Baden mit Pferden: die Vorbereitung

Bei der momentanen Hitze gibt es nichts schöneres, als eine richtige Abkühlung. Im letzten “Sommerbeschwerden”- Blog habe ich ja bereits erwähnt, dass wir unseren Pferden eine regelmässig Abkühlung in Form eines Bades gönnen. Dies bietet nicht nur dem Pferd eine nette Abwechslung, sondern auch dem Reiter einen Heidenspass und ein spannendes Erlebnis. 


Da dies doch etwas umständlicher ist, als wenn man mit Freunden und Hund an den See oder in die Badi geht, möchte ich euch gerne wieder ein paar Tipps & Tricks mit auf den Weg geben. Denn vor dem Badespass, sollte man sich zuerst einmal über mögliche Risiken beim Schwimmen mit Pferden informieren.

Können alle Pferde schwimmen?

Ja, wie praktisch alle Säugetiere kann das Pferd von Natur aus schwimmen. Praktischerweise braucht es dafür nicht wie wir noch ein extra Schwimmtraining, denn es weiss instinktiv, wie es sich über Wasser halten kann. Wird das Wasser tiefer, stellt sich das Tier auf die Hinterbeine und schreitet weiter bis es eine gewisse Wassertiefe (von ca. zwei Metern) erreicht hat. Denn das Pferd schwimmt erst, wenn es keinen Boden mehr unter seinen Hufen spürt. Sobald dies der Fall ist, beginnt es automatisch kräftig mit all seinen Beinen zu rudern. Dabei bewegt es seine Vorder- und Hinterläufe im schnellen Trabtakt, die Hufe arbeiten wie kleine Paddel und bewegen so den Pferdekörper vorwärts. Der Kopf des Pferdes ragt während des Schwimmens nur wenig aus dem kühlen Nass. Jedoch zieht das Pferd für ein ungehindertes Atmen bzw. dass kein Wasser in seine Nüstern schwappt, diese so hoch wie nur möglich. Auf diese Weise entsteht auch das typische „Schwimmgesicht“ der Pferde mit gebleckten Zähnen.


Es gibt sogar eine Ponyrasse, der das Schwimmen im Blut liegen soll. Und zwar ist dies das Assateague-Pony (oder auch Chincoteague-Pony), welches eine nordamerikanische Pferderasse ist, die auf der Atlantikinsel Assateague beheimatet ist. Sie leben dort in freier Wildbahn, stehen jedoch unter menschlicher Obhut. Der Legende nach stammt es von spanischen Pferden ab, die im 16. Jahrhundert mit einem Schiff nach Amerika gebracht werden sollten. Als das Schiff jedoch nahe der amerikanischen Ostküste kenterte, retteten sich die Pferde schwimmend auf die nächstgelegene Insel. Aber auch heute gehören regelmässige Schwimmeinlangen zu den 1.22 m grossen Ponys dazu. Denn seit 1925 werden am letzten Donnerstag und Freitag im Juli jeden Jahres etwa 150 Wildpferde von ihrer Heimatinsel Assateague durch einen Korridor aus Booten, schwimmend auf das benachbarte Chincoteague getrieben. Dieses Spektakel, lockt jährlich an die 40‘000 Schaulustige auf die kleine Atlantikinsel im US-amerikanischen Bundesstaat Virginia. Bei einer anschliessenden Auktion werden die „überschüssigen“ Jährlingsfohlen aus der Herde geholt und versteigert. Der erzielte Verkaufserlass kommt dabei dem Erhalt der Pferde zugute. Nach dem ganzen Spektakel schwimmen die übrigen Ponys dann wieder zurück auf ihre Insel.

Mögen alle Pferde das Schwimmen?

Nachdem wir das physiologische „Können“ von schwimmenden Pferden untersucht haben, kommen wir jetzt zum psychologischen Teil.
Während die meisten Pferde die ich kenne gerne ins bzw. durchs Wasser gehen und dabei sogar richtig plantschen, gibt es jedoch auch diejenigen, welche vor jeder noch so kleinen Pfütze oder gar dem Wasserschlauch scheuen.
Grundsätzlich haben die meisten Pferde als Fluchttier eine natürliche Scheu vor Wasser, weshalb das Schwimmen nicht unbedingt zu ihren liebsten Hobbys gehört. Denn im Gegensatz zu uns Menschen sind sie nämlich nicht in der Lage, sich unter Anwendung der richtigen Technik einfach auf dem Wasser treiben zu lassen. Es bedarf da schon einer gehörigen Kraftanstrengung, damit sie nicht untergehen. Der Schwimmvorgang fordert deshalb das Herz- Kreislaufsystem des Pferdes, was viel Kraft und Energie kostet. Deshalb schwimmen Wildpferde aus freien Stücken auch nur in Notsituationen.

 

Jedoch zeigt sich auch bei den Pferden in freier Wildbahn, dass das Baden bzw. Plantschen ihnen ein grosses Vergnügen bereitet, wenn die Situation bzw. der Herdenverband „stimmt“. Es ist also eher eine Sache des Vertrauens und keine grundsätzliche Abneigung.
Bei Special ist der Fluchtinstinkt leider auch mit seinen 28 Jahren immer noch sehr ausgeprägt, weshalb er auch gerne mal in sein „altes Muster“ zurück fällt. Oftmals traut er sich doch gutem Zureden erst durch eine Pfütze, wenn er gesehen hat das Gipsy diese todesmutig und unversehrt überstanden hat. Die Hitzewelle war jedoch beim letzten Mal Baden sehr hilfreich, denn ich konnte gar nicht so schnell laufen, da stand er schon im See drin und plantschte darauf los. =)

Pferde an Wasser im Alltag gewöhnen

Mit etwas Geduld und Verständnis lassen sich aber fast alle Pferde an das Wasser gewöhnen. Als erster Schritt kann das regelmässige Hufabspritzen mit dem Schlauch eingeführt werden. Falls dies schon zum Problem werden sollte, reicht auch ein Eimer Wasser und eine Bürste. In kleinen und langsamen Schritten kann man sich dann nach oben arbeiten, bis sie sich endlich richtig abspritzen lässt. Dies sollte man allerdings nur bei sommerlich heissen Temperaturen machen. Ausserdem sollte man Pferde, die empfindlich auf Wasser reagieren, lieber nicht anbinden. Denn diese neigen nämlich dazu, sich plötzlich zurückzuwerfen bzw. loszureissen. Was ihr sonst noch beachten solltet, könnt ihr in meinem Abspritz-Blog nachlesen.

Aber auch während des Reitens oder Spazierens gibt es immer wieder Gelegenheiten, das Pferd mit Wasser vertraut zu machen. Beispielsweise kann man es nach dem Regen durch Pfützen reiten oder dadurch führen. Während eines Ausrittes kann man ebenfalls durch kleine Gewässer waten.
Wenn sich ein Pferd absolut weigert ins Wasser zu gehen, sollte auf keinen Fall Druck ausgeübt werden. Besser bleibt man stehen und gibt dem Pferd Zeit, sich an die neue / angsteinflössende Situation zu gewöhnen.


Eine genauso bewährte Methode ist das „ins Wasser folgen“. Dabei sind andere Pferde dabei, die keine Scheu vor dem kühlen Nass haben und vorgehen. Nach einer gewissen Zeit siegt meistens der Herdentrieb und der wasserscheue Vierbeiner wird seinen Herdenmitgliedern ins Wasser folgen. Dabei muss immer für einen grossen seitlichen Abstand untereinander gesorgt werden, da es leicht passieren kann, dass sich die einzelnen Paare gegenseitig behindern. Wenn das Pferd sich dann traut tiefer reinzugehen, sollte man aufpassen, dass wir das Pferd beim Schwimmen nicht behindern.

So nun seit ihr und euer Pferd gut vorbereitet und habt genügend Hintergrundwissen, sodass ihr einen ersten „Schwum“ wagen könnt.

Im zweiten Blog- Teil erhaltet ihr dann mehr Infos dazu, sowie eine Auflistung der benötigten Ausrüstung. 

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