Ein Fohlen aus der eigenen Stute- Teil 2: Die Trächtigkeit

War der Besuch beim Hengst erfolgreich, beginnen die elf Monate des Wartens. Diese Zeit gehört wohl zu den spannendsten und aufregendsten eines jeden Pferdebesitzers.

Während der Schwangerschaft muss einiges beachtet werden, damit die tragende Stute gesund bleibt und die Geburt ohne Komplikationen verläuft. Dazu gehört nicht nur die korrekte Fütterung, sondern auch viel Bewegung. Wer also glaubt, dass tragende Stuten geschont werden müssen, der irrt sich. Untersuchungen haben gezeigt, dass auch Stuten unter ganz typischen „Schwangerschafts- Wehwehchen“ leiden. Eine Reihe von Schwangerschaftssymptomen kann durch Bewegung kompensiert und positiv beeinflusst werden. Dazu gehört zum Beispiel der in der Schwangerschaft anfällige Blutdruck oder der strapazierte Muskel-, Sehnen- und Bandapparat. Auch der Kreislauf und das Immunsystem profitieren von Bewegung. Ebenfalls ist ein regelmässiges Bewegungsprogramm der Mutter für eine gesunde körperliche Entwicklung des Fohlens sehr wichtig.

 

Der positive Einfluss der Bewegung

Intakter Kreislauf: Während der Trächtigkeit muss das Herz Höchstleistung vollbringen. Denn nicht nur der Körper der Stute, sondern auch der des Fohlens muss mit ausreichend Blut versorgt werden. Durch angemessene Bewegung sollte das Herz- Kreislaufsystem trainiert werden.

In der Schwangerschaft müssen Stuten, um den Organismus mit genügend Sauerstoff zu versorgen, besonders tief Luft holen. Aufgrund dessen ist es wichtig, dass die tragenden Tiere möglichst viel an der frischen Luft sind und nicht den ganzen Tag nur in der Boxe.

Angelaufene Beine: Hierbei handelt es sich um vorübergehende Wassereinlagerungen und auch diesem Schwangerschaftssymptom kann mit Bewegung entgegengewirkt werden.

Aktive Verdauung: Damit die komplizierte Verdauung des Pferdes reibungslos ablaufen kann, muss sich das Tier genügend bewegen. Auf diese Bewegung darf auch während der Trächtigkeit nicht verzichtet werden. Denn das Verdauungssystem der werdenden Mütter ist so schon grossen Veränderungen ausgesetzt.

Es könnten nun noch viel mehr Punkte aufgelistet werden, weshalb die Bewegung auch für schwangere Stuten so wichtig ist. Aber wir möchten uns jetzt der Frage widmen, wie tragende Pferde überhaupt bewegt werden sollen.

Wie bewege ich meine tragende Stute?

Wie intensiv und auf welche Art ich die werdende Mutter bewege ist davon abhängig, wie die Stute vor der Trächtigkeit genutzt wurde. Ein Pferd, welches zuvor kaum unter dem Sattel bewegt wurde, soll auch während der Schwangerschaft nicht geritten werden. Einem solchen Pferd sollen lange Weideaufenthalte gegönnt werden. Würde man sie in dieser Phase plötzlich Reiten, würde man die Tiere möglicherweise überfordern. Stuten die jedoch auch vor der Trächtigkeit regelmässig geritten wurden, können auch in der Schwangerschaft problemlos weiter geritten werden. Erst in den letzten Monaten vor der Geburt, sollte darauf geachtet werden, die Pferde nur noch leicht zu bewegen. In dieser Zeit wächst das Fohlen am schnellsten und der Bauchumfang der Stute nimmt stark zu. Wie lange und wie intensiv die Stute während der Trächtigkeit geritten wird, muss je nach Befinden der Stute individuell entschieden werden. Im Allgemeinen dürfen tragende Stuten in allen drei Grundgangarten geritten werden. Sie sollten jedoch nicht mehr über hohe Sprünge jagen oder piaffiert werden. Ebenfalls sollten die Tiere in dieser Zeit nicht unnötig Stress ausgesetzt werden. Alternativen zum Reiten sind der Weidegang in der Herde, Führmaschine, lange Spaziergänge und auch das Handpferdereiten.

Fütterung

Erst ab dem 8. bis 9. Trächtigkeitsmonat ist von einer überproportional starken Entwicklung des Fohlens im Mutterleib der Stute auszugehen. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte die Stute lediglich auf Erhaltungsbedarf oder bei Reitnutzung auf den notwenigen Leistungsbedarf gefüttert werden. Die tägliche Versorgung mit Energie, Mineralstoffen, Eiweiss und Vitaminen muss in den letzten Schwangerschaftsmonaten stark angehoben werden. Jedoch dürfen hoch tragende Stuten trotz steigendem Bedarf nicht überversorgt werden. Energiezufuhr in zu grosser Menge kann eine Verfettung hervorrufen, was zu Geburtsschwierigkeiten, Milchmangel und späterer Fruchtbarkeitsstörung führen kann. Ebenfalls ist bei tragenden Stuten auf eine gute Raufutterqualität zu achten. Schimmelpilze und Parasiten können zu Koliken und Aborten führen.

Und als Fazit kann zum zweiten Teil der Serie „ Ein Fohlen aus der eigenen Stute“ gesagt werden: Geniesst die Zeit mit euren werdenden Müttern. Achtet darauf sie viel und abwechslungsreich zu bewegen und freut euch auf das Fohlen, welches nach elf Monaten Tragzeit aus dem Mutterleib eurer Stute schlüpft.

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