Der perfekte Trainer

Angefangen zu reiten habe ich im Alter von schätzungsweise sieben Jahren. Standartgemäss hat man mich auf ein Pony gesetzt und einfach mal dem Schicksal überlassen. Wobei ich weniger den Tücken des Schicksals, sondern eher jenen des Ponys ausgesetzt war. Leider kann ich mich nicht mehr an den Namen dieser Brut des Teufels erinnern…Aber es war irgendein zuckersüsser Name, der absolut nicht zu diesem Biest gepasst hat.

Nachdem das Pony x Mal ohne mich nach Hause kam, beschloss meine fürsorgliche Mama, dass der Besuch von Reitstunden meinem anscheinend fehlenden Durchsetzungsvermögen Abhilfe schaffen sollte. Da ich wirklich Reiten lernen wollte, ging ich motiviert in diese Gruppenstunden, denn ich wollte es schaffen. Und meine Mutter hat immer gesagt, dass ich alles schaffen kann, wenn ich es auch wirklich richtig will.

Irgendwann wurde mir klar, dass das Höchste der Gefühle während so einer Gruppenstunde ein Einzelgalopp entlang der langen Hallenseite war. Mein Indianerherz blutete und ich litt unter diesen monotonen Stunden, durstete ich doch insgeheim nach Abenteuern, wilden Galopprennen, olympisch hohen Sprüngen, sowie Ruhm und Ehre als Springreiterin…was eine echte Wendy so ausmacht eben! Ich wollte unbedingt eine Wendy sein und da ich alles schaffen konnte, wenn ich es auch wirklich wollte, zog ich, betraut mit den Grundkenntnissen der (Hilfszügel-) Reiterei, meines Weges fort. Fort von den Gruppenstunden, hinaus aus der staubigen Halle, hinein in die Welt der Reitbeteiligungen.

Vielleicht, nur vielleicht, bin ich während der darauf folgenden Zeit (das müssen etwa die frühen 2000er Jahre gewesen sein, hach!) etwas zu sehr meinen Indianervorstellungen gefolgt und weniger den Richtweisen der korrekten Sitz- und Hilfenlehre. In dieser Zeit fing ich auch mit dem Concoursreiten an und mein Ehrgeiz war allgegenwärtig. Ich wollte immer besser werden. In Spring- und Dressurstunden ging ich schon, aber irgendwie war es nie das Gelbe vom Ei.

So machte ich mich auf die Suche nach den perfekten Trainer für Springen und Dressur. Dabei musste ich mir unweigerlich die Frage stellen: Was macht für mich eigentlich den "perfekten Trainer" aus?

Eins war mir von Anfang an superwichtig: Individualität! Der perfekte Trainer soll auf mich eingehen können, meine Schwachstellen erkennen und meine Leistung richtig einschätzen. Ich habe das Glück, dass ich die Trainer meines Vertrauens sehr schnell gefunden habe und jetzt schon seit Jahren kenne. Und sie mich. Ihnen beiden kann ich nicht mehr so schnell etwas vormachen. Alle Versuche meines inneren Schweinehundes werden sofort durchschaut, beispielsweise wenn meine Faulheit mal wieder grenzelos ist und ich -ja, Schande über mein Haupt!- statt am äusseren Zügel am inneren wende.

Ich persönlich sehe es als Motivation, dass ich zu meinen Trainern hinaufschauen kann. Es macht mich stolz, wenn ich von Reitern lernen kann, die etwas auf dem Kasten haben. Die Leistungen, die sie erbringen, spornen auch mich zusätzlich an und ich möchte soviel wie möglich von ihrem Wissen und ihren Erfahrungen profitieren. Irgendwie strebern wir doch alle danach, mal so gut zu sein wie unsere Lehrmeister, oder nicht?

Ausserdem schätze ich es, dass meine Trainer an meinem Fortschritt mindestens so interessiert sind, wie ich es bin. So sehr, dass es vielleicht auch mal wehtut. Ganz nach dem Motto "What doesn’t kill you makes you stronger" beklage ich mich regelmässig über Muskelkater an Stellen, an welchen ich nie gedacht hatte überhaupt Muskeln zu haben.

Masochistisch wie ich bin, rechne ich ihnen auch das passende Mass an Gemeinheit (mein Springtrainer hat da die Nase fairerweise gesagt weiter vorne) hoch an. Manchmal, nachdem ich für eine „Aber-Hallo“-Distanz eine Tracht verbalen Prügel kassiere, möchte ich mich zwar selbst für ein paar Minuten tröstend umarmen, aber mein Indianerherz ist hart im Nehmen. So versuche ich es weiter, bis es sitzt.

Aber Spass beiseite. Einen guten Trainer/Reitlehrer zu haben, finde ich etwas vom Wichtigsten. Klar kann man auch selber vieles erarbeiten, aber beim Reiten ist es unmöglich sich selber von der Seite zu sehen. Und erfahrungsgemäss schleichen sich kleine Schönheitsfehler so schnell ein, dass sie rasch zu Gewohnheiten werden. Und manchmal ist ein Problem mit Hilfe von ausserhalb rascher gelöst, als wenn man sich selber ewig darauf versteift. Und mal ehrlich, wer ist schon nicht froh, wenn er jemanden zur Seite hat, der ihn nach einem unglücklichen Sturz mit den Worten „So, und jetzt sei keine Memme!“ wieder auf’s Pferd hievt?

Danke Euch, liebe J. und lieber P. für Eure Geduld, Zeit und, dass ihr die Freude an meiner reiterlichen Laufbahn mit mir teilt!

 

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