Eröffnung der Weidezeit Teil 1: Das Anweiden

Bald beginnt die beliebteste Zeit der Pferdewelt: Die Weidesaison ist eröffnet!
Endlich geht es wieder auf die heissgeliebte Weide, wo man herumtollen, mit Freunden spielen / schmusen und natürlich am aller wichtigsten: saftiges Gras fressen kann.


Doch bei Unerfahrenheit des Reiters, kann sich dieser Glücksmoment schnell in einen Alptraum verwandeln. Denn ein zu kurzes „Anweiden“ kann zu Hufrehe, lebensgefährlichen Koliken oder auch Durchfall führen.
Die meisten Pferde mussten seit Oktober auf das Weidegras verzichten und deshalb ist bei der Umstellung auf das neue Futterangebot Vorsicht geboten.
Eine gesunde Darmflora braucht nämlich mindestens 14 Tage, um sich auf einen Futterwechsel umzustellen.

Was ist so gefährlich am Gras?
Wenn das Weidemanagement stimmt, ist Gras für Pferde eine gesunde Futterquelle.
Hier spielen viele Faktoren mit hinein, wie beispielsweise die Zusammensetzung der Pflanzen, die Düngung und die Nutzung. Bei Weidegang fressen Pferde grosse Mengen Gras, ein Warmblutpferd (Gewicht 600 Kilogramm) pro Stunde ungefähr drei bis vier Kilogramm, bei ausschliesslicher Weidehaltung je nach Qualität sogar bis zu 60 Kilogramm täglich.
Im Frühjahr ist das Gras besonders reich an Eiweiss und Kohlenhydraten (insbesondere Fruktane: Zuckerstoffe, die im Dünndarm des Pferdes kaum verdaut werden können).
Zu viel Eiweiss belastet den Stoffwechsel, vor allem die Leber und die Nieren. Während vor einigen Jahren noch dem hohen Eiweissgehalt die Hauptschuld an der Entstehung von Hufrehe gegeben wurde, so werden seit einiger Zeit Fruktane dafür verantwortlich gemacht.
Da insbesondere die Kombination aus hohem Fruktan- und hohem Proteingehalt, mit einer verstärkten Fermentationseigenschaft dieses Weidegrases zur einer sprunghaften, massiven mikrobiellen Besiedelung (Milchsäurebakterien) des Darmtraktes führt, kommt es zu einem Absinken des ph-Wertes im Verdauungstrakt. Dieses saure Darmmilieu führt dann zum unten erwähntem Massensterben von Bakterien.

Hufrehe – schmerzhafte Entzündung:
Bei der Erkrankung Hufrehe handelt es sich, um eine sehr schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut des Pferdes.
Es gibt verschiedene Reheformen, sowie auch diverse Auslöser.
Jedoch ist die häufigste Form, die durch Futterumstellung ausgelöst wird und hier insbesondere als Ursache die zu schnelle Umstellung von Heu-/Silagefütterung auf Gras.
Bei einem zu abrupten Wechsel des Futters sterben Darmbakterien in grossen Massen ab und führen zu einer Vergiftung des Organismus. Dadurch wird das Blut dicker und es kommt u.a. zu Durchblutungsstörungen, in den feinen Kapillaren im Hufbereich, durch die nicht nur extreme Schmerzen entstehen, sondern auch wichtiges Gewebe angegriffen und zerstört werden kann.
Jedes Pferd reagiert anders empfindlich auf einen abrupten Futterwechsel.
So gibt es Rassen, die häufiger an Rehe erkranken als andere. Übergewichtige Pferde sind gefährdeter als schlanke, Pferde die wenig bewegt werden erkranken eher als solche, die sich täglich sportlich betätigen. Grundsätzlich gilt jedoch, dass jedes Pferd daran erkranken kann. Da dies ein sehr vielfältiges Thema ist, werde ich ihm demnächst einen eigenen Blog widmen.

Anweiden der Pferde – aber richtig!
Je langsamer, desto besser! Für die Gewöhnung des Pferdes ans frische Gras sollte genügend Zeit eingeplant werden und die zwei wöchige Frist sollte auf keinen Fall unterschritten werden.
In Empfehlungen aus der Fachliteratur wird eine Angewöhnungszeit am ersten Tag von 15 Minuten vorgeschlagen und anschliessend eine tägliche Steigerung von 15 Minuten.
Pferde, die empfindlich oder bereits vorgeschädigt sind (adipöse Pferde oder Pferde, die bereits schon einmal Hufrehe hatten) sollten wesentlich langsamer an die Weide gewöhnen, als gesunde Pferde. Manchmal ist es ratsam Pferde mit Stoffwechselerkrankungen (PSSM, EMS, Cushing) erst dann langsam anzuweiden, wenn das Gras bereits eine gewisse Höhe erreicht hat.

Auch habe ich gelesen, dass nach dem Weidegang zuerst Raufutter gefüttert werden muss, und erst dann das Kraftfutter beigegeben werden soll.
Sowieso sollte die Heuration in der Anweidephase erhöht werden, damit der Heisshunger aufs Gras vermindert werden kann.
Auch sollte auf der Weide immer genügend Wasser zur Verfügung gestellt werden.
Achtung: Sollte in der Anweidephase eine mehrtägige Koppelpause nötig sein, muss wieder beim Schritt 1 vom Anweiden begonnen werden.
Das Verdauungssystem kann sich nämlich nur dann aufs Frischfutter umstellen, wenn die Mikroorganismen im Darm täglich Gras verwerten.

Da ich jedoch ein sehr vorsichtiger Mensch bin, habe ich bei meinen Pferden sogar nur mit 5 Minuten angefangen und auch um diese dann gesteigert.
Vor allem unser Senior und (leider momentan gleichzeitig) auch Patient, genoss in den letzten Wochen ein Anweideprogramm, wie aus dem Bilderbuch! Da dies auch eine gute therapeutische Massnahme ist, um die Pferde zu beschäftigen, welche aufgrund einer Verletzung nicht ihrem gewohnten Alltag nachgehen dürfen.

So können wir das Anweiden der Pferde unterstützen:
Ein optimal funktionierender Verdauungstrakt ist der beste Schutz vor Durchfall, Hufrehe oder Kolik. Daher sollten die Entgiftung und die Ausscheidungsförderung im Vordergrund stehen.

Flohsamen:
Bei jedem Weidegang, sowie auch über Stroh und Heu, nehmen Pferde beim Fressen vielmals Sand und Erde auf. Geringe Mengen kann der Darm selbstständig und ohne weitere Probleme auf natürlichem Weg wieder ausscheiden. Grössere Mengen belasten jedoch den Darm stark und es kann zu Durchfall, Darmträgheit, Verstopfungen, bis hin zu schweren Koliken kommen. Damit dies nicht passiert, sollte man schon vorzeitig die positiven Eigenschaften von Flohsamen nutzen.
Die stark quellfähigen Schalen von Flohsamen verfügen über einen besonders hohen Schleimgehalt, welcher unter anderem Sand, Erde, Toxine im Darm aufnimmt und anschliessend im Pferdeapfel gebunden sicher abtransportiert. Durch die sogenannte „Selbstreinigung“ kann sich der Darm des Pferdes wieder vollständig regenerieren und sorgt so bestimmungsgemäss für beste Gesundheit. Meine Pferde machen zweimal im Jahr eine solche Flohsamenkur (je 30 Tage lang). Vor bzw. während der Weidezeit, sowie im Anschluss als Darmreinigung.

Leinsamen:
Wie in meinem Blog „Fellwechsel“ erwähnt, kriegen Gipsy B und Special täglich Leinsamen gefüttert, damit der erhöhte Bedarf an Aminosäuren und essentiellen Fettsäuren befriedigt werden kann. Auch wirken sie sich positiv auf den Magen / Darm aus und führen zu einem schön glänzenden Fell.

Knoblauchpulver:
Knoblauch ist die bekannteste verwendete Heilpflanze in der Pferdewelt. Er eignet sich hervorragend für die Behandlung von Atemwegserkrankungen, da er sowohl schleimlösend als auch keimtötend wirkt. Er enthält viel Schwefel, welcher durch die Poren der Haut ausströmt, das Blut reinigt und gleichzeitig lästige Insekten fernhält. Knoblauch hilft ausserdem, das Gleichgewicht der Bakterien im Darm zu erhalten, tötet krankmachende Keime ab, was wiederum Voraussetzung für eine geregelte Verdauung ist. Knoblauch ist auch eine der besten Heilpflanzen, um vor Infektionen aller Art zu schützen. Vorbeugend verabreicht wirkt er gegen Husten, Virusinfektionen und Wurmbefall.

Ein konkretes Rezept fürs reibungslose Anweiden gibt es leider nicht, da vieles auf eigenen (pro Pferd unterschiedlichen) Erfahrungen basiert. Entsprechen muss das anweiden verkürzt (bei Durchfall) etc. oder angepasst werden.


Also beobachtet eure Pferde gut, denn ihr kennt sie sowieso am besten! ;-)

 

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