Die Welt als Pferd wahrnehmen Teil III: so sehen, hören und riechen Pferde

Mein vorerst letzter Blogteil der Serie „Die Welt als Pferd wahrnehmen“, beinhaltet mehrere Sinne der Pferde.

So sehen Pferde
Die Pferde sehen anders als Menschen, unscharf und kontrastreich.
Deshalb scheuen sie oft vor grellen Farben und entfernten Gegenständen.


Die Augen eines Pferds
liegen seitlich links und rechts am Kopf: Dadurch hat das Pferd ein monokulares Sehfeld, was bedeutet, dass es die meisten Dinge zunächst nur mit einem Auge betrachten kann.


Gemäss Professor Konstanze Krüger, können sie jedoch optische Reize von der einen auf die andere
Gehirnhälfte übertragen.
Weit entfernte Gegenstände sehen sie allerdings nicht räumlich, weshalb sie sie schlechter einschätzen können.
Ebenfalls sehen sie deutlich unschärfer in die Ferne als wir, was dazu führt, dass sie sich auch vor weit entfernten Gegenständen erschrecken können.


Auch beim Farbsehen ist der Mensch im Vorteil. Pferde können
nämlich kein Rot erkennen. Sie nehmen nur Blau und Gelb richtig war.
Am besten erkennen die Pferde Objekte, wenn sie entweder in Bewegung sind, oder sich direkt
am Boden befinden. Sobald der Gegenstand auch nur einen Meter über dem Boden ist, wird er unschärfer, sowie wird es für das Pferd deutlich schwieriger die
Farbe zu erkennen.


Jedoch im Punkt „Rundumsicht“
sind wir den Pferden unterlegen. Sie sehen in einem Winkel von fast 360 Grad alles, was vor, neben und hinter ihnen passiert.
Der Grund dafür ist die seitliche Lage der Augen und der bewegliche Augapfel.

Ebenfalls nehmen sie Hell/Dunkel-Kontraste viel besser war als wir.
Deshalb erschrecken sie sich auch leicht vor grellen Stangen oder Sonnenstrahlen.
Dies ist mir vor allem beim Beobachten von Turnierpferden aufgefallen.
Es gibt Sprünge, bei welcher sie scheuen, wenn der Schatten „komisch“ fällt, oder die Sonne direkt rein scheint.

Auch haben manche Pferde Mühe mit meinen grellen Outfits, wie Beispielsweise einer gelben
Jacke. Meine Pferde haben sich
mittlerweile daran gewöhnt, doch treffe ich immer wieder Pferde an, denen die grellen Farben Angst bereiten. 

So könnt ihr euer Pferd an grelle Farben etc. gewöhnen:
Bereits im Fohlenalter kann die Gelassenheit trainiert werden.
Hell-Dunkel-Kontraste können sie beispielsweile kennen lernen, wenn sie gemeinsam mit der Mutter
verladen werden.
Allgemein gilt es, das Fohlen/Pferd mit möglichst vielen Reizen zu konfrontieren. Natürlich muss
dies schrittweise angegangen werden und immer nur so weit, dass das Pferd noch gelassen bleiben kann.


Am besten legt
ihr unbekannte Objekte auf den Boden, dann kann das Pferd sie nämlich am
deutlichsten sehen. Dann darf das Pferd auch gerne gelobt werden, wenn es dabei
gelassen bleibt oder sich sogar annähert.
Ins Training sollten vermehrt „Paniksituationen“ mit eingebaut werden, wie beispielsweise wehende Planen, Jacken auf der Bande oder grelle Stangen.
Denn was Daheim in Ruhe geübt
wird, erschreckt das Pferd weder im Gelände, noch auf dem Turnier. Auch viele farbige „Spielsachen“ desensibilisieren das Pferd, wie beispielsweise ein greller Ball.


Heute beim Turnier habe ich mich zudem über ein Pferd amüsiert, welches nur aus unserem blauen Eimer trinken wollte, weil es den schwarzen von der Besitzerin nicht mag. =)


So hören Pferde 
Pferde mögen ruhige, tiefe Tonlagen und erschrecken sich schnell vor lauten Geräuschen. Jetzt ist es für mich auch verständlich, weshalb
mein Senior immer so genervt auf die Kinder im Stall reagiert. ;-)

Pferde hören die leisesten
Geräusche und reagieren empfindlich, wenn es plötzlich laut knallt oder kracht. Als Fluchttiere erschrecken sie sich, wenn hinter ihnen Äste knacken, oft besonders heftig.
Sie hören Geräusche in Frequenzbereichen, die Menschen nicht wahrnehmen – sogar im Infra-
und Ultraschallbereich.
Es kann also durchaus sein, dass sie sich vor Geräuschen fürchten, die wir gar nicht hören.

Dies bemerke ich oft beim Ausreiten mit Special. Auch wenn ich hinter uns nicht sehe, kommt ein paar Sekunden später sicherlich der Velofahrer an uns vorbei geschossen.
Er hat uns auf diese Weise schon öfters auf „Hindernisse“ hinter uns aufmerksam gemacht.


So gewöhnen wir Pferde an laute Geräusche
Pferde müssen lernen, dass Stimmsignale eine Bedeutung haben. 
Ein leichter Druck am Halfter, sollte mit einem Kommando wie „Halt“ verbunden werden.

An Geräusche wie Traktorknattern gewöhnen sich Pferde, wenn sie merken, dass der Lärm keine negativen Folgen hat. Deshalb sollte das Pferd an die Maschine herangeführt werden. Wenn
es sich nicht traut, sollte es für jeden einzelnen Schritt gelobt werden, den es sich mit der Zeit traut.
Leider gewöhnen wir die Pferde mit dem desensibilisieren eines lauten Geräusches, nicht gerade
an alle anderen angsteinflössenden Geräusche. Es muss mit jedem einschüchterndem Klang vertraut
gemacht werden.

Der feine Gehörsinn des Pferds ist ausserdem auch wichtig für die Kommunikation. Pferde können sich untereinander über weite Distanzen mit Wiehern und im direkten Kontakt mit Grunzen und Schnauben verständigen. Anhand des Wieherns erkennen sie die eigenen Herdenmitglieder und welche nicht dazugehören.

Auch haben Studien ergeben, dass sie „ihre“ Menschen an der Stimme erkennen.

Pferde empfinden sanfte, ruhige Worte mit tieferem Tonfall als Lob, kurze, scharfe Signale hingegen
als Drohung oder Strafe.


So riechen Pferde
Der Geruchs- und Geschmackssinn hängen eng zusammen.
Das Futter wird vom Pferd nicht nur am Geschmack, sondern auch anhand des Geruchs identi­fiziert.
Gut riechende Futtermittel sind fürs Pferd besonders interessant.
So identifiziert es beim Grasen schnell stärker riechende, schmackhafte und besonders nährstoff - und vitaminhaltige Kräuter.


Das erklärt mir
nun auch, weshalb Special einige Gräser, welche er abgegrast hat, wieder ausspuckt.

Was Pferden schmeckt, hat oft mit Gewohnheit zu tun. Wenn ein Pferd keine Äpfel kennt, frisst es sie zunächst nicht und gewöhnt sich nur langsam daran. Das ist für die Natur des Pferdes sinnvoll: Denn
seine Darmbakterien sind nicht auf plötzlichen Futterwechsel eingestellt, da dies zu Koliken oder Hufrehe führen kann.

Über den Geruchssinn nimmt ein Pferd auch eventuell bedrohliche Gerüche wahr und reagiert darauf entsprechend mit Flucht oder Verweigerung.
Gipsy findet es beispielsweise gar nicht lustig, wenn wir Kira einen Hundekeks geben und ihr
anschliessend etwas verfüttern wollen. ;-)

Neben Sinneszellen in der Riechschleimhaut besitzt das Pferd das Jakobsonsche Organ,
mit dem es Artgenossen erkennen kann.
Beim Flehmen mit gespitzter Oberlippe (siehe Bild Milow), kommen Geruchsstoffe besonders gut dort an.
Sogar bekannte Menschen erkennt das Pferd am Geruch.


Riecht gut, schmeckt gut!
Unsere Pferde erkennen uns am Geruch. Deshalb sollten wir lieber auf stark duftende Parfüms verzichten, damit es dadurch nicht verwirrt wird.

Beim Verladen eines unsicheren Pferdes hilft es, kurz vorher einen relaxten Artgenossen in den Hänger zu stellen. Denn die Pferde riechen Stress.Weitere Tipps
zum Thema „Verladen“ findet ihr hier.

Wer mit Futterbelohnung trainieren möchte, sollte sicher sein, dass das Pferd das Futter auch wirklich mag. Ansonsten sollte die Sorte gewechselt werden.

Die ersten Teile von der Blog-Serie:
Teil I: so fühlen & reagieren Pferde

Teil II: so lernen Pferde Gleichgewicht

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