Dressurkurs bei der erfolgreichen Dressurreiterin Caroline Häcki

Als ich im letzten Herbst für den Dressurkurs mit Caroline Häcki in unserem Stall eingeladen wurde, dachte ich zuerst: „Na toll, die Halle ist dann den ganzen Winter lang gesperrt“, weshalb ich schnell mit dem Gedanken einer Anmeldung „spielte“. Doch wer mich kennt weiss, dass ich mir aus dem Dressursport nicht wirklich viel mache. Dabei meine ich wirklich den Turniersport und nicht die fürs Pferd notwenige Dressurarbeit, welche das Pferd dank des gezielten Trainings gesund erhalten soll. 

Nein da „spricht“ natürlich etwas der Groll in mir, welcher sich nach meinen mehrmaligen Versuchen an dem einen oder anderen Turnier (mehr oder weniger vergeblich) mitzuwirken. ;-P 

Um mir den Hallenplatz zu sichern (ja ich weiss „Reiter kennen kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ – nun bei Angsthasen sieht es hier anders aus, kann ich euch sagen ;-)) , meldete ich mich also für den ausgeschriebenen Dressurkurs an, über welchen ich euch folgend gerne etwas tagebuchartig über meine Erlebnisse berichten möchte.  

16.11.2015: Nun war es also so weit, der Dressurkurs startete… ehrlich gesagt war mir schon etwas mulmig zu Mute, da ich mittlerweile mehr vom Boden ausgearbeitet hatte, als ich mich tatsächlich im Sattel zu befinden. Dass es manchmal etwas lauter aus der Halle tönt, waren wir uns ja schon gewöhnt und mir kommt dies sowieso immer gerade Recht, da ich nicht mehr so gut höre, aber es war halt schon etwas Spezielles vor einer „echten“ Dressurreiterin zu reiten. Der erste Dämpfer kam dann auch gleich beim Stundenfazit: „Das Pferd hat einen guten Job gemacht!“ „Oh jeee, na DAS kann ja heiter werden“, dachte ich mir danach nur ;-) 

23.11.2015: Die Woche darauf setzten wir den Schwerpunkt auf das „Aussitzen im Trab“, da Caroline meinte, ich soll mich trauen und nicht ständig entlasten, was ich mir leider nach dem letzten schwereren Sturz mit dem Schleudertrauma blöderweise angewöhnt hatte. 

Neben dem "nicht Aussitzen können", habe ich mir zudem noch das blöde "Mödeli" angewöhnt, ständig etwas nach innen zu schauen. 

DSC03001

30.11.2015: Was ich an diesem Kurs sehr zu schätzen wusste, war die kleine Grösse der Gruppe, denn wir waren normalerweise nur drei Reiter / Pferde pro Gruppe. Gipsy und ich waren mit unseren Boxnachbaren eingeteilt, da wir auch sonst gemeinsam Reitstunden buchen. Unser weiteres „Kursgspändli“ fiel leider krankheitshalber immer öfters aus, weshalb wir dafür sozusagen privat Stunden erhielten. Die dritte Stunde stand ganz im Zeichen der Übergänge, welche mit Gipsy jeweils sehr gut funktionieren, da sie am Sitz anscheinend eine hervorragende Ausbildung „genossen“ hatte. Jedoch meinte Caroline auch, dass ich nicht den Ausbinder (von welchem ich sowieso kein Fan bin, jedoch krankheitshalber für Gipsy montieren musste), für mich reiten lassen soll!  

07.12.2015: „Sitz auf deinen Arsch!“, hiess es die Woche darauf, weil ich jeweils dazu neige, zu fest aufstehen beim „Leichttraben“. Ausserdem richtete sich diese Stunde auch aufs Verstärken im Trab und Galopp, was uns eher liegt, als extrem zu verkürzen, sodass Gipsy richtig locker lief. 

14.12.2015: In der fünften Stunde merkte man Gipsy an, dass es jetzt langsam Winter wird. Weshalb ich mit Caroline die Frage klären wollte, wie ich Gipsy zwar bremsen kann, jedoch ohne dass sie gleich einen „Giraffenhals“ macht und noch heisser wird. Die Lösung war verständlich, jedoch musste ich es doch einige Male üben, da Gipsy sehr fein „eingestellt“ ist und ich als „Raubtier“ halt doch auch eher mal forsch reagiere. Also musste ich mich fleissig konzentrieren, dass ich beim Bremsen nicht zu viel Druck in den Steigbügeln ausübte, oder etwas zu weit im Sattel zurück lehnte. Sobald ich sie leicht abgebremst hatte, konnte ich auch gleich wieder locker lassen und sie etwas nach vorwärts- abwärts gehen lassen. 

Gipsy kann ziemlich "heiss" werden, was mich schnell verängstigt. Caroline nahm sich jedoch viel Zeit mir mit ihrem Einfühlungsvermögen das Vertrauen wieder zu gewinnen (auch wenn die Situation manchmal aussichtslos war :P) 

DSC03020

04.01.2016: Auch im neuen Jahr war Caroline immer noch mit Humor bei der Sache, als sie zu mir meinte, dass ich zwar ein etwas grösseres Fudi besitze, als es meine Boxnachbarin tut, ich jedoch mit diesem dicken Fell & Schabracke Gipsy nicht in den Rücken fallen würde, wenn ich etwas weniger „verhalten“ Aussitzen würde. :P  Auch an diesem Abend lobte Caroline Gipsy’s Ausbildungstand am Sitz und das obwohl ich wahrscheinlich alles falsch mache, aber bei Gipsy reicht halt schon der Gedanke an einen Übergang usw. 

11.01.2016: Am Wochenende hatte Gipsy einen ihrer regelmässigen Physio- Terminen, weshalb ich leider nicht in der Dressurstunde teilnehmen konnte. Jedoch ersetzte mich eine Freundin, welche ebenfalls hell begeistert war und nachfragte, ob ich nicht wirklich nochmal verhindert sein werde. =) 

Dann war auch schon „Halbzeit“ beim Dressurkurs angesagt. 

DSC02994DSC03002DSC02979DSC03025DSC03000DSC02992

25.01.2016: An diesem Abend war Caroline sehr erstaunt darüber (wie praktisch alle, die Gipsy kennen lernen), dass Gipsy obwohl sie ziemlich heiss werden kann, trotzdem sofort und unglaublich fein auf meinen Sitz reagiert. Sollte ICH also irgendwann das Meiste richtig machen, könnte ich von der guten Ausbildung meines Pferdes profitieren.  

01.02.2016: In der neunten Dressurstunde war Gipsy total im Wintermodus. Sie wurde schnell heiss und startete gerne wie eine Rakete durch, jedoch liess sie sich wie gewohnt unglaublich am Sitz korrigieren. Da sie auffallend unkonzentriert war, befürchtete ich, dass sich Gipsy in ihrer ersten Rosse befinden würde, weshalb die Übergänge nicht wie sonst ohne Vorbereitung nur mit „Gedankenübertragung“ funktionierten, aber irgendetwas sollte ich ja auch noch zu tun haben! ;-P 

08.02.2016: Da ich Caroline jetzt schon etwas kennen gelernt hatte, wagte ich es an diesem Abend (und auch den Rest des Kurses) mit meiner favorisierten Zäumungsart dem LG- Zaum. Glücklicherweise schätze ich sie richtig ein (offen für Neues), denn sie war der erste „Dressurmensch“, der mir bestätigte das Gipsy auch gebisslos super läuft und sich auch nicht daran störte, dass Gipsy im Trab jeweils ihre Unterlippe „baumeln“ liess. Da ich wieder etwas Schwierigkeiten mit der Feinfühligkeit hatte, versuchte mir Caroline sie mir mit einem Beispiel näher zu bringen, indem sie meinte, dass Gipsy wie ein geschaltetes Auto sei und langsam und feine Hilfen benötigt, da sonst die Kupplung anfangen würde zu „rauchen“. Ausserdem sollte ich sie nicht fester halten, nur weil ich kein Gebiss mehr drin hätte. 

Normalerweise reite ich Gipsy jeweils mit dem LG- Zaum:

12418904_942009365889432_7415588612289964917_o-2

22.02.2016: Eine Woche später hatte ich ein weiteres Erfolgserlebnis, denn gemäss Caroline lief Gipsy wie ausgewechselt und zwar in allen Gangarten viel besser. Nun gut, ich hatte auch sehr viel dafür investiert (Elektroakupunktur, Schmerztape, sowie fleissiges einreiben meiner selbst hergestellten Arnikatinktur), als ich ihre Verspannungen am Rücken festgestellt hatte. 

Jedoch hatte das Ganze auch noch eine andere Seite, denn ich musste mich plötzlich an einen ganz anderen Schwung gewöhnen. ;-)  

01.03.2016: Gipsy alias das Rennpony läuft immer noch deutlich besser. Dafür hatte ich so meine Schwierigkeiten. Irgendwie steigerte ich mich wieder einmal mehr in meine Angst hinein, weshalb ich schlussendlich sogar Mühe hatte, eine Diagonale in der Halle zu galoppieren, da ich immer fürchtete, dass sie in der Mitte über den Mistkübel springt, anstatt in den Trab zu parieren. 

07.03.2016: Auch der Montag darauf war irgendwie nicht mein Tag. Es herrschte allgemein eine angespannte Stimmung, da ich Gipsy nicht traute, weil sie am Vortag aufgrund des Schnees etwas übermütig war. Dann bin ich noch ein Gewohnheitstier, weshalb ich mich daran störte, dass meine Boxnachbarin plötzlich eine Stunde vor mir ritt, weshalb mich dies zusätzlich etwas aus der Bahn warf. Weiter nervte mich, dass die Besitzerin des einzigen Hengstes im Stall zu früh warm reiten kam, weil Gipsy extrem rossig war und er ihr deshalb ständig zu brummelte.  Meine Frustration war perfekt, als Gipsy sich dann nicht rückwärts richten liess, weshalb ich dumm wie ein Raubtier halt reagiert, die Geduld verlor und ihr eins auf den Arsch klopfte. Worauf hin mich Caroline natürlich zurecht wies, denn wie ich schon vorher merkte, kann sie die Grobheit gegenüber Pferden überhaupt nicht dulden. Doch noch schlimmer waren die Gewissensbisse im Nachhinein, denn das konnte ich mir natürlich (im Gegensatz zu Gipsy) nicht so schnell verzeihen. 

Unsere Boxnachbaren im Einsatz ;-) 

DSC03009

14.03.2016: Am letzten Kurstag konzentrierten wir uns nochmals intensiv auf die einzelnen Schwachstellen der Kursteilnehmer. Bei mir war es leider immer noch das Aussitzen, weshalb sie mir nochmals den Tipp gab, die Bewegung möglichst mit den Ellbogen abzufedern und nicht mit einer unruhigen Hand alles noch zu verschlimmern. Sie lobte nochmals intensiv Gipsy und meinte dass ich noch viel von dieser super Stute lernen kann. Speziell stolz machte mich natürlich die Aussage, dass wir gemeinsam mit der jüngsten Kursteilnehmerin, die grössten Fortschritte gemacht hätten. Nun gut, wenn man fürs geradeaus reiten schon gelobt wird, ist wohl noch viel Luft nach oben, so realistisch bleibe ich natürlich auch! ;-P 

Da wir am darauffolgenden Wochenende ein grösseres Dressurturnier hatten und einige Kursteilnehmer ebenfalls darauf hin trainierten, nahmen wir auch an diesem Abend wieder gezielt Übungen aus verschiedenen Dressurprogrammen durch. 

Kursfazit: 

Auch wenn ich zu Beginn des Kurses noch skeptisch war, konnte ich dennoch viel für die Arbeit mit Gipsy aus dem Training „mitnehmen“. 

Und obwohl von anderen Teilnehmer ihr Einfühlungsvermögen bemängelt worden ist, fand ich dass sie Gipsy und mich von der ersten Sekunde an komplett durchschaut hatte, obwohl ich nicht viel von uns Preis gab. Ausserdem gestaltete sie ihre Reitstunden extrem abwechslungsreich und trotzdem auf die Teilnehmer abgestimmt. Ob jetzt für eine Lizenz, ein Turnier oder doch „nur“ für einem selber trainiert werden sollte, es war für jeden etwas dabei und Caroline ist auch auf jeden einzelnen gut eingegangen. 

Natürlich hatte auch ich ein paar wenige Vorurteile gegenüber einer erfolgreichen Dressurreiterin, welche sie jedoch ganz schnell wieder „verschwinden“ liess. Denn auch ich merkte innert kürzester Zeit, dass sie die Fehler immer beim Reiter und nicht (wie ich es sonst in der Branche oft mitbekomme) beim Pferd.

Weiter macht sie Ihre Einstellung sehr sympathisch, erst bei einem ihren letzten Erfolgen wurde im Artikel explizit erwähnt, dass sie die einzige Reiterin ohne Gerte (z. B. hier) war. Und auch ich war froh, dass ich mich nicht mit Trense und Co. „verstellen“ musste, sondern schnell wieder gebisslos reiten konnte (ohne das jeder Fehler auf das fehlende Metall im Maul geschoben wurde). 

Was etwas gewöhnungsbedürftig war, war die Tatsache dass wir plötzlich langsamer reiten sollten, denn in anderen Gruppenstunden müssen Gipsy und ich immer etwas Gas geben, da sie ja nicht gerade das grösste Pferd im Stall ist. Deshalb war es schön auch einmal in einem angemesseneren Tempo unterwegs zu sein.   

Gerüchten zufolge soll der Kurs auch in diesem Herbst / Winter wieder stattfinden, was mich natürlich sehr freuen würde.

DSC03033DSC03035

Zur Person „Caroline Häcki“ 

Wer sich gerne etwas genauer über Caroline Häcki informieren möchte, kann dies gerne auch auf ihrer Homepage

Bzw. habe ich euch hier noch die aktuellsten Erfolge (hoffentlich bin ich noch *Up to date*, sonst sei mir bitte vergeben ;-))

05.03.2016: Häcki siegt im Grand Prix Spécial

11.03.2016 + 12.03.2016:  Sieg des Grand Prix Spezial CDI3*

DSC02999 Ich kann sie jedenfalls wärmstens empfehlen! ;-) 

Das könnte Dich auch interessieren‚‚

(0) Kommentare

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Passende Artikel
Zum Artikel
Zum Artikel