Auf Nummer Sicher!

Benjamin Winter

-dieser Name ging mir beim Nachdenken und Schreiben über das Thema „Sicherheit im Reitsport“ nicht aus dem Kopf. Ben war ein junger, erfahrener und begnadeter Reiter. Mit seinem Pferd Ispo ging er 2014 beim CC in Luhmühlen an den Start und stürzte im Geländeteil. Tragischerweise kam für den jungen Reiter jede Hilfe zu spät. Der Vorfall mit Ben und Ispo hat gezeigt, wie schnell „es" passieren kann. Selbst Reitern auf international hohem Niveau, an einem für sie stinknormalen Sprung.

Sicherheit des Reiters

Sicherheit ist ein zentrales Thema im Reitsport. Wir beschäftigen uns jeden Tag mit Tieren, die einen eigenen Kopf, eigenen Charakter, eigene Gefühle haben und die Welt mit ganz anderen Augen sehen. Das Pferd bleibt ein Tier, das wir nie zu 100% werden einschätzen können. Ich für meinen Teil hatte schon mehr Stürze und Tritte, als ich an meinen beiden Händen abzählen könnte. Das gehört einfach irgendwie dazu! Zum Glück ist mir noch nie etwas ernsthaftes passiert. Das Reiten ist nämlich kein grundsätzlich gefährlicher Sport - wenn man sich richtig schützt!

Diese Meinung vertritt auch Belinda Neeser, die zusammen mit ihrem Mann Kurt den Rettungsdienst Neeser führt. Wenn man bei uns im Dorf die Sirene hört, weiss man: De Neeser git weder Gummi! Der Rettungsdienst steht rund um die Uhr für Notfälle und Krankentransporte bereit. Ausserdem unterstützen sie regelmässig eine Grosszahl von Pferdesportveranstaltungen der ganzen Schweiz hinsichtlich der sanitätsdienstlichen Versorgung. Mit Belinda habe ich ein bisschen über ihre Erfahrungen im Pferdesport geplaudert. Sie selbst ist stolze Eigentümerin der Stute Ulrika de Maugré, die ihre Tochter Nicole auf Turnieren bis R/N 120 vorstellt.

Typische Reiterverletzungen passieren aus der Sicht von Belinda vor allem am Knie, den Fussgelenken und den Händen, weil man sich bei einem Sturz mit den Gliedmassen reflexartig abfängt. Ich war erstaunt, denn ich dachte immer, dass es mehr Verletzungen am Kopf und Rücken gäbe. Dies, so hat mir Belinda bestätigt, sei eher weniger der Fall, da auf Turnieren Helmpflicht gilt. So reduziert sich die Wahrscheinlichkeit einer schwere Kopfverletzungen extrem. Allgemein kommt es sehr darauf an, wie sich der Reiter schützt. Der Rückenschutz zum Beispiel hilft beim Aufprall auf dem Rasen mehr, als wenn der Reiter in den Sand fällt, da dieser mehr nachgibt.

Gemäss den Erfahrungen von Belinda passieren aber die schwereren Verletzungen im Bereich des Freizeitreitens. Hier werden die Reiter nachlässig und verzichten zum Beispiel beim Ausritt auch mal auf den Helm. Ausserdem macht es immer einen Unterschied, wie stark der Reiter sein Pferd kennt und dementsprechend einschätzen kann. Natürlich gehört auch die Frage der Erfahrenheit des Reiters zu den Faktoren, die Verletzungen begünstigen oder verhindern.

Und was mache ich?

Diesen Teil halte ich bewusst kurz, denn ich will niemanden mit Belehrungen langweilen. Es ist Eure eigene Entscheidung! Ich reite immer mit Helm. Punkt. Bei Cornet und bei anderen jungen Pferden, oder jenen bei denen ich weiss, dass die manchmal fies sind, trage ich die Weste. Ich besitze zwei davon, die eine ist mein „Panzer“ von Tipperary, die nur bei Gröberem zum Einsatz kommt (z.B. bei festen Sprüngen). Die zweite ist die coole von Stübben, die gar nicht nach Weste aussieht und superbequem ist. Ausserdem habe ich immer das Natel dabei. Von Sinn und Unsinn meines meist akkulosen Natels mal abgesehen, finde ich das Ständig-Erreichbar-Sein doch recht vorbildlich.

Was macht Cornet?

Wie Belinda Neeser mir bestätigt hat, begünstigt es die Sicherheit, wenn der Reiter sein Pferd kennt. Deshalb muss Cornet neben dem Training unter dem Sattel viel Bodenarbeit machen. Darunter verstehe ich: Spazieren/Platz feat. Gehorsamsübungen. Früher dachte ich immer, dass Bodenarbeit nur etwas für jene Reiter ist, die sich nicht direkt aufs Pferd trauen. Nun bin ich ein bisschen älter und ein bisschen weiser und musste feststellen, dass der Weg über die BA zu einem umgänglicheren und folgsameren Pferd führt, welches ich besser einschätzen kann. Warum? Weil ich ihn vom Boden aus gut beobachten kann und lerne, wie er in bestimmten Situationen reagiert.

Diesen Monat erhielt Cornet ausserdem ein Zimmer-Upgrade. Der Herr bezog vor zwei Wochen sein neues Apartment mit Balkon. Meine Devise: Je tierfreundlicher ich ihn halte, desto ausgeglichener ist er und muss seine Launen nicht an mir auslassen. Und das wäre auch das Mindeste dafür, dass ich dank seiner höheren Miete ein paar Wochen fasten muss.

Neben diesen zwei Punkten achte ich immer auf die Ausrüstung, regelmässige gesundheitliche Kontrollen und genügend angemessene Arbeit. Ich will Cornet nicht in Watte packen. Er soll schliesslich zu einem eigenständigen Lebewesen aufwachsen, das auch selbst mitdenkt.

Lange habe ich hin und her überlegt, ob ich ihn versichern lassen soll. Denn wie das Leben halt ist, schützen auch alle Vorkehrungsmassnahmen manchmal nicht vor Unfällen. (Habt Ihr Eure Pferde versichert? Wenn ja, wowiewarum?) Irgendwie hat mir keine Versicherung wirklich zugesagt, keine Ahnung wieso. Weil ich als Pferdemama instinktiv trotzdem etwas tun wollte, habe ich meine Ziege beim GTRD® angemeldet.

GTRD® who?

Der Grosstier- Rettungsdienst CH/FL® bietet in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein einen Rettungsdienst für Grosstiere, ähnlich der Rega oder 144. Der GTRD® arbeitet eng mit der Vetsuisse Fakultät der Uni Zürich zusammen. Das Rettungspersonal ist mit den neuesten medizinischen und technischen Erkenntnissen ausgestattet und arbeitet auf freiwilliger Basis.

Da ich ein Mitglied dieser coolen Truppe - Diane Günthart - persönlich kenne und so auch schon die eine oder andere Geschichte über die Einsätze mitbekommen habe, stehe ich voll hinter der Idee des GTRD®. Die Versicherungskosten für ein Jahr betragen erschwingbare 100.-, die ich mir auf Weihnachten gewünscht habe. Ein Geschenk, das ich zwar lieber nie brauchen möchte, aber dafür eines, das in meinen Augen ganz viel Sinn macht. Könnte ich Memme Blut sehen ohne hysterisch im Kreis zu rennen, würde ich mich dem Helfertrupp des GTRD® sofort anschliessen.

GTRD®? Erzähl mal!

Auch mit Diane habe ich ein wenig geplaudert und sie über ihre Arbeit näher ausgefragt. Diane ist seit sechs Jahren beim GTRD® dabei. 

Diane: "Ich habe die grosse Chance erhalten durch den GTRD mein Wissen rund um das Thema Erste Hilfe und Notfall zu erweitern. Der GTRD bietet den Tierbesitzern die Möglichkeit, alle denkbaren Rettungen tiergerecht zu vollziehen. Auch jeder Transport kann schonend und unter ständiger Betreuung vorgenommen werden. Der GTRD gleicht einer Ambulanz, wie man sie in der Humanmedizin kennt. Ich erachte diese Möglichkeit als unglaubliche Chance und als grossen Gewinn für jeden Tierhalter. Aber auch die Möglichkeit sich im Team auszutauschen und täglich neues dazu zu lernen sehe ich als eines der Reichtümer meines Lebens im Team der Grosstierrettung.

Die Grosstierrettung ist für mich weit mehr als eine Dienstleistung welche ich leiste. Es ist ein Hobby und eine Leidenschaft. Es steckt viel Herzblut in dieser Organisation und genau das ist es was die Grosstierrettung ausmacht. Wir sehen Schlimmes und Trauriges. Aber wir haben auch das unglaubliche Glück Grosstieren und ihren Menschen in Not zu helfen und ich denke das ist das Ziel welches wir Tag ein Tag aus vor Augen haben. Schliesslich ist es immer wieder schön, wenn wir ein durch uns geborgenes oder notfalmässig transportiertes Grosstier irgendwann wieder gesund und munter sehen, aber leider gehören auch die anderen Fälle zu unseren Einsätzen und auch bei denen gilt es alles erdenkliche zu tun, um dem Tier zu helfen, wenn auch nicht immer ein Happy End möglich ist."

Alle Infos, Einsatzberichte, Fotos und vieles mehr findest Du hier.

Zum Schluss

Der Unfall von Ben hat vor allem in Deutschland die Frage aufgeworfen, wie gefährlich das Reiten wirklich ist. Ich würde diesen Blog gerne mit einem Zitat des Sicherheitsberaters David O’Connor abschliessen: 

 „Wir Reiter entscheiden uns bewusst für diesen Sport. Es war ein tragischer Unfall, doch wir können den Sport nicht sicherer machen als das Leben selbst.“

 

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