Abenteuer «Swiss Mountain Trail»

Eine Hängebrücke, Schluchten und Engpässe sowie Treppen bergauf und bergab gehören unter anderem zu den über 20 Herausforderungen beim Extrem Trail Park im St. Gallischen Sennwald, welchen wir am vergangenen Montagvormittag besuchen durften.

Nachdem Michaela (welche den Natur Extreme - Trail Park im letzten Winter gestaltete) sich bei der Terminvergabe erste einmal in Geduld beweisen musste (alle die mich kennen wissen, dass sobald der Senior im Spiel ist, einige Vorgaben erfüllt werden müssen) klappte es dann einen Tag vor unserem Nationalfeiertag tatsächlich mit unserem Besuch.

Doch bevor wir die Reise antreten konnten, war es mir noch ein Anliegen, dass der Beinschutz von Special ein Upgrade erhielt. Nach gefühlten 3 Stunden anprobieren an einer pferdigen Schaufensterpuppe, war die Entscheidung gefallen und wir kauften unserem Senior die innovativen «Military Gamaschen E-Vento» von Veredus. Bei Gipsy vertrauten wir auf ein Sehnentape, welches sie seit ihrer Sehnenzerrung im letzten Winter bei Belastung trägt, sowie die bereits vorhandenen Eskadron Gamaschen «Flexisoft Pro Safe». Aber auch ich selbst kramte sicherheitshalber meine Stahlschutzkappen- Schuhe hervor!

Nach dem dann die Gamaschen eingelaufen waren, fragte ich mich am Abend, ob die Bauchschmerzen von einem Magen- / Darminfekt kommen, welcher mein Umfeld bereits befallen hatte, oder doch eher von der Nervosität ihren Ursprung haben. Ich kam der Ursache nicht mehr wirklich auf den Grund, denn nach gefühlten 30 min Schlaf hiess es dann auch schon wieder «AUFSTEHEN».
Special merkte schnell, dass heute ein aufregender Tag bevorsteht und nachdem ich ihm die letzten Mahlzeiten vom Körper abgekratzt hatte (er hat da seine eigene (nicht wirklich effektiven) Massnahmen gegen die nervigen Stechviecher :P ), war er fast nicht mehr zu halten, als er Gipsy im Anhänger sah. Gut, dann waren wenigstens die (unbegründeten) Bedenken beim Einsteigen gleich beseitigt…

Während der Fahrt checkte ich dann nochmals den Wetterbericht, da es immer dunkler am Himmel wurde… und bekam auch gleich die Bestätigung für meine Befürchtung. «Na toll, auch noch ein Gewitter im Anmarsch?!» Es regnete tatsächlich ganz leicht, aber glaubt mir ich war anderweitig so beschäftigt, dass ich dies gar nicht richtig wahrgenommen hatte! ;-)

In Sennwald angekommen, begrüsste uns Michaela herzlich und informierte sich bei uns, was wir denn so für Pferde «mitgebracht» haben. Dabei klärte ich sie gleich auf, dass Special zwar 30 Jahre alt ist, er dies aber noch nicht so wahrhaben will und mich deshalb auch immer wieder das «Fürchten» lehrte. Anders ist unser Verlasspferd Gipsy, welche ihrem Ruf auch an diesem Tag wieder alle Ehre machte, denn sie überwindete jedes Hindernis neugierig, mutig und gleich beim ersten Mal. Anders natürlich der ängstliche Senior… Er wuchs zwar deutlich über sich hinaus, denn NIE hätte ich gedacht, dass ein Pferd, welches sich dermassen über einen neuen Stein am Wegrand erschrecken kann, sich tatsächlich mit allen Vieren auf ein erhöhtes Podest traut. Aber immer der Reihe nach…

Nachdem Michaela uns durch das Tor des Trails führte, erklärte sie, dass der Trail so aufgebaut ist, dass die Hindernisse mit dem Leichtesten beginnen und immer schwieriger fürs Pferd werden. Dann sah ich mir die Baumstämme an und dachte mir schon, dass Speci das nicht toll finden wird. Weshalb er durch meine Bedenken auch schon blockiert war und ich ihn Michel übergeben musste. Für Gipsy war dies natürlich absolut kein Problem. Erstens wuchs sie in Irland auf, wo man über diese Baumstämme wohl gelacht hätte und zweitens musste wohl noch kein Pferd (in unserem Stall) so oft an einer Stangenstunde teilnehmen, wie sie es tat.

Auch das nächste Hindernis (eine Art Brücke mit Auf- und Abstieg) war kein Problem für Gipsy. Vor allem, weil sie bemerkte, dass sie grasen darf, wenn sie die Übung brav erledigte. Bei Special liessen wir dieses Hindernis aus, das die Steigung für ihn wahrscheinlich zu schwierig einzuschätzen gewesen wäre und er nicht «viel Spielraum» hatte, da die Brücke nicht allzu breit war. Als nächstes gab’s ein «Baumstammchaos». Michaela wollte wohl zuerst die Pferde einschätzen können, denn wir sollten die Pferde zuerst nur an die äusseren Linien führen. Dabei hätte ich Gipsy lieber gleich durch den ganzen Baumstammsalat geschickt, damit sie möglichst weiiiiit weg vom Gras bleibt. =)

Danach gab es ein Tor zu öffnen: Ziel war es, dass wir die Pferde möglichst nahe bzw. parallel dazu führen zu können, da man es dann leichter hat, die Tür im Anschluss beritten zu öffnen, was Michel dann auch später merkte. Durch eine «Äste- Schlucht» ging es dann weitere zur Wippe.
ALLERspätestens ab dann entschied ich für mich, dass Michel die Pferde bei den beweglichen Hindernissen vollständig übernimmt, was mir die Pferde dann wohl auch gedankt haben. Nachdem ich Gipsy bei der Wippe mehrmals beobachtet hatte, traute ich mich zwar auch mit ihr diese zu überwinden, aber den grössten Teil musste Michel übernehmen, da ich als Angsthase gleich Blut und Wasser geschwitzt habe, beim blossen Gedanken. Michaela versicherte mir zwar immer wieder, dass nichts passieren kann, jedoch vollstreckte Special meistens gleich im Anschluss an die Aussage fast einen perfekten Spagat. :P Dennoch meisterte auch Special die Wippe ohne grossen Probleme oder «Diskussionen». Als sich die Wippe nach unten bewegte, schien es, als hätte er die Bewegung gar nicht bemerkt, wie ihr jedoch im Video zum Schluss sehen werdet, wurde er durch die Rückwärtsbewegung dann doch etwas in der Balance störte.

Von dem erhöhten Podest, brachten wir Gipsy fast nicht mehr runter, weil dadurch natürlich ihr Selbstwertgefühl enorm gesteigert wurde

Als nächstes wurde die Balance des Pferdes noch etwas mehr gefordert, denn es gab ein schmaler Laufsteg zu bezwingen. Beim ersten Durchgang war Gipsy aufgrund der Bremsen noch etwas unkonzentriert, als sie dann aber merkte, dass diese Übung die volle Konzentration forderte, geleitete sie wie ein Topmodel darüber. Auch der folgende Laufsteg in einer L-Form hatte es in sich, weshalb alle ihre Sinne gefordert worden sind.
Im Anschluss trauten wir uns an die Hängebrücke, da diese aus Sicherheitsgründen bei Regenfall zu rutschig wäre.
Nachdem Gipsy diese wieder streberhaft überwunden hatte, trauten Special und ich uns wenigstens darauf und überquerten wenigstens die wackelige Breite.

Beim Wasserhindernis enttäuschte mit Special zuerst, da er stur nicht durchs Wasser waten wollte, dabei ist er sonst immer der, der am meisten und lautesten planscht. Wir gingen jedoch am Schluss nochmals zum Hindernis zurück und dann war auch er wieder Feuer und Flamme dafür.
Nach dem Wasser kam dann noch der Sandhügel, welche zum Abrutsch genutzt werden kann. Doch davor gab es noch ein ganz anderes «Hindernis». Michaela erwähnte zu Beginn, dass die Kälber der benachbarten Highland Cattle Herde, dem Trail manchmal einen Besuch abstattet. So trafen wir dann eins, welches den Hügel als zusätzlichen Schattenplatz schätze. Da dachte ich schon «oh nein, nicht das noch!», aber Special bemerkte das Kalb erst, als es schon wieder in die Herde geflüchtet war. Weitaus mehr fürchtete er sich vom Bullen, welcher sich direkt hinter dem Hügel befand, da Gipsy jedoch schon fast aus seiner Sichtweite war, waren wir dann sehr schnell bergauf, damit er ihr hinter her rutschen konnte.

Richtung Anhänger gab es dann noch ein Engpassparcours bei welchem sich Special so geschickt anstellte, dass er nur zu Beginn über die Baumstämme trat und dann einfach so schnell Gipsy hinterherlief, dass ich selber schauen konnte, wie ich über die Stämme klettere, um ihn nicht zu verlieren. -.- Da fühlte man sich fast wie bei Ninja Warrior, nur dass man noch schauen musste, dass ein 500kg Pferd einem nicht noch auf den Fuss tritt, währendem die Sicht mit lauter kleinen Ästen versperrt wurde. Alles gut überstanden fragte Michel dann noch: «oh, war ich etwas zu schnell?» denn anders als ich, hatte er mit Gipsy das Glück den Engpass mit einem rücksichtsvollen Pferd bezwingen konnte.

Danach meinte Michaela, dass Special nun mit mir im Trail noch grasen kann (mit Sicht auf Gipsy wohl bemerkt), währendem Michel Gipsy sattelte. Doch das fand er dann noch weniger lustig, weshalb er lieber neben ihr wartete, anstatt das frische Gras zu geniessen… na vielen Dank auch Herr Senior für das intensive Vertrauen nach 16 gemeinsamen Jahren ;-) Aber Gipsy hat da wohl auch die weitaus besseren «Argumente» vorzuweisen…
Nachdem Gipsy gesattelt war, bestritt sie mit Michel den Trail noch beritten. Dies forderte ihren Gleichgewichtsinn natürlich noch etwas mehr, da sie nun nicht nur sich selbst, sondern auch noch Michel ausbalancieren musste. Doch wie gewohnt meisterte Gipsy auch unter den geänderten Umständen, alles bestens. Und auch Michaela war sichtlich erfreut, dass unsere Pferde gut mitgearbeitet haben, denn sie weiss aus Erfahrung, wie deprimierend es sein kann, wenn man solch eine weite Fahrt auf sich nimmt und das Pferd sich dann kein einziges Hindernis traut zu überwinden.
Deshalb waren wir auch sehr stolz auf unsere Pferde, dass sie diese neue Herausforderung so gut gemeistert hatten!

Fazit Swiss- Mountain- Trail Besuch
Mein Ziel mit dem Ausflug nach Sennwald war es, den Pferden eine neue Herausforderung zu bieten. So konnten auch wir wieder einmal etwas aus dem doch eher eintönigen Reiteralltag entfliehen. Endlich hatten wir mal die Ruhe und die Zeit den Pferden eine Abwechslung zu bieten, aber im Trail gab es plötzlich nur noch die Natur und die Pferde, was sich sonst eher schwierig gestaltet. Michaela wies zudem darauf hin, dass die Pferde plötzlich wieder die Möglichkeit zum selber «Mitdenken» geboten wird. Bei Gipsy fiel mir dies weniger auf, da sie ja sowieso eher ein «überlegtes» Pferd ist und nicht mehr so fest dem Fluchttier gleicht, wie dies Special tut. Aufgrund seines hohen Alters weise ich ihn natürlich auch im Gelände auf jede Schwelle oder etwas grösseren Stein hin, weshalb er sich nur noch herumführen lässt, ohne auf den Boden zu achten. Doch im Trail war er plötzlich wieder sehr aufmerksam und überlegte sehr genau, wo er den nächsten Fuss abstellte. Deshalb habe ich es mir zum Ziel gemacht, ihn auch zukünftig etwas selbstständiger entscheiden zu lassen. (zur Not besitzen wir ja nun die tollen E-Vento - Gamaschen :P)
Auch deutlich konnte ich erkennen, wie das Vertrauen der Pferde gegenüber dem Reiter wachsen konnte. Nun gut, vielleicht nicht gerade bei einem Angsthasen wie ich das bin (da ich mich vor den Hindernissen wohl noch mehr fürchtete als Special). Aber zu Michel konnte er deutlich immer mehr Vertrauen fassen.
Ein weiterer Vorteil des Trainings im «Natur Extreme - Trail Park» ist die Tatsache, dass die Trittsicherheit und der Gleichgewichtssinn gefördert werden. Aber auch die Koordinationsfähigkeit, die Balance und die Geschicklichkeit werden geschult. Ausserdem stärken einige Hindernisse dadurch die Rücken- und Hinterhandmuskulatur. Speziell erwähnenswert finde ich auch, dass der Trail sich zwar an einem Berghang befindet, die Hindernisse sind jedoch alle schön geradegerichtet.
Dass ich Fan vom Lehm bin, habt ihr ja bereits im letzten Blog nachlesen können! Dementsprechend wurden bei der Ankunft zu Hause die Beine sicherheitshalber noch gelehmt.

Natürlich könnte das Ganze nicht ohne grosse Persönlichkeit so erfolgreich sein! Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle nochmals bei Michaela bedanken, welche wirklich seeehr viel Geduld mit mir aufbringen musste. ;-) Aber sie weiss nicht nur, wie sie mit den Teilnehmern umzugehen hat, nein sie besitzt auch ein gutes Einfühlungsvermögen gegenüber den Pferden, weshalb sie auch stetig mit super Tipps zur Seite stand, wenn bei Special mal wieder etwas nicht auf Anhieb klappte. Auch dann wusste sie entsprechend eine Lösung zu finden, wie man an eine solche Aufgabe herangegen konnte.
Natürlich immer mit einer auflockernden Prise Humor. Nun werde ich eine Möglichkeit suchen, wie wir dem Trail einen weiteren Besuch mit unserem Reitverein abstatten können. Diesmal lasse ich Special jedoch zu Hause, nicht, dass ich noch komplett ergraue! :P
Bis dahin gibt es vielleicht sogar schon wieder neue Hindernisse, da Michaela uns verraten hat, dass weitere bereits in Planung sind!

 

Zum Schluss zeige ich euch gerne noch die Möglichkeiten eines Trail- Trainings auf:

Es kann folgendes gebucht werden:
-Einzelstunden (so wie wir es gemacht haben)
-Halbtages oder Tageskurse (mit max. 8 Teilnehmern)
Aber auch tolle Reiterferien werden angeboten!

Wer kein eigenes Pferd besitzt, dem kann auch ein braves Leihpferd zur Verfügung gestellt werden.

Alle Preise und Kontaktangaben findet ihr auf der Homepage.

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