CSI Zürich 2016 – ein Besucherbericht

Die Hindernisse wurden abgebaut und der Sand vom Boden des Hallenstadions entfernt. Ja, er ist bereits wieder Geschichte, der Mercedes-Benz CSI Zürich im Jahr 2016. Obschon ich selbst eigentlich nicht im Springsport zu Hause bin, komme ich bereits seit vielen Jahren regelmässig im Januar nach Zürich, um dieses grosse Turnier zu besuchen. Auch in diesem Jahr war ich wieder Samstags und Sonntags anwesend, um die Weltspitze des Springsports live zu erleben. Zeit also, so dachte ich mir, um mal ein Fazit zu ziehen und das diesjährige Turnier etwas genauer zu beleuchten. Ich wünsche euch viel Spass beim Lesen!

CSI

 

Die Prüfungen

Fangen wir gleich mit dem an, was den CSI Zürich ja letzten Endes ausmacht – den Springprüfungen. Zunächst muss ich den Veranstaltern hier ein grosses Kompliment aussprechen, denn wie in eigentlich jedem Jahr gingen ausnahmelos alle Prüfungen reibungslos über die Bühne, und abgesehen vom Familienspringen am Samstag, das auf Grund einer technischen Schwierigkeit vor der Show etwas nach hinten verschoben werden musste, wurde mit jeder Prüfung pünktlich begonnen.
Auch in diesem Jahr waren wieder Reiter verschiedenster Nationen am Start, was für buntgemischte und spannende Teilnehmerfelder sorgte. Besonders positiv ist mir in diesem Jahr aufgefallen, dass das Familienspringen wesentlich sturzfreier und mit deutlich weniger Verweigerungen über die Bühne ging, als im letzten Jahr. Im Knock Out am Samstagabend gingen dieses Jahr besonders viele junge Reiter an den Start, was für mein Empfinden einiges dazu beitrug, dieser Prüfung wieder mehr „Pfiff“ zu geben. Den Höhepunkt der Veranstaltung stellte selbstverständlich wieder der Grand Prix am Sonntagnachmittag dar. Mir gefiel der dafür aufgestellte Parcours sehr gut, und die Tatsache, dass am Ende neun Reiter mit Nullfehlerritten ins Stechen kamen zeigt wohl, dass er vom Schwierigkeitsgrad her genau richtig war. In den letzten Jahren kam es nämlich immer mal wieder vor, dass das Startfeld im Stechen auf Grund der Tatsache, dass nur noch die Nuller ins Stechen kommen, ziemlich mickrig ausfiel. Hierzu muss ich allerdings sagen, dass ich immer noch nicht ganz verstehe, weshalb man von der vorherigen Regelung, zehn Reiter oder, sollten es mehr sein, alle Nuller mit ins Stechen zu nehmen, abgekommen ist. Damit hatte man sicher immer genug Reiter im Stechen und es war ein Anreiz für die Reiter, trotz einem Abwurf noch zu versuchen, eine saubere und schnelle Runde zu reiten.
Der Sieg von Pius Schwizer im Grand Prix stellte für das Schweizer Publikum natürlich einen schönen Abschluss der Veranstaltung dar. Die Tatsache, dass er auch noch der letzte Reiter und somit direkt nach seinem Ritt auch schon definitiver Sieger war, tat ihr übriges für die Stimmung.
Alles in allem gefällt mir besonders, dass am CSI in Zürich eine grosse Vielfalt an verschiedenen Springprüfungen gezeigt wird – vom Zeit- bis hin zum Equipenspringen ist alles dabei.

 

Die Expo

Dass die Expo in diesem Jahr mit der Fespo zusammenfiel, hatte zwar den schönen Nebeneffekt, dass man als CSI Besucherin auch gleich noch einen Abstecher an die Fespo machen konnte, sorgte aber natürlich auch dafür, dass sich im Messe Gebäude noch mehr Leute tummelten, als das am CSI ohnehin schon immer der Fall ist. Mir geht es mit der Expo in Zürich irgendwie jedes Jahr gleich: Ich freue mich darauf und überlege, was ich alles kaufen könnte, aber kaum stehe ich mitten im Gewühle, so würde ich die Expo am liebsten fluchtartig sofort wieder verlassen. Das tue ich aber natürlich nicht, sondern kämpfe mich mindestens einmal durch jeden Stand – wer weiss, ob nicht noch der ein oder andere Schatz auf einen wartet?
Das mit den Schätzen ist allerdings auch immer so eine Sache... Zwar finde ich es prinzipiell toll, dass die Aussteller auch „Restposten“ und somit stark reduzierte Ware mitbringen, andererseits ist die Chance, etwas in der passenden Grösse zu finden, äusserst gering, wenn zum Beispiel von jeder Jacke nur genau eine und somit auch nur eine einzige Grösse vorhanden ist. Hat man Glück, so kann man tolle Schnäppchen machen, hat man Pech, so findet man gar nichts. Mich hat in diesem Jahr wohl der „Schabracken-Fluch“ erwischt. Ausnahmelos jede Schabracke, die mir gut gefiel, gab es nämlich zum Springen, aber eben nur dafür. Am Ende war ich kurz davor, mir einen Springsattel zu kaufen, nur damit ich die passenden Schabracken kaufen könnte. Zum Glück hat mein Verstand aber zumindest noch so weit funktioniert, dass ich früh genug erkannt habe, dass die Umsetzung dieser Idee mir wohl postwendend eine Einlieferung in die Entzugsklinik für Schabracken-Süchtige beschert hätte. Am Ende verliess ich die Expo mit einer superkuschligen Newmarket Wolldecke (sollte der Winter doch noch mal kommen: Ich bin bereit, ha!) und der Hoffnung, dass der Shop mit den Kingsland Sachen ganz vorne beim Abreitplatz eines Tages mal einen grösseren Stellplatz bekommt. Ich glaube nämlich, dass es dort echt wahnsinnig tolle Sachen gibt, habe mich aber aus Angst, in den gefühlten 10 Millimetern Platz, die man darin hat, zertrampelt zu werden, noch nie so richtig darin umsehen können.
War aber vielleicht auch besser so. Immerhin ist bald Pferd Bodensee.

 

Der Abreitplatz

Die Möglichkeit, den Reitern am CSI Zürich bei der Arbeit auf dem Abreitplatz zuschauen zu können ist etwas, das ich an diesem Turnier ganz besonders schätze da ich finde, dass das dort Gezeigte fast noch interessanter ist, als die Prüfungen selbst. Zugleich holt mich aber auch genau diese Möglichkeit mitunter ganz schön unsanft auf den Boden der Tatsachen zurück und sorgt dafür, dass das die Ritte einiger Reiter einen etwas schalen Beigeschmack für mich erhalten. Ich möchte hier keineswegs zu einem Rundumschlag ausholen! Bei gewissen Reiterinnen wie beispielsweise einer Luciana Diniz, die ihre Pferde immer gut gelaunt und mit einer  Lockerheit präsentiert, um die ich sie zutiefst beneide, macht es Spass, ihnen bei der Arbeit zuzuschauen. Auch Reitern wie Martin Fuchs oder Pénélope Leprevost habe ich gerne zugesehen und fand es spannend, wie sie mit ihren Pferden gearbeitet und wie sie sie auf die anstehenden Prüfungen vorbereitet haben. Aber dann gab es eben auch andere. Solche, die ihren ohnehin schon taktunreinen Pferden bei jedem Schritt im Maul herumgefuhrwerkt haben, dass einem ganz anders werden konnte, solche, die selbst bei hohen Sprüngen noch die Schlaufzügel montiert hatten und auch solche, deren Pferde jede Giraffe vor Neid hätten erblassen lassen, während sie Runde um Runde mit weggedrücktem Rücken und der Nase in der Waagrechten um den Abreitplatz traloppierten. Wenn ich solche Bilder sehe, frage ich mich regelmässig, ob Dressurarbeit im grossen Springsport tatsächlich keinerlei Bedeutung mehr hat, ob die heutigen Pferde mit so viel Sprungvermögen und Ehrgeiz ausgestattet sind, dass die „Basis“, an der man ja als normaler Amateurreiter stets arbeiten soll, irrelevant geworden ist.
Und zugleich wird mir auch wieder einmal bewusst, dass ich mit meinem Besuch bei grossen Turnieren wie dem CSI auch Dinge unterstütze, die ich eigentlich nicht unterstützen möchte, und dass somit eine nicht schönzuredende Divergenz zwischen meinem Tun und meinem Urteilen besteht – aber mehr dazu später.

 

Die Show

Was die Show betrifft, so kann ich mich in diesem Jahr nicht beklagen: Meiner Meinung nach war es die beste Show seit langem, wenn nicht sogar die beste Show, die ich je am CSI gesehen habe! Der Fokus lag in diesem Jahr wirklich auf den Pferden, und sie waren, von der ungarischen Post mal abgesehen, auch nicht lediglich „Statisten“ für irgendwelche Stunts. Die Arbeit der Familie Knie war schön anzusehen, und für mich –  als absolute Spirit-Soundtrack-Liebhaberin – mindestens genau so schön anzuhören. Mein Highlight  war aber definitiv Rosi Hochegger. Sowohl die Auftritte mit ihrem Pferd Scout als auch mit ihren Hunden haben mir super gefallen und ich finde es faszinierend, mit wie viel Spass die Tiere mit ihr zusammenzuarbeiten zu scheinen, und dabei dennoch ständig hochkonzentriert sind. Müsste ich mir aussuchen, ob ich lieber die Fähigkeit hätte, mit meinem Pferd den Grand Prix zu gewinnen oder so mit ihm arbeiten zu können, wie sie mit ihrem Scout, so würde ich mich ohne eine Sekunde überlegen zu müssen für letzteres entscheiden.
Dieses Jahr hat es mich auf jeden Fall zum ersten Mal seit langem nicht gestört, dass ich die Show, da ich mit verschiedenen Leuten am CSI war, sowohl am Samstag als auch am Sonntag zu sehen bekam.

 

Die After Show Party

Zur After Show Party möchte ich nicht viel sagen, da sie ja mit der eigentlichen Veranstaltung nur noch am Rande etwas zu tun hat. Ich möchte aber betonen, dass es eine super Entscheidung der Veranstalter war, sie vom Foyer zurück ins Swissôtel zu verlegen! Ich frage ich allerdings, ob sie am Samstag für ihre Sandwiches ausversehen das Brot genommen haben, das eigentlich für die Pferde gedacht war. Das war so hart, dass mir mein Gaumen heute noch wehtut. Aber gut, das ist wohl Jammern auf hohem Niveau. ;)

 

Gesamtfazit

Kommen wir nun also zum Gesamtfazit. Ich bin der Meinung, dass es gut und wünschenswert ist, dass dem Reitsport mit solchen Veranstaltungen wie dem CSI eine Plattform geboten wird. Der Spitzensport hält unseren Sport, so wie dies bei eigentlich jeder Sportart der Fall ist, ja irgendwo auch am Leben. Andererseits unterscheidet sich Reiten aber nun mal in einem Punkt ganz wesentlich von anderen Sportarten: Es sind Tiere involviert. Je älter ich werde und je mehr mir selbst klar wird, wo ich mit meinem Pferd hin- und auf welcher Basis ich mit ihm zusammenarbeiten möchte, desto zwiegespaltener bin ich daher, wenn ich grosse Reitturniere besuche. Ich weiss, dass das, was wir auf dem Abreitplatz und im Parcours zu sehen bekommen, uns nur einen mikroskopisch kleinen Einblick in den Alltag und das Training der Spitzenpferde und ihrer Reiter gewährt. Ich bin aber auch realistisch genug um zu wissen, dass es uns bei vielen eher einen Blick auf die harmloseren Seiten verschafft. Und so stellt sich mir immer wieder die Frage, ob es dann nicht besser und vor allem konsequenter wäre, grossen Pferdesportveranstaltungen fernzubleiben. Die Antwort darauf kenne ich eigentlich auch.
Dieses Dilemma betrifft aber natürlich nicht nur den CSI Zürich, sondern allgemein alle grossen Pferdesportanlässe, und steht daher in keinem Zusammenhang mit der Qualität der Veranstaltung an sich. Sieht man von den oben genannten Grundsatzfragen ab, so ist der CSI Zürich ein sehr schönes, gut organisiertes Springturnier, das gross genug ist, um bekannte Reiter anzulocken, aber dennoch übersichtlich genug, um irgendwie „heimelig“ und persönlich zu wirken. Wahrscheinlich komme ich deshalb schon so viele Jahre nach Zürich – es fühlt sich irgendwie heimisch an. Und ganz im Sinne der schönen Ritte, die es ja durchaus auch zu sehen gab, und nach dem Motto der „Stimme des Pferdesports“, dem verstorbenen Hans-Heinrich Isenbart, möchte ich diesen Blog mit den folgenden Worten abschliessen: Meine Damen und Herren, vergessen Sie die Pferde nicht!

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(1) Kommentare

  • gleiche Gedanken

    Dein Gesamtfazit, liebe Lisa ist für mich schon seit Jahren auch ein Grund, weshalb ich solche Veranstaltungen nicht mehr besuche. Du hast es genau auf den Punkt geschrieben. Gute Beobachtungen, ich wünsche mir mehr solche feinfühligen Menschen die mit Pferden arbeiten. Den nur wer so beobachten kann, hat auch ein Herz für Tiere.

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