Die Bosal-Hackamore. Homöopathie?

Entweder reitet man „Englisch“ oder man reitet „Western“ - so dachten viele oder so wurde gedacht... Selten findet man die eine und selbe Person in beiden Lagern gleichzeitig. Mein Weg führte mich über holprige Pisten und steinige Pfade zur klassischen Reitkunst. Hier konnte ich mich entfalten und erhielt auf meine Fragen die richtigen Antworten. Meistens.

Dann zog ich mit meiner damaligen Stute in den Nachbarsstall ein. Da war ich mit meiner klassischen Ausrüstung ein totaler Aussenseiter. Western hatte ich bis dato immer ein wenig belächelt. Hatte mich ehrlich gesagt aber auch nicht wirklich damit befasst. Die klassischen Vorurteile huschten mir durch den Kopf: Geplänkel am langen Zügel, Freizeitreiter, alle Pferde laufen vorhandlastig etc. wie es halt so ist. Nach einiger Zeit und intensiver Beobachtung musste ich mir eingestehen, dass ich hier komplett falsch lag. Von wegen vorhandlastiges Reiten und Geplänkel. Die Pferde liefen ihrem Alter und Ausbildungsstand entsprechend korrekt. Einzig die Zäumung warf ein zwei Fragezeichen auf. Sollte dies maulschonend sein? Bin ich hier in einem homöopathischen Pferdelager gelandet? Nichts dergleichen! Die Bosal-Hackamore wird hier mit viel Verstand eingesetzt.

Was „macht“ denn dieses Bosal-Hackamore?
Nun gute Frage. Das habe ich mich auch gefragt. Was bringt das denn? Plötzlich blitzten mir einige Sachen durch den Kopf. Hiess es nicht mal, dass Pferde im Alter von 2,5 bis 5 Jahren kräftig am zahnen sind? Genau! Das ist auch ein Grund, warum im „altkalifornischen“ oder Vaquero-Style, die Pferde mit der Hackamore zugeritten werden. Das sonst so empfindliche Pferdemaul wird so nicht mit unnötigem Eisen belastet. Und das ist jetzt alles? Wie bringt man denn die Jungpferde in das so wichtige Gleichgewicht? Ganz einfach: mit dem Sitz! An der Hackamore darf nur moderat gezupft werden. Denn geht das Pferd mit dieser Zäumung einmal durch (gegen die Hand), wird es immer durchgehen. Ebenfalls bewirkt die Hackamore, dass das Pferd sich im Widerrist mehr frei macht. Dies wiederum bewirkt, dass die jungen Pferde schnell lernen sich aufzurichten und somit selber zu tragen.

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Die Bosal-Hackamore.
Die Bosal-Hackamore ist so konstruiert, dass das Pferd sie selber tragen kann. Hält das Pferd den Kopf zu hoch, drückt das „Bosal“ auf den Nasenrücken. Dies ist sehr unangenehm. Lernt das Pferd in der Senkrechte zu gehen, trägt es so automatisch die Hackamore in ihrem eigenen Gleichgewicht. Die Bosal-Hackamore ist aus Rohleder angefertigt. Ein schmales Lederband fixiert das Bosal korrekt am Pferdekopf. Die Zügel oder besser „Mecate“ sind aus Pferdehaar geflochten. Diese werden immer mit den Tassel (Knotenende der Mecate) durch das Bosal gewickelt. Die Zügel werden als Schlaufe durch den Bosal gezogen und so bleibt am Ende ein Führstrick übrig.

Die Arbeit mit der Bosal-Hackamore.
Bei der Arbeit mit der Bosal-Hackamore hält man die Hände tief und übermittelt die Hilfe durch kurzes Annehmen und Nachgeben (pull and slack). Die Signalgebung erfolgt einerseits durch Zupfen an der Mecate, was bewirkt, dass das Bosal an die Außenseite der Nase klopft sowie das Nervensystem am Kinn anspricht, und andererseits durch Anlegen des äußeren Zügels. Diese Signalgebung muss immer mit gleichzeitigen Schenkel- und Gewichtshilfen einhergehen. Darüber hinaus kann der Sitz der Zäumung durch ein Fiador genanntes dünnes Seil stabilisiert werden.

Bin ich nun auch eine Homöopathin?
Ja definitiv! Denn ein feines Pferd, das sich mit dem Sitz reiten lässt, ist das Höchste der Gefühle. Mir persönlich spielt das Equipment keine Rolle. Mittlerweile musste ich sogar feststellen, dass bei der „alt-kalifornischen“ Fraktion mehr Wert auf Äusseres gelegt wird, als in anderen Pferdesportarten. Ausserdem ist die Arbeit mit der Bosal-Hackamore eine interessante Erfahrung und hilft so manchem über psychische Hürden. Ich persönlich empfehle einen Kurs oder einen Proberitt mit dieser Zäumung. Aber unter fachmännischer Aufsicht, denn der Anfang ist schon ein wenig holprig.

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