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Die Gedanken im Fokus

Reitsport.ch hat Mentaltrainerin Roya Saberi exklusiv für euch interviewt. Hier findet ihr das ganze Interview zu den spannenden Themen wie: "Wer profitiert am meisten von Mentaltraining?" oder aber "Wie kann ich Mentaltraining machen und mehr darüber lernen?".

Übrigens - wusstet ihr das Roya selbst schon einen Grand Prix Preis gewonnen hat?

 

Sie sind Mentaltrainerin, was versteht man unter mentalem Training?

Mentaltraining umfasst eine Vielfalt psychologischer Methoden, die es Athleten erlauben, einen besseren Zugriff auf sich selbst zu haben – sowohl auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene. Alles beeinflusst unseren Körper. Deshalb ist es wichtig, dass wir erkennen, was in uns passiert. Wir müssen verstehen, welche Gedanken, welche Emotionen auslösen und wie wir das steuern können, um unsere volle Leistung abzurufen.


 

Wie kamen Sie dazu?

Aus der Not: Sport begleitete mich von klein auf, jedoch hatte ich nie Kontakt mit Mentaltraining. Ich dachte eben, dass es normal ist, dass ich an Wettkämpfen hibbelig bin und manchmal durch Ausbrüche beim Training mir selbst im Wege stehe. Deshalb begann ich irgendwann nach Alternativen zu suchen. Am Anfang wusste nicht genau, was Mentaltraining ist, jedoch war ich fasziniert davon, was ich rein durch meine Gedanken ändern konnte.Im Nachhinein ärgert es mich nur ein bisschen, dass ich dies erst so spät gelernt habe. Mentaltraining ist wirklich eine Thematik, die viel zu wenig besprochen wird


 Sie sind auch selbst eine erfolgreiche Sportlerin. Welche Unterschiede haben Sie dank Mentaltraining bei sich selbst zuerst gesehen? Welche Erfolge verdanken Sie Ihrem Mentaltraining?

Ein großer Erfolg war mir bewusst zu machen, dass ich dazu Neige in einer bestimmten Art und Weise zu reagieren. Aber dass ich das auch steuern kann, das war für mich ein Quantensprung. Aber wie das Wort “Training” schon sagt ist es nicht eine einmalige Sache, sondern etwas, das durch viel Wiederholung geübt werden muss. Man merkt dann, dass man in gewissen Situationen anders reagiert. Man sieht, dass das, was man sich gewünscht aber nie erreicht hat, plötzlich möglich wird. Diese Erfolge starten eine Kette von Erfolgen. Bei mir endete das z. B. mit einem Grand-Prix-Sieg. Das hätte ich nicht ohne Mentaltraining geschafft. Wenn der Kopf nicht mitmacht, ist das nicht möglich. Auch privat hat es mir sehr geholfen. Ich war ein Jahr lang sehr schwer krank und bin überzeugt davon, dass mein Kopf einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet hat, dass ich wieder gesund geworden bin. Es war ein großes Plus für mich, dass ich diese Techniken des Mentaltrainings kannte.


Was ist Ihrer Meinung nach der größte Erfolg, den ein Klient gehabt hat durch Mentaltraining?

Das ist schwierig zu beantworten. Die Frage ist, was ist ein großer Erfolg? Natürlich kann eine tolle Medaille nach außen hin für Erfolg stehen. Auf der anderen Seite ist es für mich auch immer etwas ganz Besonders, wenn eine Klientin, die einen schweren Reitunfall hatte, und sich danach vor dem Reiten fürchtet, nach dem Mentaltraining wieder in der Lage ist zu reiten. Eine Langläuferin, die nach einem Herzfehler wieder im Weltcup mitmacht, ein älterer Herr, der sich seinen Lebenstraum erfüllen und einen Marathon laufen wollte und es dann auch geschafft hat u. v. m. Egal in welchem Bereich, ich freue mich immer, wenn ich miterlebe, wie Menschen dank Mentaltraining ihre Träume verwirklichen. Ich finde, das sind alles unglaublich große Erfolge.


Sie waren auch bei den World Equestrian Games im Schweizer Team dabei. Welche Rolle haben Sie dort gespielt?

Ich habe vier Athleten und Athletinnen auf dem Weg dorthin begleitet. An der Meisterschaft selbst hatte ich keine aktive Funktion. Meine Begleitung besteht darin, die Athletinnen so fit zu machen, dass sie sich mental regulieren, die meiste Arbeit passiert Monate vorher, am Turnier selbst stehe ich nur da als “Prellbock” da. Sodass, wenn die Emotionen raus müssen, ich für sie da bin und ihnen helfe diese einordnen zu können. Oder ich mache Programme mit ihnen, um den Kopf zu leeren und wieder neu einsteigen zu können.

Ich nutze die Gelegenheit auch, um die Athletinnen zu beobachten und neue Erkenntnisse zu gewinnen.


Wer kann alles von Mentaltraining profitieren? Wer hat die größten Chancen auf eine Leistungssteigerung?

Alle, die ihr Denken und Tun beeinflussen wollen. Und zwar proaktiv. Alle, die sich optimal vorbereiten wollen, alle die Situationen vermeiden wollen, in denen sie sich blockieren und bereit sind, aktiv daran zu arbeiten und zu trainieren. Besonders die, die noch nie Kontakt mit Mentaltraining hatten, haben das meiste Potenzial, große Unterschiede zu realisieren.


Spitzensportler haben meist schon von Natur aus eine große mentale Stärke. Dennoch müssen auch sie jedes Mittel nutzen, um besser zu werden. Die Effekte sind dann kleiner, aber entscheidend.


Derjenige, der bereit ist, an sich zu arbeiten, hat die größten Chancen, sein Selbstbewusstsein zu steigern, Prüfungsangst zu überwinden oder aber während einer Verletzungspause, wo man nicht in der Lage ist, körperlich zu trainieren, die Regeneration zu fördern und mental weiter zu trainieren. Gleiches gilt für Sportler, die nach einer Pause wieder einsteigen.


 Am 11. April halten Sie einen Vortrag zum Thema Mentaltraining, was erwartet die Teilnehmer dort?

In etwas über einer Stunde werde ich einen Einblick ins Mentaltraining geben. Besonders mit Bezug auf Pferde. Unsere “Sportgeräte” sind lebendig und reagieren sehr stark auf uns. Wir sind uns oft gar nicht bewusst, was wir für eine Einflussmöglichkeit auf das Team, Pferd und ich haben, noch stärker als bei Sportarten ohne die Komponente Tier. Auch für die, die noch nie etwas von Mentaltraining gehört haben, werde ich etwas vorbereiten und danach wird es eine offene Diskussionsrunde geben.


Ausserdem bietet reitsport.ch am 11. und 12. Mai gemeinsam mit Ihnen und Melanie Mändli einen Springkurs mit mentalem Training an. Was erwartet die Teilnehmer dort?

Wir werden mit Grundlagen-Lektionen anfangen. Techniken, bei denen es keine Rolle spielt, auf welchem Niveau die Reiter sind. Erst ein Theorieteil, dann eine konkrete Aufgabe, in denen das erlernte theoretische Wissen angewendet werden kann. Das Ganze wird aufgezeichnet, sodass wir danach eine Videoanalyse machen können. Später üben wird dann Parcours-Besichtigung und Visualisieren – mir vorstellen, wie ich den Parcours reite, Entspannungsübungen, die man in seinen Alltag einbauen kann, um sich auf den Wettkampf vorzubereiten. Am Sonntag werden wir dann Wettkampfsituationen nachstellen und das Gelernte anwenden.


 Schlussworte

Ich möchte insbesondere jungen Menschen helfen zu verstehen, dass Mentaltraining und Sportpsychologie etwas für jeden Sportler ist. Es ist wichtig zu lernen, mit sich selbst umzugehen. Das Training kann da gar nicht früh genug anfangen. Selbst der schweizerische  Verband für Pferdesport (SVPS) bietet jetzt in einem Förderprogramm jungen Athleten an, von Mentaltraining zu profitieren. In anderen Ländern ist dies schon lange ein fester Bestandteil des Trainings. Wie man auch in zahlreichen Interviews mit erfolgreichen Athleten direkt nach ihrem Sieg hört: Was den Unterschied gemacht hat, war am Ende immer der Kopf. Und genau den trainieren wir mit Mentaltraining.

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