Das Sommerekzem: wie kann ich meinem Pferd helfen?

Für die meisten Reiter und Pferde beginnt bald schon die schönsten Jahreszeiten des Jahres. Jedoch nicht alle können sich auf die immer wärmeren Temperaturen freuen. 

Nein, für die Besitzer der „Ekzemer“ beginnt der alljährliche Leidensweg mit starkem Juckreiz und Haarverlust (mindestens) an Mähne und Schweif sowie zahlreiche blutige Stellen jeweils erneut.  

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Typische Scheuerstellen eines Sommerekzem- Schweifansatzes (Bildquelle: Freitag's Best Meal)

Doch was ist diese (am meisten verbreitete) Hautkrankheit bei den Pferden denn überhaupt genau? 

Beim Sommerekzem handelt es sich, um eine allergische Reaktion auf den Speichel von Stechmücken, Kriebelmücken oder Stechgnitzen (Culicoides), welcher häufig ein geschwächtes Immunsystem zugrunde liegt. Da die Ausprägung des Ekzems von Jahr zu Jahr variieren kann, lässt sich daraus schliessen, dass darauf verschiedene Faktoren Einfluss nehmen, auf welche ich gerne später zurückkommen werde.  

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Bildquelle Gnitze: www.pferde-magazin.info

Wie äussert sich das Sommerekzem? 

Pferde die am Sommerekzem leiden, verhalten sich häufig sehr unruhig, da sie versuchen den Mücken zu entkommen bzw. sie mit dem Schweif zu vertreiben. 

Zusätzlich wird das Pferd von einem sehr starken Juckreiz geplant. Damit das Jucken aufhört „schubbert“ und scheuert es sich die betroffenen Hautstellen regelrecht blutig auf. 

Besonders schlimm betroffen sind die Körperstellen, bei welchen die Haare senkrecht auf dem Pferd „stehen“, weil diese von den Mücken gut zu erreichen sind. Zum Beispiel: der Mähnenkamm, die Schweifrübe, der Widerrist, das Gesicht, die Ohren und die Bauchnaht.

In der Dämmerungszeit, also Sonnenauf- und Untergang ist für ein solches Ekzemerpferd am schlimmsten, denn dort sind die meisten Mücken „unterwegs“. 

Wer erkrankt am Sommerekzem? 

Die Krankheit Sommerekzem kann Pferde und Ponys unterschiedlicher Rassen und jeden Alters betreffen. Jedoch erkranken vor allem nordische bzw. «robuste» Rassen wie Isländer, Friesen oder Norweger daran, da es in diesen Regionen nur sehr wenige oder gar keine Gnitzen gibt, sodass die Pferde aus diesen Gegenden evolutionsbedingt anfälliger für das Sommerekzem sind, weil dem Körper die entsprechenden Abwehrstoffe fehlen.

Ausserdem sollte man stetig im Hinterkopf behalten, dass auch wenn ein Pferd keine Symptome mehr hat, bleibt es trotzdem ein Ekzemer und diese allergische Reaktion kann leider weitervererbt werden, auch wenn man eine erfolgreiche Therapieform (für dieses Pferd) gefunden hat. Jedoch entscheidet das weitervererbte Gen nicht allein, ob der Nachkomme auch tatsächlich am Sommerekzem erkranken wird, jedoch weist er ein erhöhtes Risiko für diese Allergie auf. 

Die weiteren Faktoren 

Neben der teilweise genetisch bedingten Allergie, ist das Sommerekzem jedoch auch oftmals stoffwechselbedingt. Dabei handelt es sich nicht nur um zu viel Eiweiss und Zucker aus dem Gras oder zusätzlich gefütterte fett- und stärkereiche Müslis, sondern auch um die häufig  unwissentlich zugeführten Chemikalien und Zusatzstoffe, wie Konservierungs- und Bindemittel, Süss- und Aromastoffe. Dabei spielt natürlich auch die Leber als Entgiftungsorgan eine grosse Rolle. Denn diese kämpft dann mit den zugeführten Toxinen, biogenen Aminen, sowie Noxen.

Deshalb sind oftmals diese Entgiftungsorgane zu schwach oder einfach überlastet, um diese „Anflutungen“ zu verkraften bzw. auszuscheiden. Hier kommen wir bereits zum entscheidenden Konflikt, denn gerade die Leber schützt durch ihre Tätigkeit das Immunsystem, welches bei einer Allergie leider häufig komplett unterschätzt wird. 

Wer sich etwas mit der Tierheilkunde auseinandersetzt, bemerkt schnell, dass auch der Darm eine entscheidende Rolle spielt, (gilt allemal auch für den Humanbereich) was bei der Sommerekzem- Erkrankung natürlich nicht anders ist. 

Denn im Pferdedarm befinden sich ca. 80 %  aller Lymphknoten, welche die Aufgabe besitzen, mögliche Schadstoffe und Krankheitserreger aus der Lymphflüssigkeit des Körpers herauszufiltern.

Zudem werden im Darm mehr als 90 % der Immunzellen gebildet!

Das alles kann natürlich nur ausgeführt werden, solange das Verdauungssystem ausgeglichen ist und das Säure- Basen- Verhältnis stimmt. Das Sommerekzem hat im ausgeglichenen Stadium also kaum eine Chance.

Therapeutische Massnahmen: 

Nach dem heutigen Stand ist es unbestritten, dass das Sommerekzem nicht heilbar ist.

Jedoch kann man dem erkrankten Pferd oder Pony das Leben deutlich angenehmer machen und den Juckreiz samt Scheuerneigung drastisch reduzieren.

Weil allerdings jeder Organismus anders reagiert, äussert sich das Sommerekzem auch bei jedem Pferd anders. Deswegen gibt es wie so oft, keine allgemeingültige Aussage, wie dem Pferd geholfen werden kann und lässt deshalb viele Pferdebesitzer fast verzweifeln.

Dennoch möchte ich euch gerne ein paar therapeutische Massnahmen aufzeigen, zu welchen diverse positive Erfahrungsberichte erfasst worden sind. 

Heilpflanzen fürs Pferd 

Da die fehlerhafte Fütterung sowie ein gestörter Stoffwechsel das Sommerekzem «begünstigen» können, empfiehlt es sich neben der Anpassung der Ernährung auch das Pferd regelmässig zu entgiften bzw. den Stoffwechsel zu unterstützen, wozu sich (z. B.) die folgenden Kräuter eignen: 

Entgiftung: 

  • Löwenzahn
  • Brennnessel 
  • Birkenblätter

 

Stoffwechsel:

  • Mariendistel
  • Ginko 
  • Artischocke 

Bei dem Einsatz von Heilpflanzen sollte jedoch beim Ekzemerpferd auf Kräuter verzichtet werden, welche das Immunsystem stärken. Denn diese (z. B. Sonnenhut) könnten die allergische Reaktion noch verstärken. 

 

Weitere bekannte Behandlungsmöglichkeiten: 

Blutegeltherapie: Der Blutegel (Hirudo) schüttet während des Bisses, des Saugens und des Loslassens mit seinem Speichel (Saliva) bis zu 100 unterschiedliche Substanzen aus, welche sich positiv auf einen Sommerekzem- Patienten auswirken. Oftmals wurden die Symptome innerhalb einer Woche bereits auf ein absolutes Minimum reduziert und die Pferde verspürten eine starke Linderung. 

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Die Blutegeltherapie ist auch bei den Tieren vielseitig einsetzbar! 

Bewährte Zusatzfuttermittel: 

Neben den Heilpflanzen bieten sich bei bereits erkrankten Sommerekzem- Pferden verschiedene bewährte Zusätze an:

Schwarzkümmelöl (wirkt immunmodellierend, sollte jedoch nur Kurweise verabreicht werden, da ein «Gewöhnungseffekt» eintreten kann.) 

Leinöl (wirkt entzündungshemmend und ist reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren) 

Seealgenmehl (ist reich an Mineralien  Jod und Zink) 

Ingwer oder Kurkuma (als natürlicher Entzündungshemmer und immunstärkend) 

Auch Kokosöl ist hervorragend zur Behandlung von Sommerekzemen bei Pferden geeignet. Bio-Kokosöl entfaltet bei akutem Juckreiz und wunden Stellen eine beruhigende und heilende Wirkung. Die zahlreichen Nährstoffe lindern den heftigen Juckreiz und aufgrund der pflegenden Wirkung von Kokosöl werden die angegriffenen Hautstellen geschmeidig gepflegt. Die Hauterneuerung wird beschleunigt und gesundes Fell kann schneller nachwachsen.

Aber auch der Apfelessig von zu Hause kann abwehrsteigernd und heilend wirken!

Pflege & Hygiene

Die Pflege und nötigen Hygienemassnahmen sind bei Ekzemer noch wichtiger als bei gesunden Tieren, weshalb sie unbedingt eingehalten werden müssen, um dem erkrankten Pferd das Leben etwas erleichtern zu können. Mittlerweile gibt es aber schon ein ziemlich grosses Sortiment an Pflegeprodukten bei Sommerekzem, weshalb es für den Tierhalter nicht immer ganz einfach herauszufinden ist, welches dann den gewünschten Erfolg bringt und auch über eine längere Zeit Wirkung zeigt. Auch ein Blick auf die Inhaltsstoffe ist ratsam, da ein synthetischer Ursprung die Situation (auf die Dauer) noch verschlimmern könnte. 

Eine weitere beliebte Möglichkeit (welche auch keine Dauerlösung sein sollte) sind Ekzemerdecken

Diese wirken sich jedoch auch auf die eigene Thermoregulation des Pferdes aus und schwächen gleichzeitig das Immunsystem, was wiederum Atemwegsinfekte begünstigt. 

Es besteht ebenfalls die Gefahr einer Überhitzung im Sommer sowie Kreislaufprobleme, da sie nicht sonderlich atmungsaktiv sind. 

Trotzdem verschaffen sie an milden Tagen dem Pferd den nötigen Schutz, für den „sorglosen“ Weideaufenthalt. 

Neben der richtigen Haltung, Fütterung und Pflege sind bei Ekzemern zusätzlich strengere Hygienemassnahmen nötig. 

Bei der Behandlung eines Ekzemers setzt man sich das Ziel, das Pferd möglichst von den ekzemauslösenden Insekten fernzuhalten, um es so vor möglichen Bisses durch diese zu schützen. 

Dabei gilt: je weniger ein Pferd nach Pferd riecht, desto weniger wird es von den Insekten war genommen und umso besser können die jeweiligen Pflegeprodukten wirken. 

Es wurde nämlich festgestellt, dass die ekzemauslösenden Mücken nicht nur vom ausgeatmeten Kohlendioxid angelockt werden, sondern vor allem auch von Schweiss, Kot und Urin. Deshalb muss (wie natürlich auch sonst) auf die entsprechende Stallhygiene, sowie zusätzlich noch die regelmässigen Waschungen geachtet werden. (mit dem geeigneten Shampoo, nicht das die betroffenen Stellen noch mehr gereizt werden und natürlich nur bei der entsprechenden Aussentemperatur!)

Weiter müssen die betroffenen Stellen von den Pflegeprodukt– Rückständen befreit werden (insbesondere an Mähne, Bauch, Brust, Kruppe, Euter, Schlauch und Schweifansatz) 

Vor dem nächsten Auftragen der Pflegeutensilien muss das Pferd trocken sein. 

Regelmässiges Putzen entfernt nicht nur den restlichen Schmutz, sondern regt auch noch die Durchblutung und den Lymphfluss an, was die Hautwundheilung begünstigt. Jedoch müssen beim Putzen die betroffenen Stellen je nach Fortschritt der Allergie ausgelassen werden, denn wenn diese mit „massiert“ werden, juckt es das Pferd umso mehr (kennen wir von unseren eigenen Mückenstichen). 

Fazit: Wer einen Ekzemer hat, muss sich bewusst werden, dass die Behandlung des Sommerekzems nicht nur einige Wochen im akuten Fall, sondern bis zu mehreren Jahren dauern kann, bis es etwas abgemildert auftritt. 

Neben Geduld ist also auch Konsequenz und Ausdauer gefragt, da die Therapien natürlich nur anschlagen, wenn die nötigen „Rahmenbedingungen“ wie Haltung und Fütterung stimmen. 

Da wie bei uns auch jeder Pferdeorganismus verschieden ist und auch entsprechend anders reagieren kann, ist es für den Pferdebesitzer schwierig herauszufinden welches Mittel und welche Therapie für sein Pferd die beste Wahl ist. 

Denn mir ist bewusst, dass ich mit den oben genannten Möglichkeiten nur eine kleine Vielfallt aufgezeigt habe, weiter gibt es ja noch Theorien von ätherischen Ölen oder Fischöl sowie auch Vitalpilze und nicht zu vergessen die Homöopathie u. v. m. 

Aber dies muss jeweils pro Pferd und Halter zuerst herausgefunden werden, welche Methode am passendsten sein könnte. Natürlich unterstütze ich euch und eure Pferde gerne, bei der Suche nach der geeigneten Therapieform.  

Hier findet ihr einen Auszug aus dem Ekzem- Sortiment von reitsport.ch 

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Wer sich übrigens mit Mitleidenden austauschen möchte, kann dies hier im Sommerekzem Forum.

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