Equine infektiöse Anämie (EIA)

Als ich letztens in den Medien erfahren habe, dass in Deutschland mehrere Pferde aufgrund einer ansteckenden Tierseuche getötet werden mussten, wurde ich natürlich sofort hellhörig.

Schliesslich ist das ja unser Nachbarland.

Aber was ist diese Equine infektiöse Anämie (EIA)?

Dass es sich bei einer Anämie um eine Blutarmut bzw. Blutmangel handelt, ist sicherlich den meisten bekannt.

Gemäss dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV versteht man unter Equine Infektiöse Anämie, eine ansteckende Blutarmut der Einhufer und ist eine Viruserkrankung der Pferde.

Diese Krankheit ist in der Schweiz seit 1991 nicht mehr aufgetreten und ist auch nicht auf Menschen übertragbar. Der Erreger ist weltweit verbreitet (jedoch regional) und gehört zur Gattung „Lentivirus“.

Was ich beispielsweise auch nicht gewusst habe, ist dass die Schweiz die Einfuhr von Pferden aus Rumänien verbietet. Aber was der Im- und Export von Pferden umfasst, werde ich dann in einem späteren Blog nochmals aufgreifen.

Jedoch auch bei Importen aus anderen Ländern ist Vorsicht angebracht. Besonders in Italien, aber auch in Frankreich, bricht die EIA immer wieder aus. Tiere aus betroffenen Regionen sollten deshalb vor dem Import immer getestet werden.

 

Welche Tiere sind betroffen?

An EIA können alle Einhufer (z. B. Pferde, Ponys, Esel, Maultiere und Maulesel) erkranken.

Verlaufsformen und Krankheitssymptome

Die Zeit von der Ansteckung biszum Ausbruch (die sogenannte Inkubationszeit) beträgt in den meisten Fällen 10 bis 20 Tage (sie kann jedoch auch zwischen 1 und 90 Tage variieren).

Zudem hat die Krankheit drei verschieden Verlaufsmöglichkeiten.

Beim akuten Verlauf hat das Pferd beispielsweise sehr hohes Fieber (über 40 Grad Celsius und dies über mehrere Tage) und leidet an Blutarmut. Der zusätzlich auftretende Mangel an Blutplättchen führt zu Punktblutungen, die sich häufig an der Zungenunterseite zeigen.

Pferde die an EIA erkranken, neigen zu Wassereinlagerungen, sind müde / schlaff und zeigen einen Leistungsabfall.Auch typisch für diese Krankheit ist der anfallsweise Verlauf der Krankheiten, deren Dauer meist zwei bis vier Tage betrifft. Sogar plötzliche Todesfälle können vorkommen.

Wer weitere Krankheitssymptome erfahren möchte, kann dies hier (rechts oben im PDF vom 16.01.2007) nachlesen.

Ein Verdacht sollte aber bei folgenden Krankheitsanzeigen bestehen (alles ohne eindeutige bzw. sichtbare Ursache):

-Fieberschübe

-Hohes Fieber und trotzdem ordentliche Fresslust

-Abmagerung und Blutarmut

-Punktförmige Blutungen auf der Zungenunterseite

Wer einen Verdacht hegt, kann sich die Diagnose EIA durch einen Labortest (Cogginstest) bestätigen lassen.

Im Import: Seit 2003 ist für den Grenzübertritt aus EU-Staaten (Ausnahme Rumänien) kein negativer „Coggins-Test“ mehr nötig, sondern nur noch für Pferde aus Nicht-EU-Ländern.

 

Wie wird die Equine infektiöse Anämie übertragen? 

Der Virus wird durch grosse, blutsaugende Insekten (wie Pferdebremsen, Stechfliegen oder -mücken) übertragen. Aber auch eine verunreinigte Injektionskanüle oder infizierte biologische Produkte( wie verunreinigte Plasma- oder Blutkonserven)können bei ebenfalls zu einer Übertragung führen.

Nach der Infektion verbreitet sich der Virus im Körper des Pferdes und stört damit die körpereigene Abwehr. Der EIA-Virus ähnelt somit in dieser Hinsicht dem HIV-Virus des Menschen.

Die infizierten Tiere scheiden dann den Virus mit Körpersekreten wie Speichel, Milch, Sperma oder Urin aus. Bei sehr engem Kontakt (wie zwischen Stute und Fohlen), ist der Übertragungsweg von Tier zu Tier nicht ausschliessbar. Bekannt ist ausserdem, dass eine Infektion über die Gebärmutter dazu führt, dass tragende Stuten das Fohlen verlieren. Seit dem Ausbruch in Irland 2006 wird diskutiert, ob das EIA Virus sogar über die Luft übertragen werden kann.

Infizierte Tiere können den Erreger lebenslang ausscheiden und somit andere Tiere anstecken.

 

Was kann man dagegen tun?

Ein vorbeugender Impfschutz für diese Krankheit existiert nicht. Es müssen deshalb unbedingt alle allgemeinen Massnahmen gegen Tierseuchen eingehalten werden.

Die Equine infektiöse Anämie ist eine auszurottende und somit meldepflichtige Tierseuche. Verdachtsfälle müssen dem Tierarzt umgehend gemeldet werden.

Die jüngsten Ausbrüche in Irland und Deutschland (aktuell)verdeutlichen noch einmal mehr, dass EIA auch für unsere Pferde in der Schweiz zur Bedrohung werden kann.

Die aktuelle Seuchenlage, sowie viele weitere Informationen können hier abgerufen werden.

Isolation anstatt Tod

Im Internet habe ich bei meiner Recherche noch einen Hof in Italien entdeckt, welcher für Pferde die mit Equiner Infektiöser Anämie infiziert sind, eine Alternative zur Einschläferung bietet.

In Italien kann der Besitzer eines auf EIA positiv getestetes Pferd entscheiden, ob er eseinschläfern oder isolieren will. Es ist jedoch nicht erlaubt, es einzuschläfern zu lassen, wenn es zwar infiziert, aber gesund ist, denn die Tötung eines gesundes Tieres ist nicht erlaubt.

Die Pferde, deren Besitzer sich für die Isolation entscheiden, leben in einem Offenstall, welcher sich etwa zwei Kilometer vom IHP-Zentrum entfernt befindet.

Sie leben im Herdenverband unter möglichst natürlichen Bedingungen.

Hier findet ihr das ganze Interview mit Antonio Nardi, Leiter des IHP (Januar 2014).

Auch wenn uns diese Krankheit nicht direkt betrifft, finde ich es trotzdem wichtig, wenn wir als Pferdehalter über solche gravierenden Krankheiten, wenigstens oberflächlich Bescheid wissen.

Wer sich gerne ebenfalls weitere Infos zu diesem Thema holen möchte, tut dies am besten auf folgendem Link: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV

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