektion beim Dressurreiten, bei der das Pferd um 180 Grad gewendet wird. Einfach gesagt, eine Hinterhandwendung in der Bewegung, ohne zu halten und aus dem Mittelschritt oder Trab heraus, im Schritt ausgeführt. Ziel dabei ist es, dass das Pferd mit den Hinterbeinen in einem möglichst kleinen Kreis tritt, dessen Mittelpunkt ganz nahe am inneren Hinterbein ist. Die Vorderbeine treten dabei seitwärts, sich kreuzend in einem halben Kreis herum. In der kurzkehrt selbst ist das Pferd in Bewegungsrichtung gestellt und gebogen. Die Hinterbeine sollen sich nicht kreuzen (lediglich der letzte Schritt, um wieder zum Hufschlag zu gelangen geht traversalenartig vorwärts-seitwärts), sondern im Takt jeweils in einem engen Kreis treten, insbesondere das innere Bein, denn es darf nicht einfach in ständigem Bodenkontakt stehend gedreht werden.

Theorie verstanden, doch was ist mit der Praxis?
Beispiel einer Kurzkehrtwendung links (rechts funktioniert gleich, jedoch mit seitenverkehrten Hilfen) Bevor eine Wendung eingeleitet werden sollte, müssen die Schritte des Pferdes verkürzt werden.  Anschliessend wird das Pferd nach links gebogen, indem man das Gewicht nach innen verlagert und mit dem inneren Schenkel vermehrt treibt.  Der äussere Schenkel wird als verwahrender Schenkel eine Handbreite hinter der Gurte platziert und erhält so die Biegung. Damit diese überhaupt ermöglicht werden kann, muss der äussere Zügel etwas nachgeben. 
Diese Hilfen verwenden wir ebenfalls, wenn wir eine Volte einleiten würden. Wenn das Pferd jetzt vorwärts-seitwärts treten möchte, müssen wir die Vorwärtsbewegung aufhalten, in dem wir unser Kreuz und die Oberschenkel anspannen, wie wenn wir Durchparieren würden, sowie mit dem äusseren Zügel eine kurze Parade. 
Denn unser Ziel ist es ja, dass das Pferd einen Schritt Seitwärts und nicht vorwärts macht. Damit dies auch beim Pferd ankommt, muss jeder Schritt der Kurzkehrt einzeln geritten werden.  Sobald das Pferd seitwärts getreten ist, wird innen wieder nachgetrieben, um den nächsten Schritt auszulösen. Kreuz, Oberschenkel und der äussere Zügel halten dann wieder die Vorwärtsbewegung auf.  So geht es weiter, bis der Halbkreis vollständig ist. Zum Schluss der Kurzkehrt wir ein Schritt vorwärts-seitwärts geritten, um wieder zum Hufschlag zu gelangen. Dazu gibt man dieselben Hilfen, nur das diesmal die Vorwärtsbewegung nicht aufgehalten wird. Sobald das Pferd wieder geradegestellt ist, wird weitergeritten.

Tipps zum Üben und häufige Fehler 
Am Anfang sollte sich die Kurzkehrt aus einer Volte heraus entwickeln, denn so lernt man die Vorwärtsbewegung aufzuhalten und das Pferd seitwärts treten zulassen. Dabei sollte stets darauf geachtet werden, dass der Takt nicht verloren geht. Einer der häufigsten Fehler bei der Kurzkehrt ist, dass das Pferd mit dem inneren Hinterbein stehen bleibt. Um diesen Fehler zu beheben sollten Sie Wendung erst einmal wieder grösser angelegt werden. Dabei sollte bewusst darauf geachtet werden, dass jeder Schritt einzeln geritten und das Pferd nicht einfach herum geschoben wird. 

Ein anderes Problem kann auftreten, wenn das Pferd sich „verwirft“ und dann im zweiten Teil der Wendung zu eilig wird. Dabei geht dann jeweils die Biegung verloren. Weshalb darauf geachtet werden sollte, dass mit dem inneren Zügel die Stellung erhalten bleiben kann.  Dabei darf man auch nicht mit dem äusseren Schenkel seitwärts treiben, denn dieser verwahrt lediglich.  Verwirft sich das Pferd stark, sollte die innere Hand etwa eine Handbreit höher gehalten werden, als die Äussere. So wirkt man dem Verwerfen entgegen und hat eine konstantere Verbindung zum Maul.

Wenn das Pferd hektisch wird und um die Wendung rennt, gibt es dafür zwei Ursachen: Überforderung oder falsche Hilfen. Bei beiden Fällen, sollte noch einmal einen Schritt zurückgegangen werden. Also die die Kurzkehrt grösser machen und jeden Schritt bewusst einzeln reiten.  Um das Pferd zu bremsen, kann zwischen den einzelnen Schritten auch einmal angehalten und erst dann weiter geritten werden.

Fazit
Durch diese anspruchsvolle Lektion bekommt der Reiter ein Gefühl, um die Pferdeschultern zu kontrollieren und lernt dabei sein Reaktionsvermögen, Geschicklichkeit und Gehorsamkeit vom Pferd zu verbessen.
Ebenfalls ist sie ein gutes Mittel, um das Gleichgewicht zu trainieren. Aber auch das Pferd zieht für sich daraus Vorteile, denn die Muskulatur von Bauch, Rücken und Oberhals wird gestärkt, sowie die Tragkraft der Hinterhand zunimmt.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mich dieser Herausforderung ungeübt wirklich stellen möchte, oder nicht.
Mein Pro-Argument ist natürlich, dass ich zum ersten und letzten Mal in einer Dressurprüfung den 5. Rang belegen kann (denn es hat ja nur fünf Teilnehmer ;-P)


Wer gerne ein Video mit dem ausgeschriebenen Dressurprogramm sehen möchte, kann dies hier tun. (Kurzkehrtwendung ab 1:00 min)


Ob ich mich wirklich traue oder nicht, könnt ihr demnächst im Magazin lesen!

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