Ein Fohlen aus der eigenen Stute- Teil 3: Die Geburt

Die Geburt eines Fohlens zu erleben ist ein unbeschreiblicher Moment. Vielleicht hat es die Eine oder der Andere von euch schon per Zufall miterlebt. Oder ihr kennt das stundenlange, ja teilweise sogar tagelange Wachehalten und Warten. Aber es gibt sicher auch diejenigen unter euch, die es noch nie miterlebt haben. Es ist ein Erlebnis, dass sich nicht so einfach in Worte fassen lässt. Probiert man von einer Geburt zu erzählen klingt es meistens sehr banal. Ist man jedoch haut nahe dabei, ist es ein eindrücklicher, meistens auch sehr emotionaler Augenblick. Dieser kurze Moment der Geburt, welcher nur zwischen 20- 40 Minuten dauert, ist oft auch mit grosser Erleichterung verbunden, wenn alles gut läuft.

Mit der Geburt sind wir beim dritten und letzten Thema dieser dreiteiligen Serie „Ein Fohlen aus der eigenen Stute“ angelangt. In diesem Artikel werden die wichtigsten Punkte aufgezählt und erklärt, welche beachtet werden müssen, damit die Geburt reibungslos verläuft. Klar ist jedoch, dass auch bei der besten Vorbereitung und bei der richtigen Unterstützung der Stute Komplikationen auftreten können.

Was sollte vor der Geburt beachtet werden?

Vor der Geburt sollte die Stute einen bestehenden Impfschutz aufweisen, damit das Fohlen passiv davon profitieren kann. Dieser besteht im besten Fall aus Tetanus, Influenza und Herpes. Wird die Stute für die Geburt in eine Abfohlbox umgestellt, sollte sie bereits vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin mit dieser vertraut gemacht werden. Dies damit die Stute keinem Stress ausgesetzt ist und sich an die Mikroflora der Box gewöhnen kann. Stuten, die das erste Mal fohlen, sollten im voraus regelmässig am Gesäuge berührt werden, damit sie das Fohlen nach der Geburt problemlos säugen lassen. Das Euter sollte sauber gehalten, jedoch nicht gewaschen werden.

Anforderungen an die Abfohlbox:

· gross

· sauber: Hygiene ist sehr wichtig, da das Fohlen nach der Geburt sehr anfällig auf Keime ist

· mit reichlich Stroh eingestreut: Stroh hat den Vorteil, dass es nicht zu fein ist und am Fohlen kleben bleibt oder aus Versehen aufgenommen wird.

Anzeichen für die kurz bevorstehende Geburt

Das Pferd weisst von den Haussäugetieren die grösste Variabilität der Trächtigkeitsdauer auf. In der Regel dauert die Trächtigkeit beim Pferd 330 bis 345 Tage. Aber auch eine Tragzeit von nur 320 Tagen oder bis zu 360 Tagen ist möglich. Daher ist das Kontrollieren der Stute auf Anzeichen auch vor dem errechneten Geburtstermin wichtig. Zu den Anzeichen gehören die sogenannten „Harztropfen“, welche sich an den Zitzen der Stute bilden. Sie treten 1-4 Tage vor der Geburt ein, sobald sich Milch im Euter gesammelt hat. Es ist jedoch auch möglich, dass die Stute vor dem Milcheinschuss abfohlt. Weitere Anzeichen für die bevorstehende Geburt sind eingefallene, weiche beckenbänder und Unterbauchödeme. Ebenfalls ein Zeichen für das bevorstehende Abfohlen ist eine verlängert, gerötete und geschwollene Scheidenöffnung.

Ca. 90% der Fohlen kommen in der Nacht zwischen 18 und 6 Uhr zur Welt. Grund dafür ist, dass sich die Stute in diesem Zeitraum am ungestörtesten fühlt. Hält man Nachtwache um die Stute zu beobachten, sollte man sich also möglichst passiv und ruhig verhalten. So hat die Stute die Möglichkeit ihrem natürlichen Instinkt zu folgen.

Die drei Abschnitte der Geburt

Im Allgemeinen lässt sich die Geburt in drei Abschnitte unterteilen.

Das Öffnungsstadium: Diese erste Phase dauert zwischen 1 bis 4 Stunden. Der Vorgang kann von der Stute jedoch für Stunden oder Tage unterbrochen werden. Das Öffnungsstadium geschieht zu einem grossen Teil unter willentlicher Kontrolle der Stute. In dieser Phase wird das Ungeborenen in die korrekte Austreibungsposition gedreht und die Muskulatur im Bereich des Muttermundes entspannt sich. Gleichzeitig wie sich die Muskulatur in diesem Bereich entspannt, beginnt die Gebärmutter sich zusammen zu ziehen. Anzeichen: Schweifschlagen, zum Bauch schauen, häufig kleinere Mengen Kot absetzen, aufstampfen und schwitzen. Das Platzen der Fruchtblase signalisiert den Übergang in die zweite Phase.

Das Austreibungsstadium: Meist legt sich die Stute in Seitenlage hin. Die Wehen werden in dieser Phase stärker und die Kontraktionen der Bauchmuskulatur sind deutlich zu erkennen. In Normalstellung passieren zuerst die Vorderhufe und anschliessend der Kopf den Geburtskanal. Die normale Dauer der Geburt beträgt zwischen 20 bis 40 Minuten. Wenn diese Zeit überschritten wird oder das Fohlen sich nicht in Normalstellung befindet sollte der Tierarzt gerufen werden.

Wie können wir der Stute helfen? Wenn es sich um eine Stute handelt, die ruhig liegen bleibt, wenn Menschen in die Nähe kommen, dürfen wir zu ihrer Erleichterung etwas am Fohlen ziehen. Dabei ist wichtig, dass nicht ständig, sondern nur im Rhythmus der Wehen gezogen wird. Ebenfalls sollte nicht zu stark, dafür gefühlvoll gezogen werden. Sobald der Kopf draussen ist, dürfen wir die Einhülle vom Kopf entfernen, damit das Neugeborene atmen kann. Anschliessend sollte kontrolliert werden, ob sich im Mund des Fohlens keine Überreste befinden. Diese müssen sonst gleich entfernt werden. Die Nabelschnur reisst sobald die Stute aufsteht und sollte nicht künstlich durchtrennt werden.

Stuten, die während der Geburt keine Menschen in ihrer Nähe dulden, sollten nicht gestört werden. Bei solchen Tieren sollte erst im Notfall nachgeholfen werden.

Das Nachgeburtsstadium: Die dritte und letzte Phase tritt nach der Geburt ein und sollte nach einer Stunde mit dem Abgang der Nachgeburt beendet sein. Nach dem Abgang der Nachgeburt muss sogleich geschaut werden, ob sie vollständig ist. Verbleibende Reste in der Gebärmutter können erheblichen Schaden anrichten und Geburtsrehe auslösen. Ist die Nachgeburt nach drei Stunden noch nicht abgegangen spricht man von Nachgeburtsverhalten. Dies ist eine sehr ernste Angelegenheit und der Tierarzt muss dringend herbeigezogen werden.

 

Auf diesem Weg allen Stuten eine gute und komplikationslose Geburt und allen Besitzern ein tolles, unvergessliches Erlebnis.

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