Der Reitbegleithund I: Die Gewöhnung vom Fluchttier ans Raubtier

Wer wie ich jeweils nur noch als TT auf dem Turnier agiert, hat neben der Hetzerei von Anhänger zum Turnierplatz trotzdem immer wieder genügend Zeit für Beobachtungen (leider oft auch unschöne). Doch was extrem auffällig ist, ist dass es mittlerweile fast mehr Hunde als Pferde auf einem Turniergelände hat?! Natürlich ist auch unser (Glücks-) Hund immer mit dabei ;-) 

 31-08-2015

Der Traum vom entspannten Ausritt in der freien Natur, mit seinem besten Freund an seiner Seite, ist dabei wohl für viele das grosse Ziel. Doch dass dieser Traum nicht zum Alptraum wird und sowohl Pferd, Hund wie auch Herrchen bzw. Frauchen, die gemeinsamen Ausritte geniessen können, gibt es einiges zu beachten beziehungsweise vorzubereiten. 

Die Gewöhnung von Fluchttier an (weiteres) Raubtier 

Unsere Cocker Hündin Kira begleitet uns schon seit sie ein kleiner, süsser Welpe war mit in den Stall. Am Anfang war es vor allem, um sie an den ganzen „Stallbetrieb“ zu gewöhnen und heute ist sie ein fester Bestandteil der „Herde“ sowie  auch immer auf allen Ausritten mit dabei.

Der Start war zwar etwas holprig, da sie sich vor den grossen „Ungeheuern“ fürchtete und Special gar keine Lust hatte, mich schon wieder mit jemandem zu teilen. 

Bei Kira und Special war es nicht gerade "Liebe auf den ersten Blick"

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Jedoch war es uns wichtig, sie schon früh an unsere grossen Vierbeiner zu gewöhnen, damit sie ihnen gegenüber kein Jagdtrieb zeigt und dennoch den nötigen Respekt behält. 

Sie sollte lernen genügend Abstand zu den Pferden zu halten und ihr „Raubtierverhalten“ in ihrer Gegenwart bestmöglich zu zügeln. 

Gemäss der FCI- Klassifikation gehört der Engl. Cocker Spaniel ja zu der Sektion „Stöberhunde“, welches Jagdhunde sind, die selbständig, planmässig und gründlich in Dickungen oder im Schilf nach Hoch- und / oder Niederwild suchen (also in unübersichtlichem Gelände und ausserhalb der Kontrolle des Hundeführers.) Findet der Stöberhund Wild, wird er spurlaut und treibt das Wild auf die draussen wartenden Jäger zu. Diese Hunde sind auch für die Suche nach verwundetem Wild (Schweissarbeit) und zum Bringen (Apportieren) von geschossenem, leichtem Wild geeignet.  Glücklicherweise nimmt Kira davon nur den Teil mit „ausserhalb der Kontrolle des Hundeführers“ wirklich ernst. ;-P 

Nein, bei ihr hatten wir wirklich grosses Glück, da ihr schon von Anfang an klar war, dass die Pferdebeine kein grosser Tunnel ist und man hier nicht einfach drunter durchspazieren sollte.

Dies war sozusagen ein wesentlicher Bestandteil für ihre Ausbildung an der Leine (vom Pferd aus). Leider sind viele Hunde nämlich viel zu unvorsichtig beim Umgang mit den Pferden – nun gut sie verstehen halt auch nicht sofort, dass es sich dabei um Fluchttiere handelt und deshalb auch anders reagieren, als sie selber. 

Deshalb war Kira in der Gewöhnungsphase auch stetig in allen möglichen Situationen mit dabei, sei es beim Putzen im Stall, oder wenn sie uns dabei „half“ die Pferde auf die Weide zu bringen. 

Kira ist bei der täglichen Arbeit im Stall immer mit dabei!

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Die Pferde mussten lernen, dass Kira keine Gefahr für sie darstellt, auch wenn sie durchs Gras schleicht oder Vollgas auf sie zu rennt und Kira natürlich auch das ein galoppierendes Pferd kein Spielpartner ist den man jagen muss.

Glücklicherweise hatten wir bereits geländesichere Pferde (Gipsy zumindest ;-)) und auch Kira lernte schnell dazu, sodass eine innige Freundschaft wachsen konnte. Heute kann Kira unserer Stute Gipsy über die Nase lecken (ausser Kira versucht es während der Fütterungszeit und latscht dabei übers Heu ;-)).

Jetzt wird’s ernst… 

Während der Anfangszeit kam Kira oft einfach mit einem Fussgänger als „Aufpasser“ mit auf den Ausritt, somit konnte sie gute Erfahrungen sammeln und sobald er brenzlig wurde, konnte direkt eingegriffen werden. Hierbei haben wir ihr natürlich Kommandos und Gewohnheiten antrainiert, die uns heute sehr helfen. 

Ausserordentlich wichtig war vor allem das Antrainieren der Strassenseite – denn Kira muss immer auf der rechten Strassenseite laufen. Erstens können wir ein Auto somit korrekt kreuzen und falls ein Pferd erschrickt, läuft Kira dennoch nicht vors Auto. Ebenfalls haben wir ihr angewöhnt immer vor einem Pfosten oder einem Weidezaun durchzulaufen, dies war vor allem essentiell, als wir Kira anfangs noch mit der Auszugsleine mitgenommen hatten, da sie sonst unweigerlich um den Pfosten gewickelt worden wäre. Die restlichen Kommandos wie „Fuss / Huf“ oder „Raus“ müssen ja nicht gross erklärt werden. 

Da Cocker Spaniel wie oben erwähnt zu den Jagdhunden gehören, konnten wir sie nicht sofort „frei“ auf den Ausritt mitnehmen (nicht das sie Rehe gejagt hätte, aber bei einer Katze würde sie nicht nein sagen =)). Also mussten auch die Pferde lernen mit einer Auszugsleine umzugehen und nicht gleich durchzubrennen, wenn die Leine aus Versehen ihren Allerwertesten berührt. Auch fanden sie es nur bedingt witzig, wenn die Leine sich im Zaum verhedderte und Kira daran zog. 

Unsere Pferde haben sich aber glücklicherweise rasch damit „abgefunden“ und somit stand den gemütlichen Ausritten nichts mehr im Weg und  nur dank dem gezielten Training konnten wir bisher sehr viele schöne gemeinsame Ausritte erlebt. 

Die Leinenführigkeit hoch zu Ross musste zuerst von allen beteiligten geübt werden... bis wir Kira dann frei im Gelände mitnehmen konnten... 

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Einschub – Sicherheitshinweis:

Bitte denkt daran, dass nicht jedes Pferd dafür geeignet bzw. entsprechend trainiert ist. Die Sicherheit sollte immer vorgehen und nicht leichtsinnig aufs Spiel gesetzt werden!

Kommt der Hund mit der Leine mit, ist es wichtig auf die einhändige Zügelführung zu wechseln, denn wenn der Zügel und die Leine in derselben Hand gehalten wird, überträgt sich jedes ziehen des Hundes, direkt auf das Pferdemaul

Heute kommt Kira jeweils ohne Leine auf Ausritte mit und macht sich wirklich grossartig. Sie hört sehr gut auf die gelernten Kommandos, was natürlich in einem viel befahrenen Ausrittsgebietes, wie unserem, unumgänglich ist. Ebenfalls ist es sehr schön zu sehen, wie unsere Pferde, sie als waschechtes Herdenmitglied akzeptiert haben und sogar unsicherer sind sobald Kira mal nicht dabei ist. Kira denkt manchmal sogar selber sie sei ein Pferd und grast dann mit den Pferden auf der Weide =)   

Kira begleitet die Pferde gerne auch auf die Weide um zu "grasen" :)

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Auf YouTube gibt es übrigens viele tolle Videos von der tierischen Freundschaft zwischen Pferd und Hund. 

Im nächsten Blog- Teil dieser Serie gehe ich gerne noch genauer auf die Unterschiede / Gemeinsamkeiten, sowie mögliche Gefahrenzonen, welche das Glück trüben könnten ein. 

Übrigens kennt ihr eigentlich schon den Partnershop von reitsport.ch: myluckydog.ch

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