Dezember Favoriten

Oft erlebe ich Momente in meinem Reiterleben, die ich gerne irgendwie festhalten möchte. Das können Bilder, Erlebnisse, gewisse Rituale oder einfach nur Gedanken sein. Aus diesem Empfinden heraus kam mir die Idee für den Versuch eines neuen Formates, nämlich einem Blog über Monats-Favoriten. In diesem Format (kann man das so nennen?) möchte ich Momente mit Euch teilen, die mich im Verlauf eines Monates besonders beschäftigt oder beeindruckt haben, aber vielleicht nicht unbedingt einen ganzen, grossen Blogbeitrag füllen können. In diesem Sinne: Hoffentlich viel Spass bei diesem kleinen Pilot-Projekt!

1.     Reiten im Nebel

Ja, meine lieben Freunde der Sonne, ich bin leider keine von Euch. Ich mag weder Hitzewellen noch Ferien in Marokko, ich will lieber irgendwo hin wo es kalt ist und regnet - Island zum Beispiel. Ausserdem habe ich Angst vor Knoblauch und stehe auf blutiges Fleisch. Zufall? Nein, nur ein kleiner Spass.

Kurz gesagt bin ich ein absoluter Herbst-Typ und zähle mich auch stolz zu der Minderheit der Nebel-Enthusiasten unter den Reitern. Wenn ich in der Früh aus dem Fenster schaue und es ist so neblig, dass ich kaum die vorbeifahrenden Autos erspähen kann, kriege ich gleich Hühnerhaut – nicht, weil es mich bei dem Anblick friert, nein im Gegenteil, für mich hat die Nebelsuppe etwas Faszinierendes. Da zieht es mich auf direktem Weg den Berg hoch in den Stall, denn: Noch mehr als den Nebel selbst, liebe ich das Reiten im Nebel.

Ich liebe es, wenn der Nebel so fest sitzt, dass die Sonne nur mit Mühe hindurchscheint und die gefrorene Erde unter Cornet’s Eisen leise knistert, so als würden bei jedem seiner Schritte tausende gläserne Gräser brechen. Ich liebe sogar die Herzinfarktmomente, wenn mein Pferd unter mir plötzlich erstarrt und angespannt ins Leere blickt, weil er zwar Geräusche wahrnimmt, aber nicht deren Ursprung. Ich liebe es auch, wenn ich dabei kaum über seine winzig kleinen Ohren schauen kann und jeder seiner tiefen Atemzüge in langgezogenen Dampfschwaden an meinen Knien vorbeizieht. Ich liebe es auch, mich selbst so dick einzupacken, dass ich im Sattel eigentlich keine Körperspannung mehr aufbringen muss, da mich die siebenhundert Kleiderschichten stützen wie ein Korsett. Und nicht zuletzt liebe ich den guten Nebel, weil er mich im Sattel so sehr zum träumen bringt. Nichts zaubert im Wald schönere Formen, Farben und Bilder, voller Sinnlichkeit und irgendwie auch Sehnsucht.

Da wir im Freiamt seit bald einem Monat im totalen Nebelloch sitzen, muss mich der arme, arme Cornet ganz oft im Gelände herumtragen. Und obwohl der Nebel vor allem abends auch seine Schattenseiten hat, hoffe ich doch ganz fest, dass er noch etwas bei mir im Aargau bleibt.

Reiten im Nebel – unumstritten mein Nr. 1 Favorit im Dezember 2015!

2.     Reiterfestes Make-Up

Nein, ihr habt Euch nicht verlesen. Da steht tatsächlich Make-Up. Und nein, ich werde jetzt keine Schminktipps geben. Aber als Reiterin von Welt läuft man auch im Stall nicht immer #naturpur herum. Und wenn man dann noch so ein Sonderling ist wie ich, die auch beim grössten Unwetter im tränenprovozierenden Trab durch die Wälder zieht, verwandelt sich die ganze Chemie, die ich mir ins Gesicht klatsche, trotz superduperstay-Aufschrift manchmal unfreiwillig in richtige Kunstwerke.

Ich erinnere mich noch an einen kleinen Sturm letzten Herbst, bei dem ich mit meiner Freundin E. zwecks Desensibilisierung unserer Pferde wagemutig auf die Felder hinauszog. Bei der Rückkehr im Stall sahen wir aus wie zwei waschechte Pandas: Mascara wohin das Auge reicht und weit darüber hinaus. Da wäre jeder Goth vor Neid erblasst! Aus Fehlern lernt man und deshalb wurde seither fleissig in den Erwerb von nebel-, sturm-, schweiss-, oder kurz gesagt: reiterfester Wimperntusche investiert.

Mein wasserfester Volume-Mascara von essence – fürs Reiten im aktuellen Nebelwetter mein pferdiger Monatsfavorit Nr. 2!

3.    Mash-Füttern

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass irgendein kluger Kopf folgendes festgestellt hat: Wenn wir unsere Tiere füttern, werden im Körper Glückshormone ausgeschüttet, was dazu führt, dass wir uns beim Füttern richtig gut fühlen. Ich persönlich bin keine besonders gute Gutzi-Fütterin, aber ich habe jedes Mal einen Mordsspass dabei, meinem Pferd Mash zu servieren. Womit die Theorie mit den Glückshormonen für mich irgendwie aufgeht.

Jeden Montag ist bei uns Mash-Tag. Dann wird feierlich die blaue Müsli-Schale hervorgekramt und das Mash Löffel für Löffel abgewogen (immer elf Schöpflöffel, randvoll). Am liebsten giesse ich das Mash mit einem grossen Massbecher Früchtetee auf und lasse die Brühe unter dem Deckel circa 40 Minuten ziehen. Danach rühre ich das Ganze sieben Mal im Gegenuhrzeigersinn. Ein bisschen Druiden-Feeling muss auch mal sein.

Aber Spass beiseite, das Mash ist wirklich eine gute Sache: Es dient als Zusatzfutter (das bedeutet, dass man es zu den normalen Mahlzeiten hinzufüttern kann und nicht zwingend eine davon mit dem Mash ersetzen muss) und hilft bei Fellwechselstörungen, Verdauungsstörungen und wirkt magenschonend sowie magenentspannend. Mein allergrösster Albtraum ist die Diagnose Kolik und mit dem Mash möchte ich (neben egoistischen Absichten wie den vermeintlichen Glückshormonen) einer möglichen Kolikgefahr, die vor allem im Herbst und Frühling besteht, aktiv gegenwirken.

Aber Obacht! Als Nebenwirkung des Mash-Konsums entwickeln die meisten Pferde die zwanghafte Neurose, alles in greifbarer Nähe (Wände, Jacken, Handys, frisch gewaschene Reiterhaare und Amerigo-Sättel) mit einer unappetitlichen Mischung aus Sabber und Mashkörner zu beschmieren.

Mash-Füttern: mein Favorit im Dezember, da ich vor allem jetzt bei der Kälte das Gefühl habe, meinem Pferd mit einem warmen Mash etwas Gutes zu tun.

Weiter geht es nächsten Monat mit den Januar Favoriten. Ich hoffe, dass Ihr wieder dabei seid!

(Bild: Cornet, auch ein Nebel-Enthusiast)

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(2) Kommentare

  • *toll*

    Ach ich lese deine Beiträge so gerne!
    Herrlich Alltagsnah und weit weg vom perfektionistischen Reiterdenken.

    Das mit den Glückshormonen bei der Fütterung kann ich nur dick unterschreiben :)

  • juhuu

    so guet! danke vielmal! :)

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