Die Pferde als Beruf

Ich hatte das Glück, oder vielleicht auch den Mut, mein Hobby zum Beruf zu machen. Diesen Traum haben sicher viele Jungs und vor allem Mädchen. Leider wird der Traum für viele zur harten Realität. Körperlich harte Arbeit, schlechte Arbeitszeiten, lange Arbeitszeiten, Schwierige Arbeitsbedingungen, viel Konkurrenz und dazu noch schlecht, wenn nicht sogar sehr schlecht bezahlt. Die Pferdeberufe gehören zu den schlecht, bezahltesten Berufen der Schweiz. Traurig aber wahr.

Uns trägt die Leidenschaft, Liebe und die Verantwortung der Pferde. Das ist der Grund, weshalb sich viele Aufopfern und persönlich zurückstecken. Ich selber arbeite teilselbständig als Bereiterin und habe nebenbei einen sicheren Job und Lohn. Mir ist das Risiko zu gross um voll auf die Karte Pferd zu setzen.

Auch wenn ich mich als Bereiterin anstellen lassen würde, hätte ich wahrscheinlich ein finanzielles Problem und könnte mir nicht einmal mehr mein Pferd leisten. Ziemlich sicher hätte ich nur 50% des Einkommens, welches ich heute habe.

Heute betreibe ich das Pferd als Beruf wiedermehr oder weniger als Hobby. Für mich als Abwechslung, zur Freude und mit voller Energie und Leidenschaft. So habe ich den Elan um mich voll und ganz meinen Pferden und Schülern zu widmen.

Ich habe mich damals als Bereiterin 100% abgestellt umorientiert, als ich keine Lust mehr zum Reiten hatte. Meine Schüler haben mich genervt, ich hatte keine Geduld und es war wie eine Massenabfertigung. Ich musste dies ja machen, ich hatte keine Wahl. Ich war total abgestumpft und dachte, dass kann es nicht sein. Wenn ich nicht einmal mehr Spass am Reiten habe und es für mich ein Muss ist aufs Pferd zu steigen. Nein, das kann es wirklich nicht sein. Ich habe die Notbremse gezogen und eine zweite Ausbildung gemacht. Nun habe ich einen sicheren Job und kann mich nebenbei als selbständige Bereiterin verwirklichen. Ich denke dies ist auch mein Erfolgsrezept. Wieder Spass und Freude an der Arbeit mit den Pferden zu haben und es als Hobby und Leidenschaft zu betrachten und nicht als Arbeit. Ich habe viele tolle Rückmeldungen von meinen Reitschülern, was mich sehr glücklich macht und mir zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Ich hoffe, dass noch viele meiner Arbeitskollegen/innen diesen Weg für sich auch finden. Denn leider ist diese Abgestumpftheit und Betriebsblindheit oft zu beobachten. Frustrierte Reitlehrer und frustrierte Reitschüler sind das Endprodukt. Dies schadet unserem schönen Beruf. Auch sollte die Arbeit honoriert und keine Hungerlöhne bezahlt werden. Heute ist es als gelernter Bereiter mit einer 100% Anstellung, fast nicht möglich ein finanziell unabhängiges Leben zu führen. So ist es mir jedenfalls ergangen und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dies in der Zwischenzeit geändert hat.

Ich möchte euch die Pferdeberufe nicht schlecht machen und euch auch nicht davon abraten diese Berufe zu erlernen. Durch die neue Organisation der OdA Pferdeberufe www.pferdeberufe.ch ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung gemacht worden. Ich hoffe, dass wieder viele Jungs und Mädchen Freude an unserem Beruf finden und diese Berufswahl ergreifen. Ich bereue meinen Schritt die Bereiter Lehre gemacht zu haben, keinen Tag. Es war nicht nur eine Lehre, sondern für mich persönlich eine wichtige Lebensschule die ich durchgemacht habe. Diese Zeit hat mich geprägt und zu dem gemacht, was ich heute bin und darauf bin ich sehr stolz.

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