Auswärtsübernachtungen fürs Pferd - Stallzelte - ein Interview mit Nadine Steffen

Nadine Steffen, reitsport.ch Botschafterin und Profireiterin (www.team-steffen.ch) nimmt regelmässig an internationalen Turnieren im In- und Ausland teil. An einem oder maximal zwei Wochenenden im Monat übernachten daher vier bis fünf ihrer eigenen und Sponsorenpferde in Stallzelten. Was besonders wichtig ist, damit die Vierbeiner sich wohl fühlen, hat sie mir in einem kleinen Interview erzählt. Doch zuerst möchte ich euch ein paar allgemeine Informationen zum Thema Stallzelt und Übernachten auswärts liefern.

Mein Pferd übernachtet an einem fremden Ort, was gilt es zu beachten?
Ist sich ein Pferd nicht gewöhnt auswärts zu übernachten, sollte man es die ersten paar Stunden gut im Auge behalten und regelmässig kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Damit es sich von Anfang an wohl fühlt sollte die Box eingestreut und eine Portion Heu bereit gelegt werden, bevor das Pferd hineingebracht wird. Nicht zu vergessen, ja eigentlich am wichtigsten ist das Wasser, es muss immer ein oder auch zwei Eimer frisches, sauberes Wasser zur Verfügung stehen, sofern keine Selbsttränken installiert sind. Hat es in der Gastbox eine Tränke, so sollte man sich davon überzeugen, dass sie sauber ist und das Pferd sie auch nutzen kann (nicht alle Selbsttränken haben den gleichen Mechanismus). Manche Pferde sind heikel und trinken nicht gern aus Eimern, hier ist Einfallsreichtum gefragt. Bei meiner eigenen Stute hilft es, ein sehr flüssiges Mash im Tränkeeimer zu füttern und dann sofort mit Wasser aufzufüllen. Einen weiteren Trick verrät euch Nadine im Interview.
Was mir persönlich wichtig ist, ist die Abwechslung. Gerade Pferde die Zuhause viel auf der Weide sind oder einen grossen Auslauf haben können physische (Kolik) oder psychische (Stress) Probleme bekommen, wenn sie den ganzen Tag in der kleinen Zeltboxe stehen müssen. Natürlich brauchen sie nach anstrengenden Turnierstarts oder Kurslektionen auch mal eine Ruhepause, aber eine Wiese zum Grasen oder die Möglichkeit etwas spazieren zu gehen sollte schon vorhanden sein und genutzt werden.

Stallzelte
Vor allem an mehrtägigen nationalen oder internationalen Turnieren sind Stallzelte an der Tagesordnung. Nur selten hat man dort den Luxus die Pferde in festen Ställen unterzubringen (wo es das gibt verrät Nadine im Interview). Das heisst Pferd, Reiter und Pfleger müssen sich mit dem bescheidenen Komfort eines Stallzeltes begnügen.
In einem solchen Zelt finden meist rund 30 Pferde platz, die Boxengrösse beträgt ca 3x3 m. Die Innen- und Aussenwände der mobilen Stallungen bestehen aus sehr stabilen Blachen die als Zwischenwände den Sicht- und Nasenkontakt zwischen den Pferden verhindern. Dies tönt zwar nicht gerade tierfreundlich, ist aber an Turnieren wo viele fremde Pferde aufeinander treffen durchaus sinnvoll. Immerhin vorne und an den Türen haben die Boxen Gitter, durch das die Tiere ihre Nachbarn gegenüber der Stallgasse sehen können.
Da bis auf die Einstreu alles Material selber mitgebracht werden muss und die Transporter nicht immer gleich neben den Stallzelten abgestellt werden können, kann es in der Stallgasse ganz schön eng werden. Dort stehen vor den Boxen Sattelschränke neben Heuballen und Schubkarren. Decken und Zaumzeuge werden aufgehängt. Wenn man Glück hat gibt es in der Nähe seiner Pferde noch eine leere Box, in der man einige Sachen deponieren kann.

Interview mit Nadine Steffen

StM: Nadine, wenn du an ein mehrtägiges Turnier fährst, was muss dann unbedingt mit, gibt es etwas Spezielles?

Nadine Steffen: Besonders wichtig sind natürlich Wasser- und Futtereimer, sowie das eigene Heu und Kraftfutter. Ebenfalls immer dabei sind die Sattelschränke mit dem üblichen Turniermaterial, Haken um Zäume und Halftern aufhängen zu können und mobile Boxentüren, damit die Pferde nicht immer das Gitter vor der Nase haben.
Etwas spezieller ist der Spielball der immer dabei ist um den Pferden gegen die Langeweile zu helfen und die Karotten und Äpfel die sie nur Auswärts zur Belohnung bekommen.

StM: Wenn ihr auf dem Turnierplatz eintrefft, was ist das erste, was ihr nach der Ankunft macht?

NS: Wir suchen zuerst die Boxen für meine Pferde, meistens ist an den Stallungen ein Plan ausgehängt. Dann streuen wir die Boxen dick mit Spänen ein, so ist es den Pferden am wohlsten und befüllen die Wassereimer. Für Pferde die nicht gut aus dem Eimer trinken gibt es gleich einen Apfel ins Wasser, das animiert sie zu trinken um den Apfel zu erwischen. Bei einem meiner Pferde klappt das aber nicht so richtig, er drückt die Frucht einfach mit seiner Nase auf den Boden des Eimers und packt ihn so.

StM: An welchem der Turniere an denen du startest ist die Unterbringung für die Pferde am besten?

NS: Die praktischsten Stallzelte hat es immer in Lamprechtshausen, denn dort stehen sie auf festem Boden und nicht wie sonst üblich auf Wiese. Auch Wasserschläuche hat es genügend und schön in der Nähe der Boxen. In Italien finden die Turniere oft auf den riesigen, extra für Veranstaltungen gebauten Reitanlagen statt, dort hat es fest installierte Boxen mit Selbsttränken, das ist natürlich sehr komfortabel.

StM: Was macht ihr bei Extrembedingungen wie Hitze oder viel Regen?

NS: Bei grosser Hitze wie zum Beispiel in Ascona werden in den Stallzelten Ventilatoren montiert, die die Luft etwas zirkulieren lassen. Natürlich ist es auch gerade dann sehr wichtig darauf zu achten, dass die Pferde genügend Wasser zur Verfügung haben und dies auch trinken.
Regnet es stark und anhaltend, legen die Veranstalter Gräben um die Stallzelte herum an, so wird verhindert, dass die Boxen unter Wasser stehen. Klar, Matsch gibt es trotzdem, immerhin auf der Stallgasse werden meistens Späne gestreut um sie einigermassen trocken zu halten.

StM: Ein aktuelles Thema ist die Sicherheit an internationalen Turnieren, hast du schon etwas negatives erlebt? Was beachtest du?

NS: Ich selber habe zum Glück noch nie etwas negatives erlebt, da bei den Turnieren an denen ich am Start bin die Bewachung gut ist. Dennoch nehme ich wertvolle Dinge die ich nicht einschliessen kann immer mit ins Auto. Meine Angst vor Fremdeinwirkung an den Pferden war zu Anfang grösser als die vor einem Diebstahl.
Dass an den Massenturnieren bei denen zum Teil 500-600 Pferde auf dem Gelände sind die nicht oder kaum bewacht werden mehr Kriminalität herrscht ist nichts neues. Wie will bei dieser Menge an Menschen auch auffallen wenn sich jemand im Stallzelt bewegt, der da eigentlich nichts zu suchen hat.

Ich danke Nadine für das Interview und wünsche ihr viel Erfolg bei ihrem nächsten internationalen Einsatz am CSI Humlikon!

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