Fortsetzung "Pferde in der Literatur"

Meinen Bericht vom Mai 2016 "Rascher fliegen die Rosse" haben mehrere Reitsportleserinnen und -leser gelesen und kommentiert. Dazu kamen ein paar Anregungen per Mails. Besten Dank!

 

Aus den zugestellten Einsendungen präsentiere ich Euch nun die Empfehlung der Leserin Natalya Gevorkyan aus Russland: "Rote Insel" vom russischen Dichter Boris Slutsky (1919 - 1986). Weil es keine deutsche Übersetzung dazu gibt, habe ich in meinen eigenen Worten und in meinem eigenen Stil ein Gedicht geschrieben, frei übersetzt wie es meine Russischkenntnisse erlaubt haben. Bitte beachtet, dass das Gedicht eine der vielen Tragödien des Zweiten Weltkriegs betrauert, in diesem Fall das Los der Millionen von Pferden auf beiden Seiten der kämpfenden Nationen.

 

"Rote Insel"

 

Pferde können schwimmen, und wie!

Doch weit zu schwimmen - das vermögen sie nicht.

 

Das stolze Schiff "Gloria" verliess die Lande

Mit voller Fahrt voraus und Rumpf geladen

In der Nation schwersten Stunde

Direkt in die Dämmerung - auf der Zielgeraden.

 

1000 Pferde, 4000 Hufeisen, ungezählte Matrosen 

Zählte die wertvolle Fracht

Wie man sich erdenken mag, dicht gedrängt, in des Lebens Blütenpracht

Fortuna ward nicht präsent

In dieser unheilvollen Nacht.

 

Da riss sie, die mörderische Mine, mitten in des Ozeans Wogen

Ein Loch, nein zwei! in des Buges stählerne Wand

Und liess das stolze Gefährt rasch sinken.

Schnell, alle Mann auf die Rettungsboote!

Wie gut hat der Mensch für sich gesorgt und findet trockenen Boden.

 

Doch sieh, was für eine rote Insel sich im Meere erhebt

Fuchsrot, kastanienrot wälzen sich die mächtigen Köpfe der 1000 Pferde

Ein leichter Weg, einem Flusslauf querend zuerst es gleicht

Bis des Pferdes Sinn das Ende ahnt und der aussichtslose Kampf ansteht.

 

Die andere Seite des Flusses - sie wird nicht erreicht. 

Stattdessen ruft die endlose Freiheit, wenn auch in der anderen Welt

Galoppierend, wiehernd, ja ungezügelt sie sich nun tummeln

Derweil ich, der Schreiber, dies traurige Los beklag."

(Boris Slutsky - übersetzt von Stephan Stirnimann)

 

Für Leserinnen und Leser, welche des Russischen mächtig sind oder einfach gern etwas Russische Musik hören möchten, gibt es dazu das Lied "Red Island" der russischen Band "Rock Island", Text und Melodie von Victor Berkovsky (1932 - 2005): https://www.youtube.com/watch?v=_LK2wlbmRtk 

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(1) Kommentare

  • Russland

    Stepfan, danke sehr!!!. Sie haben eine ausgezeichnete Übersetzung gemacht.!!! Ich lese Ihre Artikel hier und in "Fridolin". Schreiben Sie oft. Und wie wir in Russland sagt man: "Mit Gott "Viel Glück für Sie!!!!!

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