Das grosse Hamburger Springderby

Der CSIO St. Gallen ist in vollem Gange, die Schweizer Topreiter sind am Start und auch viele begeisterte Zuschauer vor Ort und am TV. Auch ich hätte natürlich in der einen oder anderen Weise den Grossen Preis geschaut, würde da nicht auch noch zur selben Zeit das grosse Hamburger Springderby live gezeigt. Meine Entscheidung  fiel aber für das spektakuläre Derby. Der grosse Derbywall, das Puvermanns Grab und die Bahnschranken, das gibt es nur einmal im Jahr in Hamburg. Seit bald 100 Jahren, nämlich seit 1920 mit einer kurzen Unterbrechung während des zweiten Weltkriegs wird es mit praktisch unveränderter Linienführung durchgeführt.

Eduard Pulvermann
Er war begeisterter Jagdreiter, der Erfinder und Erbauer des Derbyparcours und Namensgeber des berühmt-berüchtigten Pulvermanns Grab. Auch wenn sich die Gerüchte hartnäckig halten, er ist weder an diesem Sprung zu Tode gestürzt, noch liegt er darunter begraben. Sein Leben nahm ein sehr viel weniger „romantisches“ Ende als in seinem eigenen Derbyparcours, nämlich in einem Gefängnislazarett eines KZ der Gestapo, in dem er zuvor praktisch zu Tode misshandelt wurde.
Zu Lebzeiten nahm er so oft wie möglich an seinem Springderby teil, immer mit der Startnummer eins. Der Sieg gelang ihm leider in all den Jahren nie, immer fiel die Stange an Sprung 14, welcher daraufhin den Namen Pulvermanns Grab erhielt.

Der Derbyparcours
Auch dieses Jahr, bei der 85. Austragung des grossen Deutschen Springderbys in Hamburg ist die Linienführung die selbe wie bei seiner Premiere 1920. Einzig die Höhe und Beschaffenheit der Sprünge wurde den modernen Sicherheits-ansprüchen angepasst. So sind zum Beispiel die Hindernisständer der weissen Planke nach dem grossen Wall kippbar, damit die Verletzungsgefahr möglichst gering gehalten wird. 
Auf 1230 m gibt es 17 Hindernisse, davon fünf zwei- bis vierfache Kombinationen zu überwinden. Keine technischen Anforderungen,  dafür Sprünge, welche die Pferde sonst kaum je zu sehen bekommen. Am bekanntesten sind natürlich der grosse Derbywall mit der hohen Planke in der dichten Distanz am Fusse des Abrutsches und das Pulvermanns Grab. Nicht zu unterschätzen sind aber auch die Bahnschranken, eine Kombination aus zwei einzelnen Stangen ohne Fuss und darum äusserst schwierig zu taxieren. Auch der Buschoxer kann Probleme bereiten, weil die Pferde trotz Entschärfung des Sprungs durch das Zurückschneiden des Busches manchmal denken es handle sich auch um einen Wall und zwischen den Stangen abfussen wollen.

Etwas Geschichte
Der erste Sieger des Hamburger Derbys 1920 hiess Paul Heil, er belegte auch sogleich die Ränge zwei und drei. Den ersten fehlerfreien Ritt gab es erst 13 Jahre später durch Harald Momm. Ein Jahr später waren das erste Mal auch Frauen startberechtigt und sogleich siegte die Reiterin Irmgard von Opel.
Der Rekordsieger heisst Nelson Pessoa, er konnte das Springderby sieben Mal gewinnen, drei Mal davon im Sattel von Vivaldi. Nur noch zwei andere Pferde konnten auch drei Siege am Derby verbuchen, zum einen Toni Hassmanns Collin, sowie Andre Thiemes Nacord.
Ebenfalls in die Geschichte ein gingen die Sieger von 2013, Gilbert Tillmann auf dem 19 Jahre alten, ehemaligen Schulpferd Hello Max, den er nach diesem grossen Sieg aus dem Sport verabschiedete.

Derby 2014
Viele Reiter haben auch dieses Jahr das Ziel des Hamburger Springderbys gar nicht erreicht, einige Stürze und diverse Verweigerungen haben sie ausgebremst. Es gab jedoch auch viele schöne Bilder, Reiter die trotz Fehler glücklich und zufrieden mit ihren Pferden waren. Einzig zwei fehlerfreie Ritte gab es zu sehen, der Derbysieger 2012 Nisse Lüneburg mit Calle Cool war einer davon. Er musste im Stechen gegen Andre Plath mit Cosmic Blue (ihm gelang der 150. Fehlerfreie Ritt in der Geschichte des Derbys) antreten. Als erster im Stechen konnte er mit einer Nullfehlerrunde vorlegen und sicherte sich somit seinen zweiten Sieg im grossen Deutschen Springderby, denn sein Konkurrent scheiterte schon früh im Stechparcours am Weidegatter. Der 17 Jahre alte Wallach Calle Cool war auch schon zwei Jahre zuvor sein Siegerpferd und überzeugte mit viel Einstellung und Übersicht. Auf Rang drei klassierte sich mit dem schnellsten Ritt mit einem Abwurf der frühere Reiter Calle Cools, Carsten Otto Nagel auf  Lex Lugar.

 

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