Erste Hilfe „leicht“ gemacht: Der Vitalparameter

Das letzte Mal habe ich euch im Rahmen der ersten Hilfe aufgezeigt, was alles in eine Stallapotheke gehört.

Nun möchte ich euch gerne den Vitalparameter der Pferde näher bringen, welcher uns nicht nur bei einem Notfall hilft die Lage bzw. das Wohlbefinden des Pferdes besser einschätzen zu können.


Die Temperatur
Im Vergleich zum Menschen hat ein ausgewachsenes Pferd höhere Normalwerte, denn eine Körpertemperatur von 37.3 – 38.2 Grad Celsius ist normal. Bei einem Fohlen (bis 6 Monate) ist diese mit 38 – 39 Grad Celsius sogar noch höher.

Es muss jedoch beachtet werden, dass man einem Pferd NIE nach einer anstrengender Arbeit Temperatur messen sollte, denn diese kann sich nach getaner Arbeit bis auf 40 Grad Celsius erhöhen. Nach zwei Stunden Ruhe muss sich der Wert jedoch wieder im Normalbereich befinden.
Interessant ist auch, dass die Werte morgens meistens niedriger sind als abends.
Hinweis: Jeder Pferdebesitzer sollte die normale Körpertemperatur seines Pferdes kennen. Deshalb sollte vor dem Ernstfall immer zur gleichen Zeit Fiebergemessen werden, um einen entsprechenden Richtwert zu erhalten.


Fiebermessen beim Pferd
Viele trauen sich das Fiebermessen beim Pferd nicht zu, dabei ist es mit etwas Übung und einhalten der Sicherheitsvorschriften, überhaupt kein Problem. Früher hatte ich ebenfalls etwas Respekt, da man schliesslich nie weiss, wie das Pferd darauf reagiert.

Da ich jedoch bei meinem Senioren ständig überprüfen muss, ob er nur einen schlechten Tag hat, oder ihm wirklich etwas fehlt, ist es für mich fast schon zum Alltag geworden.
Was sich natürlich auch im Stall schnell herumgesprochen hatte, weshalb ich auch immer wieder bei „fremden“ Pferden Fieber messe.


Doch wie messe ich bei einem Pferd nun Fieber?
Das Thermometer wird sanft und langsam rektal im After eingeführt. Am schnellsten und sichersten verwendet man dafür ein für Pferde entwickelten Digital-Thermometer.
Das Fieberthermometer SAFEHORSE ist lang genug, um bis in den idealen Messbereich im Darm zu reichen und ist zudem durch einen griffigen Ring hinten, sicher zum Festhalten.
Falls ein herkömmliches Thermometer benützt werden soll, muss es hinten mit einer Schnur ums Handgelenk befestigt werden, denn sonst besteht die Gefahr, dass der ganze Fiebermesser im Darm verschwindet.


Bei meiner Recherche habe ich zudem gelesen, dass man das Fieberthermometer im After etwas verkanten muss, damit die Spitze die Darmwand berührt und man somit keinen zu niedrigen Wert bekommen kann.
Da ich dies jedoch etwas heikel finde, möchte ich dies zuerst bei meinem Vertrauenstierarzt besprechen.


Achtung: Wenn man das Pferd nicht kennt bzw. noch nie gemessen hat, sollte man beim Einschieben und während des Messens nicht direkt hinter dem Pferd, sondern seitlich davon stehen.
Ein gut angefeuchtetes oder mit Vaseline eingeschmiertes Thermometer gleitet zudem deutlich leichter und ist somit angenehmer fürs Pferd.
Am Anfang ist es eventuell sogar besser, wenn man noch eine Hilfsperson zur Seite hat, welche das Pferd mit Kraulen, Futter oder einer kurzen Massage ablenken können.


Wo beginnt beim Pferd Fieber?
Wie ihr sicherlich ja schon von mir wisst, bin ich ein Fan von Tabellen mit Richtwerten, deshalb habe ich euch eine solche mit den Körpertemperaturen zusammengestellt.

Denn diese Temperatur wichtiges Indiz dafür, ob der Tierarzt kommen muss!


32.0 – 37.2 Grad Celsius Untertemperatur

37.3 – 38.4 Grad Celsius = Normaltemperatur

38.5 – 39.5 Grad Celsius = leichtes Fieber

39.5 – 40.5 Grad Celsius = Fieber

40.5 – 41.5 Grad Celsius = hohes Fieber


39.0 – 39.5 Grad Celsius =Temperatur nach Belastung, bei starker Anstrengung sogar bis 40 Grad Celsius


38.0 – 39.0 Grad Celsius = Normaltemperatur bei Fohlen bis 6 Monate


Folgende Faktoren können die Körpertemperatur beeinflussen:


-Pferde, die sich gerade eben noch körperlich angestrengt haben, haben auch eine deutlich erhöhte Temperatur


-Pferde, welche in einem warmen Stall hausen, können eine höhere Körpertemperatur haben


-Pferde, die gerade kalt getränkt wurden, können eine niedrigere Körpertemperatur aufzeigen


Kann all dies ausgeschlossen werden und die Temperatur liegt trotzdem über 38.5 Grad Celsius, wird am besten der Tierarzt gerufen!


Die Atemfrequenz
Die Atemfrequenz wird in Atemzügen pro Minute angegeben und beträgt bei einem erwachsenen Pferd in Ruhe 8 – 16 Züge/min.


Bei Fohlen beträgt die Atemfrequenz 20 – 40 Atemzüge/min.


Wie zähle ich die Atemfrequenz bei meinem Pferd?
Die Atemfrequenz lässt sich am besten ermitteln, wenn man sich hinter oder schräg vor das Pferd stellt und die Bewegung des Bauches (Flanke) beim Ein- und Ausatmen betrachtet.


Dabei wölben sich normalerweise beim Einatmen die Rippen nach aussen, wobei der Bauch dicker wird, weil die luftgefüllten Lungen mehr Platz brauchen und sich die übrigen Eingeweide deshalb in den Bauchraum verlagern.
Beim Ausatmen wird der Rippenbogen dann wieder flacher und der Bauch zieht sich ein.
Im Normalfall verlaufen dabei die Einatmung aktiv und die Ausatmung passiv.
Das bedeutet, dass sich bei der Ausatmung die Lungen sich aus eigener Kraft wieder zusammen ziehen, ohne dass sie dafür Muskelkraft aufwenden müssen.
Bei einer erschwerten Atmung jedoch, wird die sogenannte Bauchpresse eingesetzt (die Bauchmuskeln werden angespannt), um die Luft aktiv aus den Lungen zu pressen.
Dies kann man erkennen, wenn die eine längere Verdickung der Bauchmuskeln beobachten werden kann. 
Ausserdem kann man die erschwerte Atmung auch an einer Erweiterung der Nüstern beim Einatmen und an einem Einziehen des Afters beim Ausatmen feststellen.


Die Herzfrequenz
Die Herzfrequenz wird in Schlägen pro Minute angegeben und beträgt beim erwachsenen Pferd etwa 28 – 40 Schläge/min.


Fohlen haben mit 130 Schläge/min auch hier deutlich mehr. Im Verlauf der ersten Wochen jedoch auch Werte zwischen 70 und 100 Schlägen/min normal.


Wie messe ich die Herzfrequenz meines Pferdes?
Da bei einem gesunden Pferd jeder Herzschlag zu einer Pulswelle, die sich an den Arterien fühlen lässt führt, eignet sich die Arterie, die man am Unterkiefer am Übergang zu den Ganaschen fühlen kann, am besten für eine Messung.
Hinweis: Der Puls sollte jedoch nie mit dem Daumen gemessen werden, da man dabei versehentlich den eigenen Pulsschlag zählen könnte!


Die Herzfrequenz kann unter starker Beanspruchung bis auf über 200 Schläge/min ansteigen.

Zudem gilt hier je besser das Pferd trainiert ist, umso langsamer steigt die Frequenz an und umso schneller sind dann auch die Ruhewerte wieder erreicht.


Nun kennt ihr die wichtigsten Werte des Vitalparameters eines Pferdes. Demnächst zeige ich euch dann noch die Kontrolle der restlichen Vitalfunktionen auf. Sowie was man bei Fieber / Untertemperatur unternehmen kann etc.

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