Das ideale Springpferd - Riese oder Zwerg?

Im Allgemeinen gilt bei Springpferden, auf die Grösse kommt es nicht an. Andere Faktoren wie Vermögen, Einstellung und korrekter Körperbau sind wichtiger als ein paar cm mehr oder weniger. Trotzdem haben sowohl die kleinen, kompakten als auch die grossen, bewegungsstarken Pferde ihre Vor- und Nachteile. Und natürlich hat auch jeder Reiter andere Vorlieben, oft sieht man, dass Reiter über Jahre hinweg ihrem Typ Pferd treu bleiben.

Der Riese, seine Vorteile, seine Probleme und ein Beispiel 

Alles fängt an mit der Ausbildung. Wie ich es schon in meinem Bericht zum Alter für den Einstieg in den Sport beschrieben habe, brauchen grosse Pferde meistens etwas mehr Zeit zum sich entwickeln. Ihre Ausbildung geht oft etwas langsamer, dementsprechend kommen sie dann auch etwas später in den Sport. Dass dieser Umstand kein Nachteil sein muss ist klar, er erfordert einfach etwas Geduld von Seiten des Besitzers / Reiters.
Ist dann der Riese mit seinen grossen Grundgangarten erst mal im Parcours unterwegs ist es wichtig, dass viel Wert auf die Dressurarbeit und die Rittigkeit gelegt wird. Denn so angenehm ein grosser Galoppsprung auch ist und so viel Boden man damit gutmachen kann, so wichtig ist es auch, dass sich dieser verkürzen lässt. Je höher das Niveau umso technischer werden die Parcours, das heisst es kommt vor, dass nach einem Hochweitsprung wie einer Trippelbarre in einer kurzen Distanz ein luftiger Steilsprung steht. Lässt sich da der Galoppsprung nicht verkürzen ist der Fehler vorprogrammiert. In schnellen Springen ist man mit einem sehr grossen Pferd oft etwas im Nachteil weil diese, natürlich mit Ausnahmen, weniger wendig sind als ihre kompakteren Konkurrenten. Das heisst man verliert wichtige Hundertstelsekunden, weil man eine enge Wendung gar nicht oder nur mit starkem Aufnehmen reiten kann. Dafür hat man wie schon erwähnt dann wiederum auf den Geraden die Nase vorn oder kann sogar in gewissen Distanzen einen Galoppsprung weniger reiten.
Gerade für etwas weniger mutige Reiter sind grosse Pferde manchmal hilfreich, weil sich einfach die Sprünge weniger hoch anfühlen.
Ein berühmtes Beispiel für einen Riesen im Parcours ist natürlich Willi Melligers Calvaro. Er mass 185 cm und überragte somit sowohl seinen Reiter als auch die Sprünge um einige Zentimeter. Calvaro war sicher kein Speedpferd, dennoch gelang es seinem Reiter einige Springen mit ihm zu gewinnen.

Der Zwerg, seine Vorteile, seine Probleme und ein (oder zwei) Beispiel(e)

Als Zwerge im Parcours bezeichne ich Pferde mit einem Stockmass unter 160 cm. Natürlich zählen da auch Ponys dazu, da von ihnen aber nur wenige Spitzenvertreter in Prüfungen über 120 cm anzutreffen sind, dreht sich mein Text hauptsächlich um kleine Pferde.  Diese haben es tendenziell in der Ausbildung zum Springpferd einfacher, da sie ihren Körper und ihr Gleichgewicht schneller unter Kontrolle bringen können als die Riesen. Es fällt ihnen auch leichter enge Wendungen ohne Schwungverlust zu galoppieren. Wo sie ihre Probleme bekommen sind hauptsächlich Kombinationen und kurzen Distanzen mit einer etwas weiteren Abmessung. Denn wo sie sich bei Distanzen mit fünf oder mehr Galoppsprüngen noch mit einem Galoppsprung mehr helfen können, müssen sie sich bei kürzeren Sprungfolgen doch schon etwas strecken um passend an den Aussprung heran zu kommen. Dies soll jedoch nicht verallgemeinert klingen,  in der heutigen Springpferdezucht wird viel Wert auf eine gute Galoppade gelegt, so dass auch kleinere Pferde welche genügend Temperament und Durchlässigkeit haben kaum mehr Mühe mit weiteren Distanzen zeigen.
Ein Extrembeispiel für ein kleines Springpferd, das noch nicht mal aus einer hochgezüchteten Linie stammt war Jappeloup de Luze. Der 158 cm kleine Wallach dessen Vater ein Traber war wurde mit seinem Reiter Pierre Durand trotz seiner geringen Grösse  1987 Europameister und 1988 sogar Olympiasieger.
Ein aktuelles Beispiel für ein Top Pferd auch höchstem Niveau mit kleinster Körpergrösse ist der inzwischen 18 jährige Cevo Itot du Château unter dem Sattel von Edwina Tops Alexander. Er misst ganze 156 cm und ist somit kleiner als die Sprünge die er mit Leichtigkeit überwindet.

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