Das ABC des Longierens Teil 1

Wie und warum longieren wir unsere Pferde und auf welche Art und Weise ist es auch effizient?

Ich versuche euch etwas Licht ins Dunkle zu bringen und hoffe, ich kann euch durch mein Wissen und meine Erfahrungen weiter helfen.

Wieso longieren wir unsere Pferde überhaupt? Aus meiner Sicht ist das Longieren eine gute Abwechslung im alltäglichen Training für Reiter und Pferd. Das Pferd kann einmal ohne Reiter laufen und der Reiter kann sein Pferd vom Boden aus beobachten und arbeiten.

Arbeiten oder Bewegen? Das ist ein riesen Unterschied und nur wenige beherrschen das Arbeiten an der Longe so richtig.

Für mich kann man ein Pferd an der Longe nur arbeiten mit Zaum, Longiergurt oder Sattel und ausgebunden. Häufig sieht man, dass die Pferde am Halfter ohne Ausbinder longiert werden. Dies kann zum Bewegen ab und zu gemacht werden, ist aber sicher nicht zum Arbeiten gedacht. Dazu kommt, dass das Halfter verrutscht und in die Augen kommen kann.

Was benötige ich also für Material um ein Pferd anständig an der Longe arbeiten zu können.

Als erstes ein Trensenzaum, ev. Kappzaum, Bandagen oder Gamaschen, Longiergurt oder einfach mit dem Sattel und einen Ausbindezügel. Weiter braucht ihr eine Longe, Longierpeitsche, Handschuhe und gutes Schuhwerk. Natürlich braucht ihr auch einen Platz, Longierzirkel oder eine ebene Weide.

Wieso Handschuhe und gutes Schuhwerk? Die Handschuhe sind sehr wichtig um Verletzungen vorzubeugen. Gerade mit den Nylonlongen gibt es böse Brandverletzungen, wenn so eine durch die Hand gerissen wird. Ihr habt auch mit Handschuhen besseren Halt der Longe. Die Schuhe sind wichtig damit ihr einen guten Stand und somit auch Halt habt. Viele Pferde haben Freude, wenn sie an der Longe ohne Reiter laufen dürfen. Daher kann es auch vorkommen, dass sie Bocken oder versuchen auszubrechen. Da müsst ihr schon gegenhalten können, wenn so 600 kg los bocken.

Zum longieren könnt ihr den herkömmlichen Zaum nehmen wie zum Reiten. Wen es geht die Zügel abnehmen, ansonsten können diese eingedreht und mit dem Kehlriemen befestigt werden. Wichtig ist es die Beine zu schützen, wie auch beim Reiten. Ob Bandagen oder Gamaschen spielt keine Rolle. Ideal ist es natürlich nun wenn ihr einen Longiergurt habt. Dieser bietet euch mehr Möglichkeiten bezüglich dem Verschalen der Ausbinder. Ihr könnt aber auch ganz normal den Sattel benützen den ihr immer gebraucht.

Jetzt sind der Longenführer und das Pferd parat. Nun stellt sich die Frage, welchen Ausbindezügel verwende ich am beste? Da gibt es eine grosse Palette an Ausbindezügel im Angebot. Sei dies ein Ausbinder, Dreieckszügel, Laufferzügel, Gummi oder Halsverlängerer, Gogue, Chambon, Longierhilfe. Aber welchen Ausbindezügel nehme ich nun?

Ich gehe nun die verschiedenen Ausbindezügel durch und versuche euch aufzuzeigen, wie der Gebrauch und die Wirkung sind und sie genau verschalt werden.

Der Klassiker ist der ganz normale Ausbinder:
Einfach zu verschalen und einzustellen, ideal für die Seitliche Begrenzung. Guter Ausbindezügel für junge Pferde. Für Pferde zum Arbeiten etwas starr und in der Höhenverstellung begrenzt. Der Ausbinder wird am Sattelgurt oder an den mittleren Ringen vom Longiergurt eingeschlauft und mit den Hacken am Trensenring befestigt. Beim Einschlaufen am Sattel beachten, dass sie oberhalb der Schabrackengurtschlaufe befestigt werden, damit die Ausbinder nicht nach Unten rutschen können. Die Ideallänge könnt ihr einstellen, indem ihr euch vor das Pferd stellt, die Trensenringe haltet und den Kopf nach vorne ziehen bis die Ausbinder gespannt sind. Dann spürt ihr als erstes ob sie gleich lang sind und die Nase des Pferdes leicht über, bis an die Senkrechte kommt. Zu Beginn des Longierens die Ausbinder eher etwas länger lassen und im Verlauf der Arbeit gleichmässig verkürzen. Zu Ende wieder länger Machen. Also von Lang zu Kurz und wieder zu Lang.

Laufferzügel und Dreieckszügel:
In der Vorwärtsabwärts Einstellung ist bei diesen beiden Ausbindezügel eigentlich alles gleich, ausser dass der Laufferzügel aus Zwei- und der Dreickszügel aus Einem- Teil besteht. Ich finde diese beiden Hilfszügel ideal, da sie viele Möglichkeiten bieten. Für die Vorwärtsabwärts Einstellung sprechen wir vom unteren Dreieck. Beim Laufferzügel gibt es ebenfalls die Möglichkeit diese ins obere Dreieck einzuhängen für die Aufrichtung. Weiter haben wir bei beiden Ausbindezügel die seitliche Begrenzung. Sie sind beweglich und meiner Meinung nach auch einfach anzubringen und einzustellen. Das untere Dreieck wird wie ein Martingal unten ab Gurt eingeschlauft, zwischen den Vorderbeinen nach Vorne, durch die Trensenringen wieder nach hinten, seitlich an den Longier oder Sattelgurt. Beim Sattelgurt auch wieder darauf achten, dass sie gut verschalt sind und nicht nach unten rutschen können. Einstellen wie beim Ausbinder, indem ihr euch vor das Pferd stellt. Für das obere Dreieck, schlauft ihr die Laufferzügel seitlich am Longiergurt ein, nach vorne durch die Trensenringe und zurück nach Oben zum Widerrist und dort in die oberen Ringe des Longiergurtes. Hierfür braucht ihr einen Longiertgurt.

Gummi oder Halsverlängerer:
Der Gummi wie er im Volksmund genannt wird ist zum Longieren weniger geeignet. Ganz einfach er ist ein wenig zu gummig. Seitliche Begrenzung gibt es auch keine. Der Gummi ist jedoch auch gut Höhenverstellbar. Kann nach unten zwischen den Vorderbeinen oder Seitlich am Gurt befestigt werden. Zum Reiten Top zum longieren Flop. (Meine Meinung)

Das Gogue:
Eine gute Sache für Pferde die sich gewohnt sind an der Longe zu laufen und keine seitliche Begrenzung mehr brauchen. Oder ihr habt einen Longierzirkel welches die seitliche Begrenzung ersetzt oder übernimmt. Ich selber bin zwar gar kein Fan von einem abgesteckten Zirkel zum longiere. Dazu aber später mehr. Das Gogue ist schon etwas komplizierter einzuhängen, wenn man es noch nie gemacht hat. Dieses wird unten am Gurt eingeschlauft und geht zwischen den Vorderbeinen nach Oben. Auf beiden Seiten laufen die Seile durch die rollen am Genick, welche mit einem Lederband am Genick befestigt werden. Von da durch die Trensenringe und wieder Zurück an das Lederstück das am Gurt befestigt wird.

Das Chambon:
Meiner Meinung nach weniger geeignet zum Longieren. Das Chambon ist ähnlich aufgebaut wie das Gogue. Es ist einfach nicht gleitend und wir über die Genickrollen direkt in den Trensenringen eingehängt. Diesbezüglich ist die Nickbewegung im Galopp gestört oder besser nicht mehr gewährleistet und daher nur für den Schritt und Trab zu empfehlen.

Die Longierhilfe:
Eine einfache, günstige und gute Sache, die auch schnell selber gemacht werden kann. Die Longierhilfe ist eigentlich einfach ein langes weiches Seil mit Baumwollüberzug, welches verstellbar ist. Dafür braucht ihr nicht einmal einen Longiergurt oder Sattel. Das Seil wir über den Rücken gelegt, zwischen den Vorderbeinen durch und in den Trensenringen eingehängt. Keine seitliche Begrenzung und ein kleiner Nachteil ist, dass sich das Seil mit der Vorderhandbewegung mitbewegt. Dies gibt die gleiche Bewegung in Maul also durch die Trense. Ansonsten finde ich dies eine tolle Sache um erfahrene, ausbalancierte Pferde einfach in die Tiefe zu longieren. Behelfsmässig könnt ihr auch einfach zwei dicke, weiche Führstricke zusammenknoten. Wichtig es muss ein Seil sein, welches nicht scheuert und die Pferde verletzten könnte.

Ich denke, dies sind so die häufigsten und gängigsten Ausbindezügel.

In Teil 2 erfahrt ihr mehr über die Handhabung von Longe und Peitsche und wie ihr effizient ein Pferd an der Longe arbeiten könnt.

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