Aus der Traum vom eigenen Pferd

Vor wenigen Wochen berichtete ich über den Gedanken ein Pferd mit meiner Freundin zu teilen. Die Idee wäre gewesen die Stute zusammen zu stemmen und das sie von meiner Reitbeteiligung zu meine fast eigenen Pferd wird. Aber letzte Woche habe ich mich dagegen entschieden aus vielen verschiedenen Gründen. Als ich die Resultate der Prüfungen an der Universität bekam, fing ich über ein weiteres Jahr nachzudenken. Was ist mir wichtig? Wie soll es laufen? Wo liegen meine Prioritäten? Diese Fragen stellte ich mir, weil ich den zweiten Teil der Prüfung nicht bestanden hatte und deswegen jetzt das Jahr wiederholen muss. Gelingt mir die Wiederholungsprüfung im Sommer 2015 nicht, bin ich für das Fach Psychologie gesperrt. Das heisst ich darf es nicht mehr studieren und das wäre für mich wie ein Weltuntergang. Vielleicht ein wenig dramatisch ausgedrückt, aber es ist einfach mein Traumberuf. Da wurde mir zum ersten Mal klar, dass ich nicht noch gleichzeitig die Verantwortung für einen eigenen Vierbeiner übernehmen kann. Irgendwie macht mich der Gedanke traurig, denn welche Frau oder welches Mädchen wünscht sich nicht ein eigenes Pferd? Es ist mein Traum und ich stand kurz davor ihn wahr werden zu lassen. Aber die Welt ist nicht immer rosarot und manchmal muss jeder der Wahrheit ins Auge sehen. Diesmal traf es mich und ich muss zuerst meine Zukunft sichern, bevor ich mir ein Pferd schenkte. Schule geht vor, denn diese schafft mir ein gutes Leben. Es ist nicht einfach zu akzeptieren, aber lieber warte ich noch ein bis mehrere Jahre mit dem eigenen Pferd, dafür schaffe ich meine Ausbildung.

Der andere Faktor ist das Geld. Ich habe mich auch dazu entschieden weniger zu arbeiten. Am Ende will ich nur noch tätig sein für reitsport.ch, den Hund meiner Schwester hüten und meiner Mutter einmal in der Woche aushelfen. Mehr will ich nicht machen, dafür ein ruhigeres Jahr haben und somit genügend Zeit zum Lernen. Dazu habe ich auch bis anhin keinen festen Job auf 20-30% Basis gefunden, der diese finanzielle Lage entschärfen würde. Ich hätte gerade 20 Franken im Monat für mich selbst und da merkt jeder, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Manchmal muss einer einstecken und einen Schritt rückwärts machen. Die Entscheidung fiel mir nicht einfach, denn ich hätte so einiges daran gesetzt, dass Yvonne und ich Lilly zusammen behalten können, aber ich weiss es wäre nächsten Sommer mit dem durchkommen eng geworden. Ich müsste mehr arbeiten, würde das Pferd reiten, daneben drei bis sechs Mal wegen dem Volleyball in der Halle stehen und der Freund will ja auch nicht zu kurz kommen. Es wäre wieder viel zu viel geworden und die Schule hätte darunter gelitten wie auch die Beziehung zum Freund. Das ist es mir einfach nicht wert.

Neben diesen zwei doch ausschlaggebenden Argumenten kommt das Knie dazu. Ende Mai habe ich es operiert und es braucht länger als erwartet. Biegen kann ich es momentan nur bis 120 Grad und kann nur ausreiten. Ein Pferd arbeiten geht leider nicht, da ich mit dem Knie noch keinen Druck ausüben kann. Die Innenseite des Knies, dort wo die Schleimbeutelfalte abgeschnitten wurde, ist noch in der Heilungsphase. Der Arzt hat gesagt ich könne mich wieder aufs Pferd setzen, aber die Realität sieht anders aus. Sitzen geht, nur nicht die Arbeit. Da habe ich mir gesagt, dass ich lieber pausiere, denn nur immer ausreiten und dazu bei dem ach so guten Wetter, macht mir auf die Dauer nicht mehr grossen Spass. Ein Pferd mit Lernwillen steht zur Verfügung und du kannst dem nicht gerecht werden. Ich kenne mich und weiss es würde mich mit der Zeit nerven und ich hätte nur noch schlechte Laune.

In diesem Moment, in welchem ich diesen Artikel schreibe, werde ich wieder nachdenklich und wünsche mir es hätte funktioniert. Der Traum vom eigenen Pferd, der schnell vorbei war. Ich würde gerne Yvonne sagen ich kann es doch und bin dabei. Aber dabei würde ich mich selbst anlügen und alles nur schön reden. Deswegen werde ich mir jetzt eine neue Reitschule suchen müssen oder jemand, der mir sein Pferd zu Verfügung stellt, mit welchem ich in die Reitstunden gehen kann. Aufhören tu ich ganz bestimmt nicht, nur brauche ich Zeit, um diese Entscheidung zu verdauen und mein Knie vollends ausheilen zu lassen.

Gestern war ich im Stall um all meine Sachen zu holen. Einer der sentimentalsten Momente in meinem Leben. Ich hätte wirklich am liebsten meine Absage zurückgezogen. Jumping Lilly ist ein wirklich tolles Pferd. Lieber, williger Charakter gemischt mit viel Potenzial. Ein wunderschönes Pferd mit vielen Facetten. Ich habe noch ein wenig mit ihr geschmust und mich von ihr verabschiedet. Es war definitiv nicht leicht. Ein Wunder sind keine Tränen geflossen! Ich werde sie sicher reiten, wenn Yvonne einen Engpass hat oder in die Ferien geht, aber eben nur als Aushilfe. Ich wünsche den zwei viel Glück!

Mein erster Versuch zu reiten

Eigenes Pferd, ja oder nein?

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