Druse im Stall – was tun?

Die Krankheit Druse beschäftigt die Pferdewelt zwar immer, doch vor kurzem wurde auch immer wieder vermehrt in den Medien darüber berichtet, weshalb ich das Thema gleich fürs Magazin aufgreifen wollte. 

 

Doch was ist Druse überhaupt für eine Krankheit?

 

Druse ist eine bakterielle Infektion, welche durch den Erreger Streptococus equi ausgelöst wird. Das Bakterium wird über die Atemluft, den Speichel oder den Nasenfluss übertragen und ist  hochgradig ansteckend.
Druse wird auch als „Kinderkrankheit“ der Pferde bezeichnet, da sie sich vor allem zwischen dem ersten und fünften Lebensjahr mit Druse infizieren. Aber natürlich können auch noch ältere Pferde Druse bekommen!
Die Inkubationszeit liegt bei bis zu zehn Tagen, in einigen Fällen kann die Krankheit auch bereits nach drei Tagen ausbrechen. Während dieser Zeit sind die betroffenen Pferde bereits Überträger der Krankheit und stellen deshalb ein Risiko für die Artgenossen dar. Doch auch nach einer vermeintlich überstandenen Druse, kann das äusserlich gesund erscheinende Tier nach eine Infektion durchaus noch für mehrere Monate die Krankheit immer noch weitergeben.

 

Die Diagnose einer Druse-Infektion kann mit einer Probenentnahme (durch den Tierarzt) mittels Tupfer an der Nasenschleimhaut gestellt werden. Infizierte Tiere müssen sofort isoliert werden, um eine Verschleppung der Krankheit zu vermeiden. Es bleibt so lange isoliert, bis über einen längeren Zeitraum keine Erreger mehr nachweisbar sind.

Empfängliche Pferde nehmen die Bakterien über die Schleimhäute von Maul und Nase auf. Anschliessend setzten sie sich an den Mandeln und an den Lymphknoten von Rachen und Hals fest und vermehren sich dort fleissig was zu einer ausgeprägten Entzündung führ.
Typisch für die Druse bilden sich, in einem oder sogar mehreren Lymphknoten, (durch Gewebezerfall) eitergefüllte Abszesse. Betroffen sind meistens die Kehlgangslymphknoten und auch die Luftsacklymphknoten.

 

Einige Anzeichen einer Drusen- Erkrankung:

- Stark beeinträchtigtes Allgemeinbefinden

- Hochfieberhafte Erkrankung (mit Temperaturen von 40 Grad Celsius und höher) der oberen Atemwege.

- Starker quälender Husten anfangs ohne und später mit eitrigem Nasenausfluss.

- Die Nüstern sind oft mit Sekret verklebt.

- In den Lymphkoten des Kopfbereiches kommt es zu Eiteransammlungen.

- Aufgrund der schmerzhaften Schwellung am Kopf, strecken die Pferde den Kopf nach vorn und haben Schwierigkeiten beim Schlucken und Atmen. Dies führt dazu, dass das Pferd beim Trinken nur einen Teil des Wassers aufnehmen kann und der Rest gleich wieder aus den Nüstern hinausläuft.

 

Mit Ausnahme des Fiebers, treten die Symptome allerdings nicht bei allen Fällen einer Druse auf.

 

Die Krankheit muss konsequent therapiert werden, da sie sonst zu schwerwiegenden Komplikationen (bis hin zum Tod des Pferdes) führen kann, denn Abzesse die in schweren Fällen Metastasen im Gehirn, in Gelenken, in der Leber, der Lunge und den Nieren bilden, werden schnell zum lebensbedrohlichen Problem.

 

 

Therapie und Massnahmen

Es muss SOFORT der Tierarzt hinzugezogen werden!

 

Die medikamentöse Therapie durch den Tierarzt stützt sich auf hochdosierte Penicillin-Präparate in Verbindung mit Mitteln zu Verbesserung des Allgemeinzustands.

 

Das Pferd sollte in einer sauberen Box mit viel frischer, aber zug- und staubfreier Luft untergebracht werden.

 

Alle Stallarbeiter dürfen entweder nur mit den kranken Tieren, oder dann mit nur mit den gesunden Tieren in Kontakt treten. Dabei muss auch an die Stallkleidung, welche ebenfalls als Träger dienen kann, gedacht werden.
Daher ist bei der Erkrankung eines Pferdes neben einer Isolierung der betroffenen Tiere auch auf eine Reinigung und Desinfektion der Hände und der gemeinsam genutzten Gegenstände zu achten.
Denn der Erreger kann wochenlang überleben!

 

Folgeerscheinungen nach einer Druse können als Dämpfigkeit, Kehlkopfpfeifen oder gar Schädigungen an Nervenbahnen auftreten. Um dieses Risiko zu reduzieren, müssen die Anweisungen des Tierarztes dringend befolgt werden.

 

Jetzt habe ich noch einen „Hausmittel- Tipp“ für euch:
Sofern es der Tierarzt zustimmt, helfen warme Kartoffel-Wickel (in der Kehlregion) bei der Reifung der Abszesse. Zudem können diese auch bei anderen Problemen, wie Kreuzverschlag, Kolik oder auch bei Hufgeschwüren nützlich sein.

 

Zubereitung und Anwendung eines Kartoffel-Umschlages bzw. Wickel:
Zur Herstellung eines Umschlages benötigen wir:
-Je nach Grösse der zu behandelnden Stelle 1/2 - 1 kg Kartoffeln
-Leinen- oder Baumwollsack
Die Kartoffeln werden mit der Schale gekocht und dann zerdrückt. Anschliessend werden sie in den Sack gepackt, welcher dann noch heiss auf die erkrankte Stelle gelegt / gebunden wird. 

ACHTUNG nicht verbrennen: Wenn der Umschlag zu heiss ist, verwendet man sicherheitshalber ein Zwischentuch.

 

Vorbeugung
Eine gezielte Impfung gegen die Druse hat sich bisher nicht bewährt. Interessanterweise wurde entdeckt, dass durch regelmässige Influenza-Impfungen die Ausbruchshäufigkeit der Druse scheinbar eingedämmt wird - man vermutet hier deshalb eine Kreuzimmunität (eine (Neben-)Wirkung des eigentlich für einen anderen Erreger gedachten Wirkstoffs).

 

Keine Meldepflicht
Was auf mich etwas verstörend wirkt, ist die Tatsache, dass eine solch hochgradig ansteckende, seuchenähnlich verbreitende Krankheit nicht gemeldet werden muss.
Fakt ist, dass zwar die Pferde von einem betroffenen Stall, diesen nicht verlassen und auch keine neuen Pferde dort aufgenommen werden sollten. Doch schlussendlich gibt es kein Gesetz, welches einem gesunden Pferd (aus einem Druse verseuchten Stall) den Turnierstart verbieten kann?!

 

Hier gelangt ihr übrigens zur Drusen- Information vom Tierspital Zürich, worin auch die möglichen Komplikationen beschrieben werden.

Wie euch sicherlich aufgefallen ist, wollte ich euch mit den eitrigen, schrecklichen Drusen-Bilder verschonen. Wer es sich trotzdem antun möchte, kann sich diese hier anschauen. 

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