Das Pferd im Strassenverkehr

Letzte Woche hatte ich mal wieder ein „tolles“ Erlebnis im Strassenverkehr mit meinem Grossen: Es regnete und ich habe mich entschlossen am Nachmittag rauf in den Wald reiten zu gehen. Um in den Wald zu gelangen muss ich ca. 50 m auf einer Nebenstrasse mit Geschwindigkeitsbeschränkung 60 km/h reiten. Da es wie schon gesagt regnete, machte ich dem auf mich zu fahrenden Auto ein Handzeichen, dass es etwas verlangsam soll, da Bänzu je nach Laune etwas schreckhaft aufs Spritzen der Reifen reagiert. Der Autofahrer verlangsamte, ich bedankte mich und Bänzu blieb ganz ruhig. Von weit her sah ich erneut ein Auto auf mich zu fahren, in ziemlich hoher Geschindigkeit… wiederum machte das Handzeichen zum verlangsamen – doch nichts geschah: das Auto raste in vollem Tempo neben mir durch und wie wenn das noch nicht genug wäre zeigte mir die (mir unbekannte) Autofahrerin den Mittelfinger! HALLO?? Bin ich im falschen Film? Zum guten Glück hatte mein Grosser sich mehr oder weniger ruhig verhalten! Geistesgegenwärtig merkte ich mir die Autonummer und sah, dass die Fahrerin ins Nachbardorf fuhr. Der Zufall wollte es, dass ich beim nach Hause reiten durch dieses Dorf ritt und auch sah wo das Auto parkiert war. Als ich zurück im Stall war rief ich die Polizei an. Einige mögen ja denken das sei übertrieben, jedoch ist es nicht das erste Mal, dass uns Fahrzeuge ohne Rücksicht in einem Affenzahn überholen und es ist auch schon passiert, dass es unsere Pferde nicht so toll fanden und sich dementsprechend äusserten.

Ich frage mich einfach was in dem Moment in den Köpfen der Autofahrer los ist? Ich meine, es war übersichtlich auf dieser Strasse und ein es gilt doch, sobald man sich mit dem Pferd in den Strassenverkehr begibt, egal ob Sie das Pferd an der Hand führen, es reiten oder vor eine Kutsche spannen, ist man den  übrigen Verkehrsteilnehmern gleichgestellt und es gelten die üblichen Verkehrsregeln. Für uns Reiter wie auch die anderen Verkehrsteilnehmer.

Die Polizei meinte dann ich könne entweder eine Anzeige erstatten oder versuchen mit der Frau zu sprechen, da ich ja schon wisse wo sie wohnt. Ich entschied mich dann für die zweite Variante.

Also fuhr ich, nach dem mein Pferdchen versorgt war, ins Nachbardorf und klingelte an der besagten Haustür. Die erwähnte Frau öffnete mir die Tür. Wohlgemerkt Mutter zweier kleiner Kinder, welche zu dem Zeitpunkt auch im Auto sassen. Ich fragte nach, ob sie eben ein Pferd gekreuzt habe auf der Strasse und nicht nur nicht auf die Zeichen der Reiterin geachtet habe, sondern auch noch Gas gegeben habe und den Stinkefinger gezeigt. Sie bejahte. Ich fragte natürlich wieso, denn ich war mir ja keiner Schuld bewusst. Zuerst konnte sie mir auch nicht sagen wieso. Ich machte Ihr deutlich, dass Sie mit einem solchen Verhalten ja nicht nur mich und mein Pferd gefährdet, sondern auch sich selbst und geschweige denn ihre Kinder! In der Schweiz werden rund 3500 Unfälle durch Pferde verursacht, die Hälfte davon passieren beim Ausreiten. Nach ca. 15 min Diskussion hat sie sich dann doch noch entschuldigt und meiner Meinung nach hat die gnädige Frau auch begriffen, dass das Pferd ein Fluchttier ist und nun halt mal Angst hat vor Dingen die es nicht kennt und immer mit Flucht reagieren wird – und so halt auch mal vor ein Auto springen kann und nicht nur vom Auto weg.

Der Frust dieser Frau gegen uns Reiter war jedoch nicht etwa, das Pferd im Strassenverkehr als solches, jedoch hat sie ein Problem mit Reitern, die bei ihrem Hof vorbei reiten und die Pferdeäpfel des in diesem Moment mistenden Pferdes einfach mir nichts, dir nichts liegenlassen. Diesen Unmut kann ich verstehen. Das habe ich Ihr auch gesagt und zu spüren gegeben. Ich habe ihr dann auch von der Reiter Interessen Gemeinschaft, welcher unser Reitverein angehört erzählt und ihr die 10 Gebote der Reiter erklärt, besonders den Punkt 3:

1. Feld und Wald sind weder Arbeitsplatz noch Übungsparcours.

2. Respektiere das Privateigentum. Reite nicht durch Kulturland oder quer durch Jungwuchs und Wald.

3. Benütze Wege und Strassen und passe die Gangart den Verhältnissen an. Halte Trottoirs und Quartierstrassen sauber (nach dem Ausritt reinigen)

4. Lege keine neuen Wege und Pisten an.

5. Meide nasse und sumpfige Wege.

6. Helfe mit, dass die Wege für alle benutzbar bleiben.

7. Schone neu angelegte oder frisch überkieste Wald- und Flurwege. Meide sie und verhindere damit Reitverbote.

8. Gib oder lass auf Wanderwegen, soweit diese nicht mit öffentlichen Fahrstrassen identisch sind, dem Wanderer den Vortritt. Vita-Parcours, Lehrpfade und Rückgassen dürfen nicht beritten werden.

9. Reite in allen Gangarten ruhig und überlegt.

10. Reite wie ein Kavalier, sei stets freundlich und zuvorkommend.

Denn ob dein Verein, nur Du, oder weder noch dieser Reiter Interessen Gemeinschaft angehört, ist es in meinen Augen eine Frage des Anstandes, deine „Spuren“ auf einer Quartiersstrasse oder dem Trottoire zu bereinigen.

fnch-ch Bildquelle: www.fnch.ch

Reitgebiete ohne Strassen

Leider gibt es in der Schweiz nicht viele Reitgebiete in denen ausschliesslich auf Feld- und Waldwegen geritten werden kann. Wir werden folge dessen immer wieder anderen Verkehrsteilnehmern begegnen oder Strassen müssen überquert werden. Aber auch auf Feldwegen können wir Traktoren etc. begegnen. Wir Reiter müssen uns solchen Situationen also bewusst und vorbereitet sein. Gem. Artikel 51 der Schweizer Verkehrsregelnverordnung VRV heisst es nämlich: «Auf Strassen mit starkem Verkehr dürfen nur geübte Reiter und nur auf verkehrsgewohnten Tieren reiten.»

 

Doch wie wird dein Pferd Verkehrssicher?

Im Idealfall kennt dein Pferd Traktore und und andere Fahrzeuge seit Fohlenalter, da diese in den meisten Reitställen oder Bauernhöfen unterwegs sind. An der Seite seiner Mutter fühlt es sich sicher und kennt und gewöhnt sich dadurch an den Traktor der scheppernd den Mist wegfährt und die Autos die dort rum fahren. Sobald sich das junge Pferd in seiner vertrauten Umgebung an solche Geräusche gewohnt hat, kann man sich mal in die Nähre einer befahrenen Strasse wagen. Am Besten in Begleitung eines verkehrssicheren und zuverlässigen Pferdes, welches dem Jungen Sicherheit gibt und natürlich ist ein Sonntagmorgen vorteilhafter als ein Dienstagabend im Feierabendverkehr! Mit vermehrten, positiven Erlebnissen, sollte dein Pferd sich an die Situation im Strassenverkehr gewöhnen. Auch ein älteres Pferd kann genau gleich an den Verkehr gewöhnt werden.

Regeln im Strassenverkehr

Wie bereits weiter oben erklärt, sind wir als Reiter aber auch als Gespannfahrer im Strassenverkehr dem Auto gleichgestellt. Das bedeutet, wir müssen die Verkehrsschilder und Regeln, sowie die Gebote und Verbote kennen: korrekt Einspuren, zurückblicken, Handzeichen geben, Rücksicht nehmen etc. das muss alles Respektiert und Eingehalten werden. Natürlich gilt auch für die Reiter und Gespannfahrer die 0.5 Promille Grenze. Einzig das „allgemeine Fahrverbot“ gilt für uns nicht. Geritten werden muss am rechten Strassenrand, ausser ein einzelnes Pferd darf in steilen Berggebieten links geritten werden, wenn es dort für Mensch und Tier sicherer ist. Das Trottoire ist den Fussgängern und der Fahrradweg den Fahrrädern vorbehalten. Dort darf nicht geritten werden. In einer brenzligen Situation ist es jedoch bestimmt ok, wenn Du mit deinem Pferd auf diese Wege ausweichst. Achte einfach darauf, dass keine Fussgänger oder Fahrradfahrer durch Dein Manöver gefährdet werden! Auf Fahrradwegen mir gelber Markierung darf geritten werden wenn kein Radfahrer dadurch behindert wird.

Seid ihr in einer grösseren Gruppe unterwegs, dann könnt ihr ab mindestens sechs Pferden zu zweit nebeneinander geritten werden. Pro Reiter darf auf der Strasse höchstens ein Handpferd mitgeführt werden.

Wenn es einnachtet, bereits Finster ist oder die Witterung es erfordert, solltest Du Dein Pferd und Dich mit Leuchtsachen und / oder reflektierenden Bändern und Gamaschen gut sichtbar machen. Gemäss Gesetzt muss Du mindestens die linke Seite gut sichtbar machen, beim Pferd also die vorderen und hinteren Beine!

Natürlich kann es auch zu Unfällen im Strassenverkehr kommen, wenn sich der Reiter und das Pferd richtig verhalten.

 

Fazit: Die gegenseitige Rücksichtnahme ist das A und O im Strassenverkehr sowie auf Feldwegen und im Wald. Je nach Situation wird auch das gelassenste Pferd sich Erschrecken und wegen einer durchfahrenen Pfütze oder einem zu nahe vorbeifahrenden Auto in Angst und Schrecken geraten. Naturgemäss ist und bleibt das Pferd ein Fluchttier und wird als erstes versuchen der vermeintlichen Gefahr zu entkommen. Ein in Panik geratenes Pferd das durchbrennt, sieht weder rechts noch links – das kann zu schlimmen Unfällen führen.

Durch mein Gespräch mit der oben genannten Frau wurde mir einmal mehr klar, dass Menschen die nichts mit Pferden zu tun haben und dessen Wesen nicht kennen, sicher der allfälligen Reaktion und dadurch entstehenden Gefahr gar nicht bewusst sind. Deshalb hier nochmals für alle „Auto fahrenden – nicht Pferde Kenner“ die grosse Bitte: in der Nähe von Pferden das Tempo verringern, Pferde stets mit so viel Abstand wie möglich überholen, bei Gegenverkehr genügend Abstand hinter dem Pferd halten und erst überholen, wenn das gefahrlos möglich ist.

 

Der Schweizerische Verband für Pferdesport hat übrigens zu diesem Thema eine super Broschüre publiziert, welche unter folgendem Link herunter geladen werden kann:

http://www.fnch.ch/Htdocs/Files/v/7098.pdf/Pferd/Publikationen/kampagne_verkehr_svps_d.pdf

 

 

Was sind Deine Erfahrungen im Strassenverkehr mit den Pferden? Hast Du allenfalls Tipps, wie man das Pferd auf der Strasse noch zuverlässiger machen kann? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

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(1) Kommentare

  • Schneeräumungsfahrzeuge

    Hallo.
    Hatte gerade gestern ein Erlebnis mit einem Schneeräumungsfahrzeug. Ich bin gestern Abend nach dem Eindunklen ausgeritten. Auch bei uns, musste ich erst ca. 150 m an einer Strasse entlangreiten, damit ich in den nächstgelegenen Wald komme. Da es eine 80er Strecke ist ohne Strassenbeleuchtung aber mit Trottoir erlaube ich es mir dort jeweils auf dem Gehweg zu reiten, solange kein Fussgänger auf selbigem läuft. Pferd und Reiter sind beide mit viel reflektierendem Material ausgerüstet gewesen und zudem habe ich noch eine Stirnlampe dabei. Also übersehen kann man uns nicht.
    Nach kurzer Zeit, vielleicht 20 m vom Stall entfernt, ist von hinten ein grosses Schneeräumungsfahrzeug angefahren gekommen. Als er auf gleicher Höhe wie mein Pferd war, muss er wohl die Schaufel gesenkt haben und mein Pferd hat sich erschrocken und ist nach rechts weg von der Strasse in die Wiese gesprungen. Nur einen Hüpfer dann stand er still und ich konnte normal weiterreiten. Kurz bevor wir den Wald erreicht haben, kommt uns das gleiche Fahrzeug wieder entgegen und auch wieder auf der gleichen Höhe mit dem Pferd, hat er die Schaufel gesenkt und das Pferd hat sich wieder erschreckt und ist wieder zur Wiese gesprungen. An und für sich keine grosse Gefahr, aber bei einem schreckhafteren Pferd, hätte es schlimm ausgehen können. Was denken sich solche Verkehrsteilnehmer nur dabei, wahrscheinlich absichtlich ein Pferd zu erschrecken?

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