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Dinge, die die Pferdewelt braucht...

Dank des netten Wetters friste ich momentan ein Dasein nicht unähnlich dem eines Höhlenbewohners. Und weil es einfach zu heiss ist, um lange Einführungsreden zu schwingen, komme ich direkt zum Punkt: Weil mir in der Hitze gerade alles so trostlos vorkommt, habe ich mir diese Woche ein paar Gedanken dazu gemacht, wie wir unsere Reiterwelt verbessern könnten. Los geht's:

Ich-Bin-Nicht-Stichfest
Liebe Bio-Chemie-Öko-wasauchimmer-Laboranten. In der heutigen Zeit gibt es doch echt für alles und gegen alles ein Crèmchen und Balsämchen. Wie kann es sein, dass es keinen Fliegenschutz gibt, der wirklich so richtig wirkt? Verstehe ich nicht! Das wäre DIE Goldgrube. Klar, es gibt schon einige gute Mittelchen (mein Favorit ist bisher Zedan, das riecht auch an sich ganz okay), die vielleicht die ersten hundert Fliegen und Bräämen abwehren, aber danach wird man ja mit Haut und Kleidern gefressen. Definitiv Verbesserungspotential, lieber Fachmarkt!

Grosses-Geschäft-Entsorgung
Vor einem Jahr tauchten im Holziker Obermattgebiet Gebotsschilder auf. Neu galt dort dann die Pferdemistaufnahmepflicht. Und da Holziken genauso im Aargau liegt wie mein Zuhause Wohlen, habe ich ehrlichgesagt schon bisschen Angst, dass es auch uns bald treffen könnte. Zum Einen verstehe ich den Grund der neuen Regelung. Wenn es Leute gibt, die sich am Pferdemist stören, muss eine Lösung gefunden werden, die für alle passt. Einfach ein Aufnahmegebot zu montieren finde ich persönlich aber nicht so diplomatisch und erkläre gleich warum.

Beispiel: Angenommen das Pferd mistet am Anfang des Ausrittes. Das wirft für uns Reiter folgende Fragen auf 1) Wie/Womit nehme ich den Mist auf? 2) Wohin soll der Mist im Verlaufe des restlichen Ausrittes?

Pferdemist wird von den Verfechtern des Aufnahmegebots gerne mit Hundehaufen und der Tatsache verglichen, dass Hundehalter diese ja auch aufnehmen müssen. Ich weiss nicht, ob diese Leute sich schonmal so einen Pferdehaufen genauer angeschaut haben (müssten sie aber theoretisch, wenn das so ein Thema ist), denn da gibt es grössen- und gewichtsmässig doch ein paar feine Unterschiede.

Aber ich will die Sache nicht ins Lächerliche ziehen. Wenn meine Pferde in einer Wohnsiedlung misten, dann steige ich meistens ab und schiebe das Geschäft an den Strassenrand. Nicht immer, das gebe ich zu. Wenn viel Verkehr los ist, oder nicht genügend Platz zum Halten vorhanden, gestaltet sich das schonmal schwierig. Wenn man mir aber - wie den Hundehaltern - ein Etwas zu Verfügung stellen würde, womit ich den Mist aufnehmen und rasch entsorgen könnte, wären alle zufrieden. Unterdessen bleibe ich aber dabei, den Mist an den Wiesenrand zu kicken und hoffe, dass die Gebotsschilder in Holziken bleiben.

Aufklärungsarbeit
Wir Pferdemenschen sind eine sehr eigene und oft unverstandene Sippschaft. Fast täglich bekomme ich das zu spüren. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Letzte Woche ging ich, zwecks Förderung und Stärkung von Cornets Nerven, die nahegelegene Baustelle auskundschaften. Nach fünf Minuten innerhalb der Siedlung in der gebaut wurde, war "mein Kind" umzingelt von anderen Kindern. Irgendwann schrie einer der Schnösel - der gefährlich nahe an Cornets Hinterhand auf und ab sprang - dass er Cornet jetzt streicheln werde. Ich glaube weitere Ausführungen kann ich mir sparen.

Ein weiteres Beispiel sind Autofahrer. Da ich die Nase voll davon habe, dass man mir auf unserer stallnahen 80-Strecke mit hundert Sachen um die Ohren fährt, reite ich solange demonstrativ mitten auf Strasse, bis die Autos merklich abbremsen. So macht man sich zwar keine Freunde, aber ganz ehrlich, es ist das einzige, das wirkt. Ich habe auch die Nase voll davon, mich über die Autofahrer zu ärgern, weil ich weiss, dass es die meisten einfach nicht besser wissen. Pferde sind Fluchttiere und es kann echt schnell sehr gefährlich werden! Deswegen mein Vorschlag: mehr Aufklärungsarbeit. Zum Beispiel in der Schule für die Kids und im VKU (Verkehrskundeunterricht) für die Autofahrer. Da komme ich sonst gerne auch persönlich vorbei!

Forever-Sattel
Ja, die Sache mit dem Sattel. Ich glaube ich habe noch nie einen Reiter sagen hören, er habe den perfekt passenden Sattel für sein Pferd. So ein Sattel ist eine ständige, aufwändige und sehr teure Baustelle. Wie schön wäre es, wenn ein Sattel auf den Markt käme, der mit dem Pferd und dem Reiter „wachsen“ könnte. Gibt es doch heutzutage genug ausgeklügelte Technologien und Forschungen? Langsam glaube ich, dass ich mir das Ganze wahrscheinlich etwas zu einfach vorstelle…

Entweder-Me-Hätten-Oder-Nöd
Ich oute mich hiermit ein bisschen als Deutschland-Fan. Nicht nur kommt mein wunderbarer Esel von Pferd aus dem Norden, ich bin auch ein begeisterter Anhänger der deutschen Reiter (sorry Steve, sorry Pius). Und nachdem ich an ein paar Turnieren in Deutschland geritten bin, muss ich einfach mal sagen: Die deutschen Reiter sind einfach beneidenswerte, fast schon hassenswerte Stilisten!

In Deutschland wird aber auch sehr viel Wert auf den Reitstil gelegt. Wo wir in der Schweiz eigentlich ausschliesslich nur Zeitspringen haben, werden die Springturniere in Deutschland bis in höhere Klassen oft nach Stil gewertet. Das hat für Reiter sowie für Pferde nur Vorteile, wie ich finde. Bei uns in der Schweiz habe ich manchmal das Gefühl, dass nach dem Motto: Sieg oder Sarg! durch den Parcours gesaut wird, als gäbe es kein Morgen mehr. Distanzen? Überbewertet. Und ja klar, das muss man auch, wenn man heutzutage noch platziert werden will. Das kenne ich selber aus den Zeiten in den Freien Prüfungen. Bei 90cm kann man, wenn es hart auf hart kommt, auch mal richtig gross kommen, aber wenn der Sprung in einem R/N plötzlich 110cm hoch ist, hat man den Stangensalat. Warum also nicht vermehrt Stilprüfungen einführen, lieber SVPS? Cornet und ich wären sofort dabei.

(irgendwann, nahe um die Mittagshitze, wurden meine Ideen dann immer…besser)

Aua-Mama
Zwar will ich nicht immer wissen, was Cornet denkt, aber wenn er Schmerzen hat oder sich unwohl fühlt, wäre es doch schon ganz schön, wenn er mir das irgendwie mitteilen würde. Am liebsten noch bevor es mit eindeutigen Symptomen losgeht wie Lahmheit oder gleich Kolik. Ist jetzt natürlich nichts, das man erfinden kann. Aber es würde uns Reitern (und vor allem besorgten Pferdemamas wie mir) das Leben sehr erleichtern! Liebe Pferde, es ist an der Zeit, dass auch ihr Schmerzlaute zeigt.

Sun-Shine-Ans-Bein
Die letzte Stufe der Evolution einer Reithose. Nach den fantastischen Nöppeli von Equiline, die den Reiter in den Sattel kleben, muss endlich ein Stoff entdeckt werden, der die Sonnenstrahlen durchlässt. So sehr ich mich für meinen Sport aufopfere, möchte ich eigentlich nicht unbedingt zweifarbig durch die Gegend laufen müssen. Und ich bin mir sicher, dass ich mit diesem Hoffnungsschimmer nicht allein bin.

Google-Glass
Wie wäre es mit einer App für die Google Brille, die beim Springen Distanzen erkennt oder Bahnfiguren eines Programmes vorzeigt und nach Bedarf auch noch beliebte Trainerbefehle („Händ ufstelle!“ „Hock grad!“) einblendet? Wo kann ich ein Patent für diese Idee beantragen?

Habt ihr Euch auch schonmal gedacht: Mensch, das müsste noch erfunden werden? Ja? Dann her mit den Ideen! 

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