Der Senior – wer rastet der rostet!

… so lautet wohl das Motto „meines“ Senioren Special Envoy III.

Denn am liebsten wäre er auch mit seinen bereits stolzen 27 Jahren noch den ganzen Tag in Bewegung. Deshalb haut er den Stallburschen gerne auch mal beim misten ab, wenn er sich unbeobachtet fühlt und mischt dann den ganzen Hof auf, als wäre er noch ein junges Fohlen. R.I.P. liebe Magnetgamaschen – welche bei solch einem Ausflug ihr Leben lassen mussten. ;-)
Doch natürlich hat auch meine (über-) führsorgliche Pflege dazu beigetragen, dass er noch so fit ist, wie er momentan ist.
Bevor ich auf die erhöhten Ansprüche eines Senior-Pferdes eingehe, stelle ich euch gerne zuerst Special vor.

Special Envoy III – ein Siegerpferd der seinem Namen alle Ehre macht
Special ist in unserem Stall allgemein als Siegerpferd bekannt. An seiner Boxwand hängen zahlreiche Auszeichnungen und auch Fotos erinnern an seine sportliche „Karriere“.
Neben dem normalen Springsport nahm er zudem an diversen Skijöring-Wettkämpfen bis hin zur schweizerischen Meisterschaft teil.
Unser erstes Zusammentreffen erfolgte vor mehr als 10 Jahren und bei mir war es sofort „Liebe auf den ersten Blick“. Ich durfte ihn longieren, weil es den anderen zeitlich gerade nicht möglich war und war sofort von seiner umwerfenden Schönheit gefesselt. Schnell hiess es dann jedoch, dass dies wohl kein Pferd für mich sei. Ich war nämlich damals schon ein ziemlicher Angsthase…
Doch ich kämpfte so lange um ihn, bis ich ihn dann definitiv 1x in der Woche mein Pflegepferd nennen durfte. Von da an ergriff ich jede Gelegenheit, um mit ihm Zeit verbringen zu können. Im Laufe der Zeit steigerte ich dann meine ihm zugeteilten Tage stetig. Ach waren das noch Zeiten… da machte mir das Ausreiten noch Spass ;-)  Bis Ende September 2013 lief er dann nur noch drei Tage in der Schule und in der restlichen Zeit kümmerten wir uns um ihn. Seit einem halben Jahr geniesst er nun seine wohlverdiente Rente bei uns. 
Doch er zeigte uns ziemlich schnell, dass er nicht nur noch lahm ausreiten wollte. (obwohl ich mir immer erträumt habe, dass wir genauso sein Alter geniessen werden ;-) ) Auch musste es mir nicht in den Sinn kommen, ihm einen kompletten „Schontag“ zur Verfügung zu stellen. Denn er besteht auch jetzt noch auf eine tägliche Bewegung mit gründlicher Beschäftigung. Und ein Weidetag wäre ihm zu langweilig, wenn er nicht noch mit einem Spaziergang verbunden wäre.
Allgemein ist es ihm ein Anliegen mich jeden Tag aufs Neue zu fordern. Er ist also gleichzeitig MEINE Beschäftigungstherapie. ;-) Sei es, dass er mich beim Ausreiten zum Weinen bringt, weil er sich aufgrund eines uns entgegenkommendes Pony wieder wie ein wildgewordener Affe benimmt (manchmal reicht auch das hustende Mäuschen hinter dem bösen Stein) oder dann weil er mir bei der Bodenarbeit seine „hengstige“ Überlegenheit beweisen muss.
Insgesamt ist er das pure Gegenteil von meinem eigenen Verlasspferd Gipsy B. Doch egal wie fest er mich verängstigt hat oder auch gerne mal wütend macht, liebe ich ihn doch zu sehr und muss es mir täglich wieder geben. Und genau das weiss er! Ich bin mir fast sicher, dass er manchmal heimlich spottet: „Tu doch nicht so wichtig, meine Karotten gibt es ja im Anschluss sowieso wieder“ Zum Glück ist da noch mein Freund Michel, welcher ihm dann auch mal die Stirn bietet und die Grenzen neu aufzeigt.

Abwechslung das Rezept zur ewigen Jugend?
Special blüht bei Ausflügen regelrecht auf. Im letzten Herbst nahmen wir an einem Patrouillenritt teil. Und ich traute mich natürlich nur mit der braven Gipsy an die verschiedenen Posten. Doch dann traute ich wiederum meinen Augen kaum, als Special mit Michel über eine Matratze lief, einen Graben aus PET-Flaschen überwältigte u.v.m. Deshalb nehmen wir gleich auch an unserem Patrouillenritt zu Hause teil, über welchen ich natürlich ausführlich berichten werde.
Aber auch die Ferien in Flums genoss er sehr, da er dort im Walensee ausgiebig baden konnte und wir auch sonst reichlich erleben durften.  In St. Moritz konnte er es sogar noch mit den wesentlich jüngeren Pferdefreunden aufnehmen.
Aber auch an unserem letzten (internen) Dressurconcours im Sommer 2013, schafften wir es trotz starker Konkurrenz ins Mittelfeld.  Ich hoffe natürlich, dass ich ihm auch in Zukunft noch viel Abwechslung bieten kann.

Offen für Neues auch im Alter
Auch haben wir gelernt, dass es nie zu spät ist, mit einem Pferd einen neuen Weg einzuschlagen.  Seit bald einem Jahr reiten wir Special hauptsächlich gebisslos.
Am Anfang musste er sich zuerst daran gewöhnen (so wie wir auch), aber durch den LG-Zaum wurde er beim Ausreiten gelassener bzw. in Schrecksituationen handelbarer.
Dennoch steigerte sich meine Angst im Winter so fest, dass ich mich nicht mehr aufs Pferd (draussen) traute. Also fingen wir vermehrt mit Bodenarbeit an. Seit unserem letzten Bodenarbeitskurs bei Derek Frank, üben wir fleissig und konnten so schon manch Situation besser bewältigen, als wir es in der Vergangenheit hätten tun können.

Schattenseiten bzw. Aufwände, die mit dem Alter kommen
Von A wie Atemwege, bis S wie Strahlfäule bekommt Special täglich das dazugehörige Futterzusatzmittel. Viele davon dienen wohl mehr zur Beruhigung meiner Psyche, aber einige Hausmittelchen zeigen tatsächlich ihre Wirkung. Neben dem Zusatzmittel muss natürlich auch das Futter umgestellt werden. Da Special leider zu heftig auf den Hafer (oder sonst ein Energiespender) reagiert, kann ich ihm nicht ein spezielles Senior-Futter verabreichen.
Da er jedoch vor allem im Winter stark an Gewicht verliert, päppeln wir ihn täglich mit Mash, Optibeets und Leinmatrix auf.
Ebenfalls täglich gibt es eine Ration an Obst (Äpfel, Birnen ab und zu Bananen) bzw. Karotten oder auch getrocknetes Brot.
Leider hat er fast keine Zähne mehr, weshalb ich an schlechten Tagen die harten Leckereien zerbrechen muss und natürlich ist (hier noch wichtiger als bei einem jüngeren Pferd) die regelmässige Zahnkontrolle ein absolutes Muss.
Auch mussten wir in den letzten Wochen feststellen, dass die Heilung im Alter stark beeinträchtigt sein kann, denn die Hufsohlenentzündung bereitete ihm grosse Strapazen, welche er jedoch tapfer meisterte.

„Wellness“ für ein ausgeglichenes Gemüt
Meine Pferde sind dafür bekannt, dass ich sie von oben bis unten verwöhne. Deshalb darf Special auch regelmässig in die Physio-Behandlung, welche er besonders geniesst. Falls mal keine Massage durch die Menschenhand ansteht, hält er auch gerne bei Gipsy für eine Knabber- Pflege hin.
Auch helfen ihm die Magnetgamaschen beim Entspannen und gleichzeitig fördern sie die Durchblutung in den Beinen.
Ein Hobby von Special ist es, stundenlang an Schlecksteinen zu lecken (währendem ich sie halte – versteht sich). 

Vielen Dank!
Auch wenn er meine Liebe zu Ihm immer wieder auf die Probe stellt, bin ich für jeden Tag dankbar, den ich mit diesem speziellen Pferd erleben durfte und hoffentlich noch erleben darf!
Toll konnten wir schon sooo viel gemeinsam durchstehen und erkunden. Bin gespannt, was der feine Herr heute Abend wieder für mich Tolles vorbereitet hat ;-)

Und für euch hoffe ich, dass ihr mit euren Pferdefreunden ebenfalls eine so innige und besondere Beziehung erleben dürft, wie ich mit meinen darf.
Brennend interessiert es mich auch, wie ihr eure Senioren auf Trab bzw. jung haltet?

Übrigens werde ich einige Themen, welche ich hier kurz erwähnt habe nochmals aufnehmen und euch dann nachhaltiger vorstellen.  ;-)

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