Aufzucht von Jungpferden - Auf was muss bei der Auswahl der Weide geachtet werden?

Die Natur ist aus dem Winterschlaf erwacht. Die Bäume blühen, die Vögel zwitschern und in den Zuchtställen erblicken die Fohlen das Licht der Welt. Die jungen Pferde bleiben bis im Herbst bei ihren Müttern und anschliessend werden viele von ihnen zum Verkauf angeboten (passender Artikel: Time to say goodbye - Fohlen korrekt absetzen). Für viele Pferdeliebhaber ist der Kauf eines Fohlens eine Traumvorstellung. Die Kleinen aufwachsen und gedeihen zu sehen und sie durch ihre Ausbildung begleiten zu können ist ein tolles Erlebnis. Aber was muss bezüglich Aufzucht beachtet werden, wenn man sich für den Kauf eines Fohlens entscheidet?



Die Aufzucht der Jungpferde legt einen entscheidenden Grundstein für die Entwicklung der Pferde. Sie hat Einfluss auf die Gesundheit des Pferdes, seine künftige Belastbarkeit und seine Herdentauglichkeit. Aufgrund dessen gilt ihr besonderes Augenmerk zu schenken.

Obwohl Pferde seit über 5000 Jahren domestiziert sind, haben sich die artenspezifischen Verhaltensweisen und die daraus resultierenden Bedürfnisse über die Jahre kaum verändert. Daher müssen die ethologischen Aspekte bekannt sein und berücksichtigt werden, damit Fohlen und Jungpferde artgerecht aufgezogen werden können. Für das Herdentier Pferd ist sozialer Kontakt unerlässlich. Für Jungpferde ist die Gruppenhaltung vom Tierschutz vorgeschrieben, da sie im Spiel und im Alltag die korrekte Interpretation des natürlichen Ausdrucksverhaltens lernen müssen. Die Jungpferde sollen im Herdenverband mit täglichem Auslauf auf grosszügigen Weiden aufwachsen können. Die Haltung von Jungpferden in altersgetrennten Gruppen ist aus ethologischer Sicht äusserst unnatürlich. So können bei Jungpferden Verhaltensstörungen als Ausdruck einer überforderten Anpassungsfähigkeit auftreten, wenn erfahrende und wegweisende Herdenmitglieder fehlen.

Für junge Pferde eignet sich die Haltung in Gruppenboxen mit oder ohne direkten Auslauf, im Mehrraumgruppenlaufstall oder die Dauerweidehaltung. Das Optimum im Bereich der Stallungssysteme stellt der Mehrraumgruppenlaufstall dar. Bei dieser Haltungsform ist der Liegebereich vom Fress- und Bewegungsbereich getrennt. Durch die räumliche Trennung kann die Bewegungsintensität so wie der Ort des Kotens gesteuert werden. Zusätzlich können die Tiere anhand einer klaren Strukturierung wie zum Beispiel mit einem Wälzplatz, mit Bäumen oder Kratzbürsten zur Bewegung animiert werden. Im Allgemeinen gilt zu wissen, dass bei jedem Stallungssystem die genauen, vom Tierschutz vorgeschriebenen, Masse berücksichtigt werden müssen.
Bei der Dauerweidehaltung müssen diverse ethologische Aspekte des Pferdeverhaltens mit einbezogen werden. So zum Beispiel, dass Pferde unter natürlichen Bedingungen tiefgründigen Morast meiden. Daher müssen alle Pferde, die über einen längeren Zeitraum draussen gehalten werden, gleichzeitig auf einer Fläche stehen können, die nicht vom Morast aufgeweicht ist. Stehen Tiere längere Zeit auf morastigem Untergrund, kann es zu gesundheitlichen Nachteilen wie Strahlfäule und Mauke kommen. Ebenfalls ist es für Pferde arttypisch, bei ungünstigen Witterungsbedingungen oder hohem Insektendruck Schutz aufzusuchen. Daher muss bei der Weidehaltung über einen längeren Zeitraum darauf geachtet werden, dass den Jungtieren ein künstlicher oder natürlicher Witterungsschutz zur Verfügung steht. Der Zugang zu diesem muss für alle Tiere gleichzeitig gewährleistet sein. Bei grösseren Gruppen sind daher mehrere kleinere Unterstände einem grösseren vorzuziehen.

Die Schweiz hat ein sehr grosses und vielseitiges Angebot an Fohlenweiden, welches jeder Fohlenbesitzer genau studieren sollte. Die Angebote unterscheiden sich teils stark bezüglich Preis- Leistungsverhältnis und müssen daher genau miteinander verglichen werden. Wichtig ist bei der Auswahl der Fohlenweide auf die ethologischen Aspekte zu achten, damit dem Jungtier ein guter Start in seine Zukunft als Reit- oder Fahrpferd ermöglicht wird. Ebenfalls muss man sich Gedanken machen, was man persönlich möchte. „Möchte ich, dass mein Pferd naturnah ohne Kontakt zum Menschen aufwächst?“ „Möchte ich, dass mein Jungpferd täglich gesehen und auf Krankheiten und Verletzungen überprüft wird?“ „ Oder möchte ich, dass mit meinem Jungtier regelmässig etwas unternommen wird, wie zum Beispiel Hufe aufnehmen und anhalftern?“ All diese Fragen und noch viele mehr muss man sich genau durch den Kopf gehen lassen und anhand eigener Wünsche, sowie den Ansprüchen und Bedürfnissen des Pferdes die passende Weide auswählen. Adressen von Aufzuchtsbetrieben können im Internet oder über Reiterforen ausfindig gemacht werden.

Eine sehr vorbildliche Aufzuchtsweide für junge Pferde führt auch reitsport.ch Botschafterin Corinne Sélébam Alt. Momentan werden auf Rietenberg jedoch nur eigene oder selbstgezüchtete Jungtiere aufgezogen. Falls ihr trotzdem mehr über die Sportpferdezucht Rietenberg erfahren möchtet, dann empfehle ich euch den Bericht „artgerechte Haltung von Sportpferden“ zu lesen.

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