Das Pferd in der Kunst


Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd ist eine der
dauerhaftesten Liebesgeschichten. Es ist eine Geschichte die von Künstlern
aufgezeichnet wurde. So viel wir heute wissen, begann diese Geschichte in den
Schluchten der Ardèche in Südfrankreich. Die kleinen Pferde sind naturalistisch
dargestellt und die kräftigen Köpfe sorgfältig ausgeführt. Diese
prähistorischen Pferde ähneln stark den asiatischen Wildpferden oder den
Przewalski- Pferden. Das Pferd ist eines der häufigsten Motive der
Höhlenmalerei. Wieso man das Pferd damals schon so ausführlich auf die
Höhlenwände abgebildet hat ist bis heute eine umstrittene Frage. Es gibt
mehrere Möglichkeiten. Zum Beispiel könnten die bemalten Wege Wegweiser für die
Jagd gewesen sein. Vielleicht hatten sie jedoch auch eine religiös- spirituelle
Bedeutung. Man kann also nur darüber spekulieren, wieso unsere Vorfahren das
Pferd so oft und so genau gemalt haben. Jedoch markieren diese Bilder klar den
Zeitpunkt des Anfangs einer Tradition, nämlich die Verwendung des Pferdes als
ein Objekt in der Kunst. Dies ist eine Tradition, die sich bis zum heutigen Tag
erstreckt.

Aufgrund von
Ausgrabungen geht man davon aus, dass die Domestikation des Pferdes vor etwa
6000 Jahren begann. Man nimmt an, dass die ersten Pferde aufgrund ihres
Fleisches gehalten wurden und sie erst später als Reit- und Nutztier zum
Einsatz kamen. Wann das erste Mal ein Mensch den Pferderücken erklomm, ist bis
heute unklar. Schätzungen schwanken zwischen 3500 bis 1000 Jahren vor Christus.
Als man jedoch merkte, dass sich diese mächtigen Tiere reiten liessen, begann
ein neuer Akt in der Beziehung zwischen dem Menschen und dem Pferd. Es diente
als Fortbewegungsmittel und somit konnte man plötzlich viel weitere Strecken
zurücklegen. Man traf auf neue Orte und neue Menschen und dies führte dann
unvermeidlich zu Krieg. Das Pferd verdankt dieser Rolle seine kontinuierliche
Darstellung in der Kunst. Die Tradition der Reiterdarstellung begann praktisch
in dem Moment, als der Mensch das Pferd zu reiten lernte und hat durch die
Jahrhunderte bestanden. Pferde sind Tiere, die grosse Gefühle auslösen und
Leidenschaft, Energie und Macht symbolisieren.


Man sah Pferde plötzlich von einer ganz anderen Seite,
sie wurden geschmückt und wurden zu hoch geschätzten Statussymbolen. Die
Menschen waren stolz auf ihre Pferde und begannen sie gezielt zu züchten.

Später kam dann die Darstellung von Wagenrennen, sowie
einer Urform des Polos. Jeder Teil auf der Welt hatte seine eigene Tradition.

Bei den Skythen, einem Nomadenvolk aus den Steppen
Osteuropas und Zentralasiens, galt das Pferd als ein fester Bestandteil ihrer
Kultur. Der Reichtum eines Mannes wurde an der Anzahl Pferde die er besass,
gemessen.

Immer begleitet von Pferden zogen die Völker in den Krieg,
dadurch entstanden dann auch langsam die Vermischungen von unterschiedlichen
Pferderassen. Jedes Pferd hatte seine Vorteile und man kreuzte die Pferde um
sie schneller, leistungsfähiger und kräftiger zu machen. Denn nur wer gute
Pferde hatte konnte damals im Krieg mithalten. Der Krieg brachte Ruhm und Tod,
jahrhundertelang diente er als Quelle künstlerischer Inspiration und weil das
Pferd damals ein wichtiger Bestandteil der Kriegsausrüstung war, gibt es nur
wenige Gemälde aus dieser Zeit, auf denen kein Pferd zu sehen ist.
Schnelligkeit, Tapferkeit und Wendigkeit
des Pferdes waren für den Menschen überlebenswichtig.

Bis zum 17. Jahrhundert tauchte das Pferd in der Kunst
fast ausschliesslich als Begleiter des Menschen auf. Der Umschwung zeigte sich
zunächst in den Niederlanden, als die Tiermalerei als eigenes Genre anerkannt
wurde. Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd war nun mehr eine
verständnisvolle, gleichberechtigte Beziehung. Der Künstler George Stubbs
(1724- 1806) widmete einen Grossteil seines Lebens der Pferdemalerei. In seinen
Bildern spielte das Pferd selbst die Hauptrolle. Mensch und Szenerie spielten
ihm gegenüber eine untergeordnete Rolle. Er erfüllte den Begriff der
Pferdemalerei mit einer neuen Bedeutung. Naturalismus und Idealismus gehen bei
Stubbs fliessend ineinander über. Im Gegensatz zu Stubbs begannen Ende seiner
Laufbahn zwei französische Künstler, Théodore Géricault und Eugène Delacroix,
Pferde voller Feuer, Leidenschaft und Freiheit zu malen. Ihre Bilder erweckten
den Geist und die Dynamik der gemalten Pferde zu neuem Leben und sollten
Emotionen hervorrufen.

Das Verhältnis zwischen Mensch und Pferd hat sich im
Laufe der Jahre immer wieder geändert, verschoben und entwickelt. Was sich
jedoch in der ganzen Zeit nicht verändert hat, ist das unbestreitbare Wesen des
Pferdes, welches die Menschen und somit auch die Künstler so fasziniert hat.


Von allen Tieren ist das Pferd dasjenige, das die
tiefsten Auswirkungen auf die menschliche Entwicklung und Kultur hatte. Mit der
Zeit entstand zwischen Mensch und Pferd eine Dynamik aus der sich eine tiefe
Freundschaft entwickelte, die von unzähligen Künstlern festgehalten wurde.
Pferde sind ein solch wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebens, dass
sie uns, obwohl sie heute nicht mehr lebensnotwendig sind, weiter begleiten.

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