Die gesunde Pferdebeschäftigung: Erfahrungsbericht mit dem Raufutterball

Wie im „Knabberspass- Blog“ bereits angetönt, erhielten meine Pferde mit dem Raufutterball von Bernadette Bachmann- Egli ein besonderes (und vor allem für Gipsy) nicht mehr wegzudenkendes Weihnachtsgeschenk. 

Hier könnt ihr meine Liebsten gleich in Action sehen: 

Video-Bild

Doch bevor ich euch mit meiner Begeisterung für den Raufutterball anstecke, möchte ich als kurze Einleitung auf das natürliche Fressverhalten unserer Pferde eingehen, damit gleich alle Vorteile des Balls noch mehr herausstechen. 

Wie sieht das natürliche Fressverhalten von Pferden aus?

In der freien Natur legen die Pferde pro Tag zwischen 5 und 12 km zurück. Während der Bewegung nehmen sie natürlich hier und da einen Happen Gras auf, da sie sich natürlich auch immer auf der Suche nach Futter befinden. Sie wandern sozusagen die ganze Zeit herum und nehmen dabei gleichzeitig aber langsam Futter auf, was ihr natürliches Fressverhalten ausmacht und worauf auch die Verdauung eingestellt ist. 

Was viele auch nicht wissen bzw. unterschätzen ist, dass Pferde nicht allzu grosse Mengen auf einmal fressen können, da in ihrem Magen nicht mehr als ein halber Eimer Nahrung passt. Auch in ihrem Magen existiert natürlich Magensäure, welche dazu dient, die Verdauung zu fördern und schädliche Stoffe zu entfernen. Diese Säuren werden kontinuierlich produziert und sind wie bei uns nötig, um die Nahrung zu verdauen. Jedoch sind diese gleichzeitig schädlich für die Magenwände. Bestimmte Stoffe im Speichel neutralisieren diese Magensäuren jedoch wieder. In der freien Natur frisst ein Pferd den ganzen Tag, weshalb ein konstanter Speichelfluss zum Magen besteht. Dies ermöglicht ein gutes Gleichgewicht zwischen Säureentwicklung im Magen und dem neutralisierenden Speichel. 

Denn im Gegensatz zum Menschen (welcher den ganzen Tag Speichel „herstellt“), produziert das Pferd nur dann Speichel, wenn es Nahrung kaut, weshalb faserreiches Futter wie Heu besonders wichtig ist. Denn um 1kg Heu zu fressen, benötigt ein Pferd ca. 40 Minuten und bei gleicher Menge Pellets 10 Minuten, um alles aufzufressen. Dies bedeutet also, dass das Pferd bei faserreichem Futter drei bis viermal mehr Speichel produziert. 

Gipsy-B-2

Natürlich ist die Pferdefütterung ein sehr umfangreiches Thema, weshalb ich dies gerne in einem separaten Blog dann nochmals aufnehmen werde. Jedoch stach auch nach diesem kurzen Einblick bereits heraus, dass der Raufutterball – Ein  Must- have für das Pferd ist. 

Denn die rollende Heuraufe veranlasst Pferde, Pony’s, Esel und auch viele andere Tiere, in ihrer natürlichen Haltung langsam zu fressen und sich dabei auch sogar noch zu bewegen. 

Vorteile Raufutterball (aus tierischer Sicht) 

•Der Raufutterball entspricht dem Grundbedürfnis langsam zu fressen und sich dabei zu bewegen (wie beim Grasen in der Natur) 

•Er ist ideal um „Zwischenmahlzeiten“ wie Znüni, Zvieri, Bettmümpfeli und Nacht- Snack zu ermöglichen

•Durch die stetige Bewegung wird die Fressdauer automatisch verlängert 

•Die Tiere fressen in ihrer natürlichen Haltung 

•Der Raufutterball lässt die Tiere weniger Staub einatmen (er ist auch ganz einfach zu bewässern) 

•Der Ball fordert unsere Lieblinge auch geistig.  

•Junge oder ängstliche Pferde werden an rollende Gegenstände gewöhnt 

•Der Ball beschäftigt die Tiere und sie können zugleich ihren natürlichen Spieltrieb ausleben und haben Spass. 

Special ist neuen Gegenständen gegenüber immer sehr misstrauisch, doch den Ball akzeptierte er sofort!

 DSC02934

Vorteile Raufutterball (aus menschlicher Sicht) 

•Wir wissen dank des Balls genau, wie viel Raufutter das Tier frisst und mühsames Abwägen der Rationen fällt somit auch gleich weg. 

•Durch das eigene Befüllen, kann die Futterqualität stetig kontrolliert werden 

•Wie weiter oben erwähnt ist der Ball auch für Allergiker geeignet, da der gesamte Ball ins Wasser getaucht werden kann und somit der Inhalt auch nass verfüttert werden kann. 

Z. B. kann der Ball in einem solchen Futtereimer eingeweicht werden:

Futtereimer

•Der Ball kann nahezu auf jedem Boden verwendet werden, ohne dass das ganze Futter verschmutzt wird. 

•Auch wird dadurch Raufutter gespart, da das Tier jeden erworbenen Halm zu schätzen wissen wird. 

•Während der eigenen Abwesenheit kann die Fütterung einfach delegiert werden und die Menge stimmt trotzdem immer. 

•Auch wir haben Spass beim Beobachten der fressenden Pferde, denn jedes entwickelt da so seine eigene Technik. =) 

Mythos gefährlicher Heuball 

Gleich nachdem ich den Raufutterball für meine Pferde bestellt hatte, kursierten schreckliche Bilder im sozialen Netzwerk, weshalb ich mir natürlich gleich grosse Sorgen über meinen Fehlkauf gemacht hatte, denn die Pferdebeine haben sich durch das verheddern im Ball, schrecklich die Beine verletzt. 

Das folgende Bild ist noch harmlos: 

IMG_6755

Also schaute ich mir den Ball natürlich genauestens an, bevor ihn zuerst meine Stute Gipsy austesten konnte. Dabei fiel mir auf, dass wie im beigelegten Beschrieb wirklich nur ein Loch minim grösser geschnitten ist, was das Befüllen natürlich erleichtert und mich gleichzeitig beruhigte, da dort definitiv kein Huf durchpasste. 

Vorsicht ist lediglich bei Anwesenheit von Fohlen (und eventuell Ponys) geboten, denn da sollte aufgrund der Hufgrösse, der Raufutterball nur unter Aufsicht verwendet werden! 

Tipps rund um den Raufutterball: 

•Ein Loch des Balls ist etwas grösser als die anderen, um das Befüllen zu erleichtern. 

•Vorteilhaft sind auch Handschuhe sowie ein „Stopfer“ 

•Am Anfang sollte der Ball ganz locker mit Heu oder Stroh gefüllt werden und einige Halme aus allen Löchern gezupft werden. Natürlich gibt es auch bei den Pferden etwas „faulere Exemplare“, welche für Neues erst einmal begeistert werden müssen. 

•Das Tier sollte den gefüllten Ball zuerst beschnuppern und beknabbern dürfen, bevor er auf den Boden gelegt wird. 

•Erst mit angelernter Technik wird der Ball ganz leer, bis dahin sollte der Ball immer wieder frisch aufgefüllt werden. 

•Wenn das Tier nach der Eingewöhnungszeit bereits etwas geeübt ist, können immer wieder kleinere „Sträusse“ gemacht und in den Ball gefüllt werden. Je kleinere Sträusse gemacht werden und je dichter gestopft wird, dessto länger ist die Fressdauer. 

•Der Raufutterball sollte nur sporadisch und mit grösster Vorsicht auf Sandplätzen verwendet werden, denn die mehrmals tägliche Fütterung auf Sandboden kann eine Sandkolik auslösen! 

Dellen im Raufutterball können übrigens bestens ausgebeult werden:

Der Ball im Video (ganz am Anfang) und im folgenden Foto sind nämlich derselbe. Aber Gipsy hat ihn in seiner ersten Nacht ziemlich maltretiert… da dachte ich zuerst „na, toll der hat ja nicht gerade lange überlebt“, aber das Ausbäulen war überhaupt kein Problem und auch jetzt ist er noch so stabil wie am Anfang. Trotzdem sollte der Ball stetig auf Risse kontrolliert werden! 

So sah Gipsy's Raufutterball nach der ersten Nacht aus:

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Je nach Hunger und Mut wird das Tier selbst entscheiden, wann und wie lange es frisst, sei also nicht gleich enttäuscht wenn es nicht auf Anhieb klappt. ;-) 

Persönliches Fazit zum Raufutterball von raufutterball.ch 

Wie bereits erwähnt, liegt besonders Gipsy viel an ihrem Ball. Denn sie frisst immer zuerst daraus, auch wenn sie (unkompliziert) daneben, frisches Heu am Boden zur Verfügung hat. Sie wartet täglich gespannt darauf, bis wir ihn endlich gefüllt haben und natürlich geht es ihr meistens zu langsam. 

Obwohl Gipsy gemützlich ihr Heu lümmeln könnte, frisst sie immer lieber zuerst aus dem Raufutterball!

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Aber auch bei Special war ich sichtlich erstaunt, dass er erstens überhaupt keine Angst vor dem Ball hatte und zweitens auch sofort den „Dreh“ raus hatte. Bei ihm war es aufgrund seiner anstehenden Operation leider ein verspätetes Weihnachtsgeschenk, jedoch freute er sich natürlich dann umso mehr, denn sein Spieltrieb ist trotz seinen stolzen 29 Jahren immer noch vorhanden und ziemlich ausgeprägt zum Leiden der Halfter, welche dann gerne wieder einmal durch den Stallgang geworfen werden ;-) 

Meiner Meinung ist der Raufutterball wirklich ein Must- have unser domestizierten Pferde! Sei es zum Zeitvertreib in der Auslaufbox oder eben bei Pferdepatienten, welche die Beschäftigung und somit Abwechslung natürlich noch mehr zu schätzen wissen. 

Deshalb freut es mich umso mehr, dass ich diesen Raufutterball als erstes Produkt im Sortiment meiner Tierheilpraxis aufnehmen durfte. Vielen Dank an dieser Stelle an Bernadette, für ihr entgegengebrachtes Vertrauen, sowie den reibungslosen Ablauf! ;-)   

Wer seinem Pferd ebenfalls ein solches „Bettmümpfeli“ gönnen möchte, kann gerne hier mit mir Kontakt aufnehmen

 

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