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Die Skala der Ausbildung:Takt und Losgelassenheit

Immer wieder gerate ich bei der Ausbildung von meinem Pferd an Phasen, wo ich nicht mehr weiter weiss. Aktuell bin ich an so einem Punkt. Ich möchte mich nicht beklagen, es läuft so weit alles gut. Der junge Herr bewegt sich im richtigen Takt, ist sehr geschmeidig, versteht die Anlehnung und kommt mit ordentlichem Schwung um die Ecke. Nun jetzt wollte ich die ersten Übungen in der Versammlung erarbeiten und es ging einfach nicht. Zurück zur Startlinie also und mal kurz hinterfragen, warum das jetzt nicht geht. Und siehe da, ich habe einen ziemlich wichtigen Punkt vergessen! Beim Durchforschen meiner Unterlagen ist es mir aufgefallen, das Geraderichten! Ich hätte nie gedacht, dass ich mein Pferd unbewusst so genau nach der Skala der Ausbildung trainiere und ausbilde! Heute weiss ich es, ich bin Schritt für Schritt durchgegangen und stehe jetzt am zweitletzten Punkt.

Die Skala der Ausbildung orientiert sich an die gesamte Ausbildung der Pferde. Die Skala umfasst 6 Punkte und wird in einer Pyramidenform dargestellt. Zur Erinnerung habe ich sie jetzt bei uns im Stall an die Wand gepinnt.

Die Skala beginnt beim Takt. Hier fängt für viele Isländer schon das erste Problem an. Wo ein dreigängiges Pferd Schritt, Trab und Galopp hat. Sind wir mit den Isländer mit vier oder fünf Gängen bedient. Nicht selten gibt es Mischungen zwischen Trab und Tölt, Pass und Tölt oder Pass und Trab. Schritt ist nicht gleich Schritt, der kann passig oder töltig sein. Bevor wir also überhaupt an irgendwelche nächsten Schritte denken, sprechen wir von Takt. Aeringi war im Schritt oft sehr zügig unterwegs und hatte eigentlich eher einen langsamen Tölt als einen Schritt im Ganggetriebe. Ich musste ihm also lernen, langsam und korrekt zu Schreiten. Viele Übergänge ins Halten und auch über Wurzeln und Äste zu reiten, hat hier gut geholfen. Wir haben den Vorteil von einem Fluss in der Nähe. Auch das hilft sehr. Das Laufen im Wasser erfordert viel Konzentration und half ihm, den Takt besser zu finden. Die Tritte sollten in allen Gangarten gleichgross sein und gleichmässig ablaufen, nicht ein Schritt lang, den nächsten Kurz. Für den Takt empfehle ich viele Übergänge, Stangenarbeit und einfach auch Zeit und Ruhe. Mein Trainer sagt immer, die Pferde brauchen für guten  Takt zuerst einige Kilometer auf dem Rücken. Hier meint er natürlich vor allem Tölt Kilometer.

Wenn der Takt stimmt, gehen wir einen Schritt weiter in die Losgelassenheit.

Dieses Thema finde ich hingegen schon sehr anspruchsvoll. Die einen reden von Loslassen, also Kopf am Boden und gut ist, die anderen wollen bewusste An und Entspannung der Muskeln und die dritten kommen dann mit der Inneren Ruhe. Ich habe meine eigene Theorie. Ein Isländer kann schlicht nicht im tölt mit der Nase am Boden laufen, die Gangart ist aber trotzdem in einer Losgelassenheit machbar. Ich möchte also ein Pferd, das innere Ruhe zeigt, die Muskeln in positive Spannung bringt und in einigen, von mir bewusst gerittenen Situationen auch den Kopf ganz tief halten kann. Ob ein Pferd geschmeidig ist, sollte ein guter Reiter sofort merken. Hier gehören für mich auf Fakten wie Annahme der Hilfen, Anstand und Arbeitswille dazu. Ein Pferd das zwar Takt hat, sich aber den Hilfen wiedersetzt und kein Wille hat, zu Arbeiten, wird ganz sicher auch nicht los lassen. Hier sehe ich oft Pferde die einfach ohne Lust den Kopf am Boden tragen, die Nase den Boden wischt und die Besitzer super glücklich über diesen Entspannten Zustand sind. Ich finde, es gibt einen massgebenden Unterschied zwischen losgelassen Bewegen und einfach nur vor sich hin gehen.

Für mich sind alleine diese zwei Punkte anspruchsvoll und ich weiss nicht, wie ich das eigentlich erarbeitet habe. Ich sehe aber immer wieder, dass ein wichtiger Aspekt die Zeit ist. Lasst euren Pferden Zeit, sie müssen Kraft und Energie aber auch Spass und Motivation erlernen! Wenn die Pferde keine Kraft haben, fehlt ihnen auch das Gleichgewicht, wer kein Gleichgewicht hat, wird nur schwer in allen Tempis Takt erreichen. Der Kreis dreht sich immer wieder aufs Neue und es zeigt nur schon bei diesen zwei Schritten, wie komplex der Pferdesport eigentlich ist.

Bis dahin haben wir ja nur über die Ausbildung der Pferde gesprochen. All diese Punkte oben erfordern aber einen perfekt ausbalancierten Sitz, ein geschultes Gehör, eine feine Hand und das Wissen, wie ein Pferd korrigiert und gelobt werden muss. Wer den Takt nicht hört, kann ihn schlecht seinem Pferd lernen.

Ich musste also merken, dass ich noch nicht ganz so weit bin, wie ich eigentlich dachte, die Selbstreflexion, eine weitere Eigenschaft die als Reiterin unglaublich wichtig ist!

Die nächsten Punkte der Skala werde ich euch im kommenden Blogg erläutern und dann kommen in den zukünftigen Beiträgen auch noch genauere Trainingsausschnitte von uns. Ich nehme mir die Coronazeit als Schulungszeit. Theorie auffrischen und überlegen, wo ich welche Fehler gemacht habe. Ich kann euch diese Arbeiten sehr ans Herz legen, es ist unglaublich spannend!

Bis bald, Xenia mit Aeringi

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