Cavaletti-Training

Das Pferd soll ja von hinten arbeiten, die Nachhand aktiv halten, fleissig abfussen, locker über der Rücken gehen und sich dabei an die Reiterhand, vorwärts-abwärts, dehnen. Meine Reitlehrerin pflegte immer zu sagen „Du musst das Gefühl haben, den Berg hoch zu Traben“ und meinte natürlich damit, dass beim Berg-Trab, die Nachhand eben kräftig arbeiten muss.

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Bild: httpwww.christoph-steinkamp-dressurausbildung.debilderabaCavaletti_2.JPG

Bei der Arbeit über Cavaletti muss das Pferd mit seiner Hinterhand sogar noch mehr unter den Schwerpunkt fussen. Ich, als Reiterin, kann dabei sowohl die Kraft der Hinterhand fördern, als auch die Vorwärts-Abwärts-Dehnung und damit die Rückenlockerung. Cavalettiarbeit kräftigt die Muskulatur, fördert also die Kadenz, den Ausdruck und die Taktsicherheit und hat einen hohen mentalen Aspekt. Das Pferd wird zum Mitdenken und selbstständigen Mitarbeiten gebracht. Dadurch erreiche ich auch eine Stärkung der Motivation. Ich lerne mich dabei zu konzentrieren, denn für das richtige Tempo und den richtigen Anreitweg muss ich sorgen.

Doch wer denkt, Cavaletti-Training sei nur etwas für die Arbeit von Springpferden hat weit gefehlt. Jedes Pferd profitiert davon! Gerade bei der Ausbildung junger Pferde ist ein solches Training wichtig, da man darüber an Muskelgruppen herankommt, welche sonst überhaupt nicht erreichbar wären. Aber auch später in der Dressurausbildung kann ich über die Arbeit mit Cavaletti mehr Kadenz und damit mehr Ausdruck erreichen. Im Bereich des Springreitens ist die Cavaletti-Arbeit ausserdem sehr gut geeignet, das Rhythmus- und Distanzgefühl des Reiters zu schulen.

Durch die Cavalettiarbeit wir aber auch die Anlehnung verbessert: Nicht umsonst sagt man ja, der Motor eines Pferdes sei hinten. Die Hinterhand ist sowohl das schiebende als später auch das tragende Element. Bei der Arbeit über Cavaletti wird das Pferd noch mehr aufgefordert, diesen Motor zu nutzen und genau dadurch entsteht auch die korrekte Anlehnung. Eine Übung die gerne dazu mache ist: Die Cavaletti zuerst  im Trab zu reiten, danach galoppiere ich an und reite wieder zu den Cavaletti und kurz davor pariere ich mein Pferd wieder in den Trab und reite abermals über die Cavaletti. Diese Übung kannst Du im Leichtreiten, Aussitzen oder im leichten Sitz machen. Bei dieser Übung bringst Du da Pferd noch mehr dazu, seinen Rücken zu nutzen.

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Bild: httpwww.cavallo.desixcmsmedia.php6Figur-2.jpg

Du siehst also, durchs Cavaletti-Trianing kannst Du unterschiedliche Ziele erreichen:

Zum einen Kräftigst Du verschiedene Muskelgruppen Deines Pferdes, vor allem der Hinterhand, zum anderen verbesserst Du dessen Schulterfreiheit. Du kannst aber auch ganz gezielt die Taktsicherheit im Schritt verbessern: Denn wenn dein Pferd über die Cavaletti schreitet, kann es weder pass gehen noch kurz oder eben lang abfussen etc.  Aber nicht nur der losgelassene Schritt kann verbessert werden. Auch den versammelten Schritt kann man im Takt verbessern. In Kombination mit einer Schulterwendung oder Nachhandwendung zum Beispiel. Dazu benötigst Du nur vier Cavaletti, zunächst auf dem Hufschlag, später auf freier Linie. Reite dabei im versammelten Schritt über die Cavaletti, danach die Schulter- oder Nachhandwendung, wieder über die Cavaletti zurück. Oder Du möchtest Dein Pferd dazu bringen, einen einfachen Galoppwechsel sauber zu machen. Dazu reite ich auf der Volte in Achten im Galopp und platziere das eine Cavaletti in der Mitte und springe dann für den Seitenwechsel über jenes.

Grundsätzlich sollte die Cavalettiarbeit vom Leichten zum Schweren aufgebaut werden. Dazu gehört zunächst auch die Anzahl der Cavaletti. Um die Pferde nach und nach an diese Arbeit zu gewöhnen, reite erst nur über ein einzelnes, dann über zwei, später dann drei und schliesslich vier. Mehr als vier Cavaletti am Stück würde ich meiner Meinung nach nicht empfehlen, denn wenn dein Pferd mal dabei Schwierigkeiten bekommt, hat es mit einem Sprung noch die Möglichkeit sich aus der Situation zu retten, was bei mehr als vier Cavaletti fast nicht möglich wäre und dazu noch das Vertrauen deines Vierbeiners stören würde.

Zunächst baue ich die Cavaletti auf einer geraden Linie auf, später dann auch auf gebogener, da dies noch einen grösseren, gymnastischen Effekt hat. Erst im Schritt, dann Trab und schlussendlich im Galopp.

Weiter kann auch mit Änderung der Abstände gespielt werden. Hierzu einige Massangaben:

Die Abstände für den Schritt liegen ja etwa bei 80 bis 90 Zentimeter, im Trab bei 1,20 bis 1,30 und im Galopp bei rund 3 Metern. Eine Fusslänge entspricht bei Schuhgrösse 41 ca. 26 cm, bei 39 ca. 24,5 cm das entspricht also: ca. 3 Fusslängen für Schrittstangen (evtl. eine halbe Umdrehung die Stange noch rausrollen)  und ca. 4-5 Fusslängen für Trabstangen (lege sie erst auf 4 Fusslängen und wenn du merkst das es “eng” wird rollst du die Stange etwas raus).

Lege Dir am besten einen Massband auf eine gerade Fläche z.B.  auf die Stallgasse und gehe “1 Meter Schritte” ab. Achte darauf, dass deine Ferse bei 0 cm anfängt uns dein Zeh bei 100 cm aufkommt. Die Basis ist, dass du einen Meter abgehen kannst und du somit ein Gefühl bekommst,  wie weit Du Deine Schritte machen musst. Das muss irgendwann “blind” funktionieren – teste ohne hinzuschauen wie weit deine Schritte sind, ein wenig “Spiel” hat man immer aber du solltest irgendwann einen guten Meter von alleine abgehen können.

Achtung: Pony bedeutet nicht automatisch, dass alles einen halben Meter enger gelegt werden muss. Es kommt wirklich auf dein Pferd an, prüfe das am besten von unten indem du dein Pferd über Stangen im Schritt führst oder im Trab und Galopp longierst bevor du dich allein oben drauf setzt.

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Sind die Abstände der Cavaletti im Schritt enger, muss das Pferd kürzer und versammelter laufen. Lege ich die Cavaletti weiter auseinander, muss es mehr aus der Schulter heraus vorschreiten.
Dasselbe gilt für Trab als auch für Galopp.

Da die Pferde meist eine verschiedene Gangmechanik haben, ist es hilfreich die Cavaletti fächerartig auf der Volte aufzustellen. Im Trab in der Mitte mit einem Abstand von etwa 1,20, im Galopp innen mit zwei Metern und aussen mit drei Meter. Somit kann man den Übungsablauf auf das jeweilige Pferd individuell anpassen oder mit demselben Pferd je nach Ziel eher weiter innen oder weiter aussen reiten. Bleibe ich mehr innen, muss sich das Pferd mehr aufnehmen und seine Tritte und Sprünge eher aufwärts verändern, reite ich mehr aussen, fördere ich das schwungvollere Vorfussen. Du schlägst also 2 Fliegen mit einer Klappe mit einem einzigen Aufbau, ohne die Cavaletti dauernd umstellen zu müssen.

Ganz klar, Du kannst beim Cavaletti-Training nicht Runde für Runde über die Cavaletti reiten, denn Dein Pferd braucht dazwischen auch die Möglichkeit „normal“ auf einem Zirkel zu gehen.

Auch eine tolle Übung, gerade für junge Pferde, ist: man stellt vier Cavaletti in eine Reihe und zwar folgendermassen; Cavaletto (Cavaletto ist übrigens die korrekte Einzahl der Cavaletti), Cavaletto, Leerraum, Cavaletto, Cavaletto. Dadurch, dass zwischen dem zweiten und dem dritten Cavaletti keines liegt, muss sich das Pferd bei diesem „Cavaletti-losen Zwischenritt“ besonders konzentrieren.

Wenn du selber ab und an Stangenarbeit, Cavaletti-Training und Springgymnastik mit deinem Pferd machen möchtest, aber keinen Trainer zur Seite hast, solltest Du dich einigen Dingen achten:

Keine zersplitterten Stangen etc. wegen der Verletzungsgefahr. Neben dem richtigen Material ist es auch wichtig, das Ganze sinnvoll und verschieden einsetzbar aufzustellen. Auch die Regelmässigkeit der Cavalettiarbeit wichtig, um einen entsprechenden Trainingseffekt erzielen zu können. Wer nur einmal im Monat das volle Programm über Cavaletti fordert, riskiert ausserdem Muskelkater bei seinem Pferd.

Fazit:

Es ist mir persönlich ein sehr grosses Anliegen, dass Pferde korrekt geritten werden und über den Rücken gehen. Nur so wird man die Gesundheit des Pferdes aufrecht erhalten und nur so behalten Pferd und Reiter Spass, weil das Reiten bei weitem nicht mehr so anstrengend ist, wenn das Pferd nicht gegen den Reiter arbeitet.

Leider sieht man vor allem im Springsport, dass die dressurmässige Ausbildung der Pferde oftmals viel zu kurz kommt. Sehr viele Paare stellen im Parcours ein (passend zu Halloween) grausiges Bild dar, weil das Pferd absolut unrittig ist, sich den Reiterhilfen entzieht bzw. der Reiter wenig Hilfen anwendet, sondern nur durch Ziehen am inneren Zügel die Wendungen reitet. Hier wird nicht mit dem äusseren Bein oder äusseren Zügel begrenzt und ein Ausbrechen verhindert. Eine Vielzahl an Springpferden hat auch einen Unterhals.

 

Achtet einmal darauf und bildet euch eure eigene Meinung. Ich hoffe ihr könnt nachvollziehen, warum die Gymnastizierung des Pferdes das A und O der Reiterei ist.

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