Der Abreitplatz - eine Dschungelprüfung

Dieses Wochenende habe auch ich dem CSI Zürich einen Besuch abgestattet. Ich mag den guten alten CSI Zürich, da er jedes Jahr immer ungefähr der Selbe bleibt. Ich bin ein Gewohnheitsmensch und somit kein Freund von starken Veränderungen. So gab es auch dieses Jahr nebst grossem, spannenden Sport und kleiner aber feiner Ständeauswahl keine speziellen Vorkommnisse. Ausser vielleicht, dass mir Pius Schwizer am Amerigostand plötzlich die Hand packte und schüttelte, um sich dann zu entschuldigen, dass er mich noch nicht begrüsst hatte (er hat mich wohl mit jemandem verwechselt). Ich, die gerade dabei war, sich im Anblick eines DJ Pinerolos der Farbe red brown zu sonnen, blieb äusserlich cool und erwiderte, dass das ja auch mir hätte passieren können. 

 

Was ich am CSI sehr schätze ist, dass man den Reitern beim Abreiten zuschauen kann. Das finde ich ehrlich gesagt fast so spannend wie den Springparcours selber. 

Ich persönlich werde mit Baby-Cornet einige Zeit keinen Abreitplatz von innen sehen. Aber ich habe den Abreitplatz über die Jahre bisher schon zur Genüge kennen und fürchten gelernt.

 

Was ursprünglich wohl als Ort der Konzentration, Aufwärmarbeit und Selbstfindung mit dem Pferd gedacht gewesen ist, endet bei uns im regionalen Springsport oft in einem heillosen Durcheinander. Ist dieser Zustand mal eingetreten, frage ich mich dann, warum ich mir die Turnierreiterei überhaupt antue. Wieso kann ich mich nicht nur damit zufrieden geben, am dahingegebenen Zügel durch den Wald zu trudeln? Nein, stattdessen stelle ich mich und mein ahnungsloses Ross, bestenfalls sonntagmorgens zu unchristlichster Stunde, dem Schussfeuer aus Hufen, Peitschen, Fluchwörtern, fliegenden Hindernisstangen und manchmal auch Reitern. Es scheint mir, dass der Wettbewerb eigentlich schon auf dem Abreiteplatz beginnt. Survival of the fittest sozusagen. Und fast hätte ich noch die an der Bande hängenden Zuschauer vergessen, deren wertenden Kommentaren man dabei auch noch ausgeliefert ist. Der helle Wahnsinn!

 

Ist man diesem psychischen Druck nicht gewachsen, wird man durch die Tücken des Lebens ausselektioniert. Denn im Parcours ist man dann so durch, dass entweder voll drauflosgebrettert wird, oder einem plötzlich die korrekte Reihenfolge der Zahlen von 1-10 entschwindet. So jedenfalls die Erinnerung an meine ersten paar Concours.

 

Aber irgendwann, so wurde mir versichert, sobald ich die Lizenz hätte, würden sich die Zustände auf den Abreitplätzen bessern. Rückblickend bin ich mir nicht so sicher, ob diese Aussage stimmt, oder ob ich mich einfach an das chaotische Turnierleben gewöhnt habe. 

 

Aber zurück zum Abreitplatz des CSI Zürich. Es wird ja gesagt, dass man auch vom Zuschauen sehr viel lernen kann. Und da ist was Wahres dran. Nun, selten kann man so vielen gesattelten und mit den phantasievollsten Trensten aufgezäumten Millionen bei der Arbeit zusehen. Um es CSI-thematisch passend auszudrücken: formidablement, wie es die Reiter geschafft haben, zu acht auf einem doch relativ kleinen Sandviereck warmzureiten und sich einzuspringen. Auf dem Abreitplatz der Expo herrschte Konzentration und Ordnung. Ja, die Reiter sind alle Profis und haben einen Haufen Erfahrung. Ich finde es trotzdem faszinierend. Es ist wie die Ruhe vor dem Sturm. Und so sollte es doch sein, oder?

 

Ich will aber nicht nur schwärmen, denn es gab auch Sachen, die mir gar nicht gefallen haben. Zum Beispiel, dass einem Pferd innerhalb eines Handgriffes mal rasch eine halbe Tonne ins Maul geknallt wurde, um einem anderen Reiter auszuweichen. Dies dank einer Hebeltrense, die so abenteuerlich aussah, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, wie wo was zusammenhing. Aber solche Bilder, sowie auch die Hyperflexion, sind leider auch auf den Abreitplätzen der Normalsterblichen ein Thema. Das soll jedoch im dieswöchigen Blog nicht das Hauptthema sein.

 

Ich persönlich würde es im Hinblick auf Cornet's erste Concourserfahrungen zum Beispiel begrüssen, wenn man die Reiterzahl auf Abreitplätzen strikt begrenzen würde. Viele Concours haben das auch schon so eingeführt, aber oft ist die Höchstzahl zu hoch. Oder man hält sich nicht daran. Das ist sehr ärgerlich. Aber wenn ich ehrlich bin, gehört das Chaos auf dem Abreitplatz auch ein bisschen zum Concoursreiten, oder? Hat man es mal tatsächlich geschafft, sich und sein Pferd im Dschungel aus Konkurrenten ordentlich warmzureitend, kann es im Parcours selber nur noch besser werden!

 

Als kleine Hilfe zum Beginn der Abreitplatz-Saison empfehle ich Euch, Euer Wissen über Bahnregeln wiedermal aufzufrischen. Eine gute und ausführliche Anleitung zum Verhalten auf Abreitplätzen findet Ihr unter dem folgenden Link. Viel Spass!

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