Ein Jahr Diagnose ”Equine Cushing Syndrom”

Als wir im Sommer 2015 die Bestätigung auf den Cushing- Verdacht anhand des Blut-Tests (ACTH-Wert) erhielten, sass der Schock zwar nicht gerade tief, denn unterbewusst ahnten wir es ja schon, jedoch haben wir deutlich unterschätzt, was diese Krankheit alles mit sich bringen kann. 

Wer an dieser Stelle genauere Infos über die Krankheit erfahren möchte, kann dies gerne in meinem damaligen Blog nachlesen. 

Ich kann gar nicht mehr abschätzen, wie oft ich den folgenden Satz von meinem Tierarzt, in den letzten paar Monaten gehört habe: „Wir können ihn auf dem üblichen Weg behandeln, ABER das Cushing arbeitet GEGEN uns.“

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Am Anfang dachte ich, dass dies einfach wieder eine seiner (übertriebenen) „nüchternen“ Aussagen sei, denn ich denke, dass er manchmal etwas Angst vor meiner Reaktion hat, weil es handelt sich bei seinem Patient ja schliesslich um MEIN SEELENPFERD und da wird besser nicht zu positiv bewertet. Doch wer mich kennt, weiss dass das „positiv Denken“ nicht gerade zu meiner Stärke zählt, weshalb ich auch so schon immer mit dem Schlimmsten rechne. ;-)

Doch mittlerweile muss ich eingestehen, dass dies überhaupt nicht übertrieben ist, diese Krankheit arbeitet wirklich ständig gegen uns, was natürlich allen Beteiligten ziemlich zu schaffen macht. 

Gerne möchte ich meine bisherigen Erfahrungen mit euch teilen, nicht um euch einzuschüchtern oder zu entmutigen, sondern um nochmals aufzuzeigen, dass es sich trotz meines Pessimismus immer lohnt gemeinsam für die Zukunft zu kämpfen. 

Die Schattentage

Alles begann am 26.6.2015 als der Tierarzt bei Special den Verdacht auf einen Griffelbeinbruch aussprach und sich diese Wunde trotz Behandlung mit Entzündungshemmer und Antibiotika, dann auch noch in eine Phlegmone (Einschuss bzw. umgangssprachlich Rotlauf) weiterentwickelte. Wir haben beides dank der Blutegeltherapie gut in den Griff bekommen, jedoch riet er mir dennoch den Cushing- Test mit Special zu machen. Weshalb er dann bei der nächsten Kontrolle auch gleich das Blut abnahm.    

Mit Special's Griffelbeinverletzung fing alles an... 

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Special bei einer Blutegeltherapie --> er geniesst es jeweils sehr ;-) 

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Nachdem wir ihn nach ersten Anfangsschwierigkeiten gut auf das nötige Medikament (Prascend) eingestellt hatten, folgten dann im Fellwechsel die nächsten Ärgernisse. Neben dem leider bereits seit mehreren Jahren chronischen Husten und der tageweise geschwollenen Beinen, entwickelte er zudem ein Ekzem etwas unterhalb des Mähnenkamms, was auf einen Zinkmangel schliessen liess. 

Natürlich füttern wir nicht einfach so ein Mineral zu, weshalb wir ihm einem weiteren Bluttest unterzogen (was zwar mittlerweile auch immer mehr umstritten wird, aber aufgrund der weiteren Symptomatik dann doch eindeutig darauf hinwies.)   

Mit der entsprechenden Zinkzugabe und der äusserlichen Behandlung mit Kokosöl hielt sich der Juckreiz zum Glück in Grenzen. 

Dank des Zinks und der heilfördernden Wirkung des Kokosöl, wuchsen die Haare zügig wieder nach. 

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Ein weiterer Faktor welcher uns deutlich einschränkt ist der Muskelschwund, welcher diese Krankheit leider ebenfalls mit sich zieht. Wir kämpfen zwar mit dem regelmässigen Equikinetic-Training dagegen an, jedoch merkt man ihm an schlechten Tagen schon an, dass er sich mehr auf seine Bewegung bzw. das Gleichgewicht konzentrieren muss, weshalb es natürlich auch vermehrt zu tollpatschigen Bewegungen kommt und er deshalb im Gelände Stollen tragen muss, weil bei uns leider viele Ausritt-Möglichkeiten nur auf Asphalt war genommen werden können. Denn er ist leider auch schon leicht gestürzt, wenn er sich über etwas erschrocken hatte. 

Im Dezember 2015 bzw. Frühjahr 2016 war dann noch die ganze Karpalgelenk- Geschichte, über welche ich euch ja bereits im „Stellenwert Pferd“- Blog auf dem Laufenden gehalten habe. 

 Special's Klinikaufenthalt am 11.01.2016

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Aktuell beschäftigt uns gerade die Nasennebenhöhlen- Entzündung welche bereits im April 2016 ausgebrochen war und jetzt anscheinend erneut ausgebrochen ist. 

Special leidet seit dem 12.07.2016 wieder an einer Sinusitis, welche wir mit den LifeWave-Plastern untersützend behandeln.

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Alles in Allem zieht dies natürlich regelrecht „einen Rattenschwanz“ mit sich nach. Denn durch die Pseudo-Narkolepsie zieht er sich natürlich oftmals kleinere Wunden zu, welche aufgrund des Cushings dann schlechter heilen usw. 

Ich versuche natürlich anhand meiner Ausbildung zur Tierheilpraktikerin (welche ich noch bis im Herbst besuche), ihm alles zu erleichtern und Vieles haben wir auch wirklich gut in den Griff bekommen. *laut klopf auf Holz* Ich stecke wirklich mein ganzes Herzblut und auch meine Kraft in dieses Pferd, doch bei jedem Kopfschütteln vermute ich schon eine nächste „Attacke“ des Cushings und eine damit verbundene Entzündung. 

Aber ihr denkt jetzt wohl schockiert: „Da ist ja mehr Baustelle als Pferd vorhanden?!“ Doch wer Special kennen lernen durfte, der merkt auch noch heute, dass er voller Lebenswille ist und auch wenn ich die Hoffnung schon längst aufgegeben habe, hofft er einfach für uns beide weiter, dass sich alles wieder zum Guten wendet.  Wer ihn etwas in „Action“ sehen will, kann das gerne hier im Video, dann könnt ihr euch gleich selber davon überzeugen! ;-)  

Übrigens: Dass wir stetig den Darm sanieren und ihn so gut es noch geht, Entgiften versteht sich natürlich von selbst! ;-)  

Die (wenigen aber umso schöneren) Sonnenseiten

Wie ihr bereits in einem älteren Blog mitbekommen habt, habe ich mir bzw. meinen Pferden eine Art „Bucketlist“ zusammengestellt. Nebenbei (stolz) erwähnt, hat Special diese Punkte natürlich alle schon längst abgehakt, weshalb er jährlich seine eigene bekommt. 

Ein grosses Highlight darauf ist jeweils der Bade-Ausflug im Sommer. Ihn so freudig und aktiv Plantschen zu sehen, macht viele Sorgen gleich wieder vergessen.  

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Ein weiteres "to do" ist jeweils das wälzen im Schnee, das ist neben dem Baden die Krönung seiner Wünsche. Ich hoffe sehr, dass wir dies auch nochmals gemeinsam erleben dürfen. Bei der aktuellen Wetterunsicherheit bzw. wenn der Sommer nur noch durchschnittlich 4 Tage andauert, wird dies ja vielleicht noch schneller (als mir lieb ist), wieder der Fall sein ;-) 

Was im Winter der Schnee ist, ist im Sommer der Weidegang. Er liebt es sich ausgiebig im Dreck zu wälzen, weshalb stetig das grösste „Schlammloch“ aufgesucht wird. Ausserdem geniesst er dort mit seinem Lebensmittelpunkt (nein, das bin nicht ICH, obwohl man das nach einer solch langen Freundschaft durchaus meinen könnte :P), meiner Stute Gipsy B friedliche Stunden, bei welcher er die „Seele baumeln“ lassen kann, weil er ihr bedingungslos vertraut. 

Gipsy ist sein "Ein und Alles" und auch wenn er sich sonst vor "Einengungen" fürchtet, ihr vertraut er blind! 

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Wer meint, Special’s Alltag besteht nur noch aus „wälzen“ oder fressen, der irrt sich gewaltig. Natürlich achten wir auf ein altersgerechtes Training / inkl. Schonzeit, aber auch an Vereinsanlässen wie beispielsweise beim weihnachtlichen Gymkhana, machte er noch eine gute Figur, denn wir sicherten uns den zweiten Platz und damit haust der Vereinspokal momentan bei uns Daheim ;-)

Jede Teilnahme ist natürlich mit einem ausgiebigen Stressfaktor (meinerseits) versehen, wenn ich ihn jedoch nach getaner Arbeit so stolz vor mir sehe, blüht auch mein Herz regelrecht auf. 

Special und ich nehmen immer noch an Vereinsanlässen teil. 

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Durch sein hohes Alter von 29 Jahren und das ”Equine Cushing Syndrom“ konnte ich viel für meinen Praxisalltag lernen. Denn dadurch „musste“ ich mich mit stetig mit neuen Behandlungsformen auseinander setzen. Aber auch alle Produkte, welche ich bei der Behandlung einsetze, oder (demnächst) in meinem kleinen aber feinen Online- Shop verfügbar sein werden, mussten zuerst bei mir bzw. meinen Tieren „glänzen“. Sodass ich mir ein ansehnliches Wissen mit den dazu passenden Utensilien aneignen konnte. Special werde ich zwar nicht mehr allzu lange damit unterstützen können, jedoch war er es, der mich zu diesem Standpunkt brachte und so kann ich nun zahlreichen anderen Tieren damit weiterhelfen. 

Meine neuste "Entdeckung" sind die LifeWave- Patches, über welche ich euch natürlich noch genauestens informieren werde. Denn sie ermöglichen von der schnelleren Wundheilung bis hin zur Schmerzentfernung uvm... 

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Ich bin unglaublich froh, dass er deutlich stärker ist, als ich es bin! Denn so konnten wir noch sooo viele tolle gemeinsame Erinnerungen sammeln, welche ich nicht mehr missen möchte. Und noch viel dankbarer bin ich natürlich für jeden weiteren geschenkten Tag, den wir zusammen verbringen dürfen. 

Wie ihr also sehen könnt, gibt es sehr viele unschöne Tage, Tage an denen ich ziemlich wütend bin und denke: „Weshalb muss es schon wieder uns treffen, während andere Menschen ihre Pferde wie Sportgeräte und nicht Lebewesen behandeln?!“ Aber genau das macht das Leben halt aus. 

Man geht mit seiner Liebe / Seelenfreundschaft und Familie einfach gemeinsam durch dick und dünn und ich wünsche allen Reitern von Herzen, dass sie auch einmal auf ihr Seelenpferd treffen und viele gemeinsame Stunden verbringen dürfen! 

Bis bald – euer Angsthase!

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