Die schönen Momente der Pferdezucht und deren Schattenseite - Teil 1

Seit bald acht Jahren steht mein Pferd in einem Freibergerzuchtstall. Aufgrund der familiären Atmosphäre auf dem Betrieb, erlebe ich den Alltag in einem Zuchtstall Tag für Tag haut nah mit. Ebenfalls bin ich nun seit einigen Jahren für die Vermarktung der Verkaufspferde, die Homepagegestaltung, sowie das Einreiten der Jungtiere und das Reiten des Zuchthengstes Vitali und der Zuchtstute Havja zuständig. All diese Aufgaben lassen mich die schönen Momente, sowie die Schattenseiten der Zucht noch intensiver miterleben.

In meinem heutigen Blog möchte ich euch erzählen, was das Schöne an einem Zuchtstall ist und welche Schattenseiten die Pferdezucht mit sich bringt.

Pferdezucht Fürberg
Als ich vor acht Jahren einen Stall für mein Pferd suchte, stiess ich auf die Pferdezucht Fürberg. Ein Familienbetrieb in meinem Heimatdorf. Der Betrieb hat eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 9.5 Hektaren Wiese- und Weideland. Beheimaten sind auf dem Hof zurzeit rund 26 Tiere jeden Alters, von Fohlen bis hin zu meinem 17-jährigen Wallach. Die Pferde leben in Boxen mit direktem Auslauf und geniessen täglichen Weidegang. Auf der hofeigenen Fohlenweide werden die Absetzerfohlen bis hin zu den zweieinhalb- jährigen Jungtieren im Gemeinschaftsverband aufgezogen.
Bis zum Zeitpunkt als ich auf den Fürberg kam, hatte ich weder mit dem Freibergerpferd noch mit der Zucht etwas am Hut. Meine Meinung zu unserem Schweizer Pferd war katastrophal. Bös gesagt waren die Freiberger in meinem Kopf Ackergäule, aus denen man nichts Sportliches oder Athletisches herauslocken kann. Bereits nach kurzer Zeit auf dem Hof konnten mich diese wundervollen Tiere jedoch des Besseren belehren. Vor allem Zuchthengst Vitali faszinierte mich auf Anhieb. Der Stolz, welcher dieses Tieres ausstrahlt ist unglaublich. Ich bin glücklich diesen wundervollen Hengst nun seit bald drei Jahren reiten zu dürfen. Ebenfalls bin ich glücklich, dass mich mein Weg vor acht Jahren in diesen wundervollen Stall führte und ich nun so viele tolle Momente in einem ausgezeichneten und erfolgreichen Zuchtstall erleben kann. Nebst all den schönen und unvergesslichen Erlebnissen konnte ich mich in diesem Stall, durch viele Fachgespräche, Veranstaltungen und sonstige Anlässe, auch für meine berufliche Zukunft weiterentwickeln. Ich konnte wichtige praxisorientierte Erfahrungen sammeln, welche mir später als studierte Agronomin mit Vertiefung Pferdewissenschaften hoffentlich nützlich sein werden. Auf jeden Fall wünsche ich mir noch ganz viele unvergessliche Erlebnisse gemeinsam mit der Pferdezucht Fürberg und all ihren Menschen und Tieren die dazu gehören zu erleben. Aber nun möchte ich euch die Zucht etwas näher bringen und über schöne und weniger tolle Momente berichten.
Homepage der Pferdezucht Fürberg

Die schönen Momente
der Zucht und deren Schattenseiten
Die Zucht ist etwas Wunderschönes. Sehr viel Emotionen, Leidenschaft, Freude und Trauer sind mit ihr verbunden. Es gibt unzählige Stationen in der Zucht, die mit vielen Gefühlen verbunden sind. So zum Beispiel das Miterleben eines Reproduktionszyklus. Bereits die Auswahl des passenden Hengstes erfolgt in den Züchterkreisen mit viel Herzblut. Wichtig zu wissen dabei ist, dass das Fohlen rund 70% der Gene der Mutter und nur ungefähr 30% des Vaters vererbt bekommt. Trotzdem ist die Hengstwahl ein Prozess, welcher Hintergrundwissen erfordert, damit die Chance auf ein gutes Zuchtprodukt steigt. Mit der Schwangerschaft kommt die Zeit der Vorfreude und das Hoffen, dass die ganze Phase ohne Komplikationen verläuft. Je nach Züchter werden die Stuten während ihrer Schwangerschaft weiter gebraucht oder geniessen eine Arbeitspause auf der Weide. Egal für welche Form man sich entscheidet, muss darauf geachtet werden, dass der Stute während der Schwangerschaft genügen Bewegung geboten wird. Die Geburt ist der Moment der Aufregung, in dem man jedoch Ruhe bewahren muss. Es ist ein Ereignis, bei welchem Freude, Angst und Trauer manchmal ganz nahe beieinander liegen können. Auch ich selbst hatte dies schon erlebt. Die Geschichte liegt bereits drei Jahre zurück. Eine Freundin und ich kamen gerade vom Reiten zurück, als der Stallbesitzer meinte, dass wir schnell absatteln sollen, wenn wir die Geburt des Fohlens miterleben wollen. Total euphorisch sattelten wir die Pferde ab und stellten sie in ihre Boxen. Eine Fohlengeburt ist ja nicht wirklich etwas Alltägliches und immer wieder wunderschön mitzuerleben. Es vergingen keine zehn Minuten nach unserer Ankunft, bis bereits der Kopf des kleinen braunen Fohlens zu sehen war. Kurze Zeit später war der kleine Herr geboren. Die Geburt lief gut und der Braune schien völlig munter. Daher beschlossen meine Freundin und ich, zehn Minuten nach der Geburt, uns ins Sattelräumchen zu setzen. Der Stallbesitzer, welcher das Fohlen zuvor mit Stroh etwas trocken gerieben hatte, und dessen Sohn blieben noch kurz draussen beim Kleinen. Als wir es uns im Räumchen mit einem Glas Wein zum Anstossen gemütlich gemacht hatten, betrat der Sohn wortlos den Raum. Aufgrund seines Gesichtsausdruckes konnten wir ahnen, dass nicht Gutes passiert war. Ich fragte nach und er antwortete nur, der Kleine atme nicht mehr. Nun war es wichtig schnell zu reagieren. Nachdem dem Fohlen Wasser über den Kopfgeschüttet wurde kam es zum Glück wieder zu sich. Wir waren alle komplett erleichtert und erfreut, jedoch auch geschockt vom Ganzen. Wichtig also: das Fohlen nicht gleich nach der Geburt ausser acht lassen. Am besten immer einen Eimer Wasser neben der Boxe stehen haben, damit im Notfall schnell gehandelt werden kann. Und ganz klar ist es von grossem Vorteil bei der Geburt dabei zu sein, damit im Notfall der Stute bei der Geburt nachgeholfen werden kann.Auch eine gesunde und fitte Stute kann zum Beispiel plötzlich einen Kreislaufkollaps erleiden und dann ist man doch froh direkt Hilfe leisten zu können. Denn würde man die Stute am nächsten Morgen tot in der Boxe auffinden, wäre dies doch der absolute Horror und die Schuldgefühle würden nicht abreissen.

Zu Teil 2 - Viel Spass beim weiterlesen

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