Der Hengst als Partner

Für die Pferdewelt ist der Hengst etwas ganz besonderes. Er verkörpert Energie, Macht
und Faszination. Sein in den meisten Fällen imposantes auftreten, bringt die
Leute zum Staunen. Für viele ist es ein Spektakel, welches sie am liebsten aus
der Ferne betrachten. In ihren Augen ist der Hengst etwas Schönes, jedoch unkontrollierbar
und gefährlich. Wie oft habe ich den Satz schon gehört: „Was du reitest einen
Hengst? Das ist doch aber sehr gefährlich.“ Aber wie steht es denn wirklich um
den Hengst als Reitpferd? Was muss beachtet werden, dass man in ihm einen
tollen Partner findet, so wie ich ihn im Freiberger- Zuchthengst Vitali
gefunden habe?

Der Umgang mit einem Hengst ist nicht für jeden geeignet und erfordert Fachkenntnis. Trotzdem werden immer mehr Hengste als reine Reitpferde und nicht als Zuchttiere eingesetzt. Ihr temperamentvolles Auftreten und ihre Kraft macht dieses
männliche Tier zu etwas faszinierendem. Mit ihrem stark bemuskelten und
ausgeprägten Hals wirken die nicht kastrierten männlichen Pferde viel
imposanter und ziehen die Augen auf sich. Das Imponierverhalten, aus welchem zahlreiche Dressurlektionen abgeleitet werden, zeigen Hengste meist schon von Natur aus. Daher ist für sie das erlernen solcher Lektionen, in den meisten Fällen, einfacher als für die anderen Pferde. Ein gut gerittener Hengst wird oft bestaunt und bewundert. Ebenfalls sind Hengste äusserst sensibel und lernwillig, was sie zu guten Reittieren macht. Aufgrund ihres natürlichen Instinktes achten sie sehr auf die Bewegungen ihres Ausbildners und haben ein ausgeprägtes Wahrnehmungsvermögen. Wer diese natürlichen Eigenschaften positiv
zu nutzen weiss, wird sehr viel Freude an einem Hengst haben.

Die besondere
Sensibilität des Tieres sollte ein guter Ausbildner zu seinen positiven Zwecken
nutzen. Missachtet man diese jedoch oder hat zu wenig Erfahrung im Umgang mit
Pferden, kann es schnell zu einem Problem werden. Der Hengst hat es in seiner
Natur, dass er in solchen Fällen seinen Partner testen wird, ob er
Führungsqualitäten besitzt. Dominanz spielt im Umgang mit Hengsten eine
wichtige Rolle. Diese darf nicht, wie so oft, mit Unterwerfung verwechselt werden. Bei ängstlichen, schwachen und unerfahrenen Personen wird der Hengst
sehr schnell seine Führungsposition und die Funktion als Leittier übernehmen.
Hat das männliche Tier nicht gelernt respektvoll auf seinen Zweibeiner zu achten, kann es zu gefährlichen Situationen kommen.

In der Natur hat
der Hengst eigentlich zwei entscheidende Funktionen: sich zu vermehren und zu
kämpfen, um seine Stuten zu beschützen. Bei der Arbeit mit einem Hengst, ist es
also wichtig diese zwei natürlichen Verhaltensmuster zu kontrollieren und seine
Energie sinnvoll zu nützen. Auch wichtig zu beachten ist, dass Hengste im Alter
immer streitlustiger werden. Es heisst also nicht, dass ein Tier welches mit zwei jährig verschmust und lieb war so bleibt. Daher darf unter keinen Umständen aus diesem Grund der entscheid gefällt werden, sein Pferd nicht zu
kastrieren. Das natürliche Verhalten und die Lust zu kämpfen, kann nur durch
solides und konsequentes Training unterbunden werden. Hengste brauchen
Aufmerksamkeit, Beschäftigung und mehr physischen Kontakt als Wallache und Stuten.
Daher eignet sich ein Hengst auch nicht für Wochenend- und Gelegenheitsreiter.

Wie Wallache und Stuten, müssen auch Hengste artgerecht gehalten werden. Ein Leben ohne Sozialkontakt kann beim ihm fatale Folgen haben. Je isolierter der Hengst lebt, desto schwieriger wird der Umgang mit ihm, wenn andere Pferde ins Spiel kommen. Daher muss auch dem unkastrierten männlichen Pferd Kontakt zu Artgenossen
gewährt werden. Im Minimum muss Sicht- und Riechkontakt zu anderen Pferden
bestehen.
Auch die Aufzucht spielt für die spätere Entwicklung eine entscheidende Rolle.
Hengste sollen bereits im jungen Alter Benimm- und Verhaltensregeln von ihren
Artgenossen erlernen. Dies wird uns den späteren Umgang mit ihnen erleichtern.
Sie müssen lernen, welche Bedeutungen Gestik und Mimik haben.

Wenn all diese wichtigen Punkte und natürlichen Verhaltensweisen beachtet werden und
genügen Erfahrung im Spiel ist, steht der Faszination einen Hengst zu reiten
nicht mehr viel im Wege. Klar ist, dass nicht jeder Hengst gleich wie der andere ist. Ist jedoch mit allen anderen Pferden genau das Gleiche. So gibt es Hengste, die ihren natürlichen Trieb viel ausgeprägter Leben und viel schwieriger zu kontrollieren sind als andere. Ebenfalls macht es einen Unterschied,
ob Hengste aktiv im Deckeinsatz tätig sind oder nicht. Aber mit dem richtigen Handling, Feingefühl und intensiver Beschäftigung können auch tendenziell „schwierigere“ Hengste problemlos geritten und gehalten werden.

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