Fit durch den Winter: Winterfütterung und ihre Mythen

Wer ältere Pferde pflegt und bewegt hat einen gesunden Respekt gegenüber dem Winter. Auch bei Special frage ich mich immer wieder, wie schaffe ich es dass er nicht plötzlich wieder abmagert, ist es ihm zu kalt, oder habe ich ihn genügend warm gedeckt undundund… Dabei entwickelten wir Reiter auch einige Mythen, welche ich gerne aufdecken möchte.


Die warme Mahlzeit

Da uns Reitern im Winter alle Gliedmassen einfrieren, haben wir oftmals das Bedürfnis unseren Pferden etwas Warmes zu verfüttern. Da wir unseren Liebsten etwas Gutes tun wollen. Mich eingeschlossen…
Dies machen wir jedoch eher, um unsere eigenen Bedenken abzuwälzen, denn als ehemalige Steppentiere verfügen sie über ein ausgezeichnetes Thermoregulationssystem und somit frieren sie nur selten.
Natürlich benötigen ältere Pferde mehr Energie um sich warm zu halten, im Gegensatz zu den jungen Hüpfern. ;-)

Special bekommt täglich lauwarmes Mash, da dies die Magenschleimhaut u.v.m. positiv beeinflusst. Dies mache ich jedoch auch im Sommer so und ist somit nicht eine typische „Wintermassnahme“.


Vorsicht bei warmer Fütterung:
 Bitte beachtet, das ein Tee oder Mash nur so warm sein sollte, dass wir mindestens drei Sekunden (21, 22, 23) den Finger drin lassen können, ohne dass wir Brandblasen davon bekommen ;-)

Wichtiger als eine warme Mahlzeit zu füttern, ist es Fresspausen zu vermeiden. Denn Pferde müssen gerade im Winter genug Energie über das Futter erhalten. Weshalb Futterpausen für den Magen und Kreislauf verheerend wären. Lieber Füttert man mehrere kleine Rationen, als zwei grosse. Die natürliche Wärme kommt bei Pferden übrigens von innen und zwar durchs Heu (heizt ein) und ein gutes Polster.


Genügend Trinken!

Momentan ist meine grösste Angst bei Special, dass er eine Verstopfungskolik erleiden muss. Durch die Umstellung im Herbst/Winter bekommt er nämlich ziemliche Verstopfungen. Ausserdem habe ich das Gefühl, dass er manchmal das Trinken vergisst, sodass ich ihm entweder so viel Wasser übers Essen kippe, dass er wenigstens dann trink oder ihn sogar am Brunnen dazu zwinge. Er hat mittlerweile sogar eine Technik herausgefunden, wie er mich veräppeln kann, denn er hält nur das Maul ins Wasser und trinkt nicht. Deshalb muss ich nun immer prüfen ob er auch wirklich schluckt. ;-P

Aber auch andere Pferde trinken im Winter nicht ausreichend. Weshalb es durchaus Sinn macht, das Trinkwasser in der kalten Jahreszeit anzuwärmen oder gar Tee (Pfefferminz, Kamille etc.) zu verabreichen, um sie wieder zum Trinken zu animieren.

Öl als ideale Energiequelle

Öl ist im Winter eine ideale Energiequelle. Man kann den Pferden beispielswiese Karotten mit etwas Öl verfüttern.  Jedoch muss man dabei die Dosis beachten, denn mit dem Öl könnte man vom Energiewert sogar das Kraftfutter ersetzten. 
Als Faustregel kann man sich merken, dass man max. 300 Milliliter Pflanzenöl pro Tag füttert, was einem Kilo Hafer entsprechen würde.  Zudem hat Öl noch einen schönen Zusatznutzen: Denn es bringt Glanz in das Fell. Besonders im Fellwechsel hilft ein täglicher Esslöffel Leinöl


Mythen und einige Wintertipps


Vitamine im Winter
Immer wieder freue ich mich, wenn meine Pferde sich an einer sonnengereiften Orange erfreuen. Denn diese liefert ja schliesslich Vitamin C.
Mythos: Sie liefert zwar das genannte Vitamin, doch hebt sie den Vitamin-C-Pegel nicht so an, dass sie Pferde wirksam vor Husten oder Schnupfen schützt, wie das beim Menschen der Fall wäre. Denn im Fall von Stress oder gar einer Erkältung benötigt ein Grosspferd eine Dosis von 20g Vitamin C-Pulver.
Dafür müssten wir unserem Liebling täglich 166 Äpfel in den Stall liefern lassen. ;-) Gesunde Pferde brauchen kein Vitamin C zusätzlich, da ihr Körper genug davon herstellt.


Aber natürlich können wir Pferden Saftfutter wie Karotten und Äpfel füttern, dass diese jedoch den Vitaminbedarf ähnlich wie Weidegras deckt, ist jedoch irreal.  

Vitamin A
Um den Tagesbedarf zu decken, müsste das Pferd fünf bis zehn Kilo Karotten täglich fressen, was absolut schädlich wäre.
Denn Wurzelgemüse (wie Karotten oder Rote Bete) ist stark Nitrat und Nitrit haltig. Deshalb sollte man nie mehr bzw. höchstens zwei Kilogramm täglich verfüttern. Diese Dosis würde erwiesenermassen gutes bewirken: Haut, Schleimhäute und Immunsystem profitieren von der Vitamin-A-Zufuhr ebenso wie von den enthaltenen Spurenelementen, etwa Zink, Eisen oder Phosphor.

Auch Äpfel und Birnen können als Leckerbissen gereicht werden. Die Apfelschale liefert wichtige Ballaststoffe wie das Kohlenhydrat Pektin. Und im Darm des Pferds wirkt es zudem gegen Durchfall und Kotwasser.
Vorsicht bei den Birnen: Diese sollten nie in grösseren Mengen verfüttert werden, da sie im Magen und Darm gerne nach gären, was wiederum eine Kolik verursachen kann. Auf den Vitamin- und Mineralstoffhaushalt des Pferds haben kleine Mengen an Obst und Gemüse also keine durchschlagende Wirkung. Dennoch lieben sie unsere Pferde, was ja auch schon ein Grund zur Fütterung sein kann. ;-)


KEINE VERFÜTTERUNG VON GEFRORENEM!

Das Füttern von gefrorenem Obst oder Gemüse sollte man in jedem Fall vermeiden, denn auch hier droht hohe Kolikgefahr. Die Drüsen im Verdauungsapparat des Pferds arbeiten nämlich temperaturabhängig und vertragen deshalb keine Kälteschocks!

Echinacea zur Stärkung des Immunsystems
Diese Recherche hat mich etwas geschockt, denn auch ich gebe meinen Pferden Echinacea zur Stärkung des Immunsystems.  Mythos: Gemäss Experten ist die vorbeugende und heilende Wirkung von Echinacea – in Reinform rotem Sonnenhut – beim Pferd angeblich gleich null. Sogar beim Menschen wird über die Wirkung und effektivste Dosis der Tropfen noch gestritten.


Eiweissgehalt sichern durch Salat
Beim nächsten Punkt bin ich persönlich ziemlich vorsichtig. Aber gemäss Professor Dr. Manfred Coenen vom Institut für Tierernährung in Leipzig, kann man dem Pferd Kopfsalat in Lebensmittelqualität verfüttern, ohne dass es fürs Pferd Gefährlich ist. Denn diese Pflanze liefert dem Pferd einen Eiweissgehalt, welcher dem vom Gras ähnelt. Sogar Gemüsepflanzen wie Artischocken werden Pferden in manchen Regionen problemlos gefüttert.

Fütterung von Kräutern
Als Allheilmittel im Winter gelten auch Kräuter. Dabei sollte man beachten, dass Pferde auf ständiges Füttern von Kräutern sehr sensibel reagieren. Weshalb man nach vier bis sechs Wochen damit aufhören sollte. Nachweislich hat beispielsweise Thymian eine besonders positive Wirkung auf die Pferdegesundheit. Diese Pflanze putzt die Bronchien durch und wirkt zudem beruhigend auf die Atemwege. Die Frage ist jeweils, wie das Pferd die Stoffe abbaut, denn Pferde reagieren auf Kräuter sensibler als Menschen, was auch für den gern verfütterten Knoblauch gilt. 


Bei trächtigen Stuten muss eine Kräutergabe mit einem Spezialisten besprochen werden!


Rezepte zum selber herstellen von…

…Mash: Eine grosse Tasse Leinsamen mit Wasser aufkochen und etwa eine Stunde ziehen lassen. Danach zwei „Handvoll“ Weizenkleie (ca. 50 Gramm) und zwei „Handvoll“ gequetschten Hafer dazugeben.

…Anis-Apfelplätzchen: Dazu braucht es geriebene Äpfel, Haferflocken, Mehl, etwas Honig und Backpulver. Die Zutaten werden zuerst vermischt, dann zu Kugeln geformt und schlussendlich 40 Minuten gebacken. Innerhalb einer Woche sollten die Kräcker verfüttert werden, da das Pferd diese nur „frisch“ fressen sollte.

Hoffentlich konnte ich euch damit einige Tipps für den Winter mit auf den Weg geben. Und den einen oder anderen Mythos war sicherlich auch noch nicht bekannt. ;-) 

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