Auf den Spuren der Vergangenheit- eine persönliche Geschichte

Es ist eine Geschichte, die mich geprägt hat. Begonnen hat alles vor bald acht Jahren, als sich meine Eltern dazu entschieden, mir meinen Kindheitstraum zu erfüllen – der Traum vom eigenen Pferd. Ich war damals 15 Jahre jung und meine Eltern waren überzeugt, dass ich nun in der Lage sei, auf ein eigenes Pferd zu achten und Verantwortung zu übernehmen. Die Suche nach dem ersten eigenen Pferd begann bei mir in Kanada. Der Grund dafür war, dass ich ein Tennessee Walking Horse suchte und es damals noch nicht viele Pferde dieser Rasse in der Schweiz gab. Bei der Suche nach meinem Traumpferd wurde ich von einer Freundin meiner Tante unterstützt. Sie war bereits mehrmals in Kanada, kannte viele Züchter und hatte Erfahrung mit dem Import. Von daher war ich super aufgehoben, jedoch viel es mir schwer, eine so wichtige Entscheidung anhand eines Fotos und einem kurzen Beschrieb zu fällen. Von den vielen Pferde die mir zugemailt wurden entsprach kein einziges vollkommen dem was ich mir vorstelle. Mit der Zeit begann mich die Suche zu deprimieren, denn ich war jung und konnte es kaum mehr erwarten, endlich mein eigenes Pferd zu besitzen. Aber bei all den Pferden aus Kanada war einfach nichts Passendes dabei. Und wie es halt so ist im Leben, kam plötzlich alles anders als geplant. Auf der Suche nach einer zweiten Katze, kaufte ich am Kiosk, nach der Schule, die Tierwelt. In dieser Ausgabe vom März 2007 fand ich ein Inserat, welches mein Leben veränderte. Obwohl ich noch immer in Kanada auf der Suche nach einem Pferd war, blätterte ich damals gemütlich im Bus sitzend, die Abteilung Pferde durch. Ein Artikel stach mir besonders ins Auge. Er war kurz und knapp, aber irgendwie hatte er was. Keine Ahnung was genau mich an diesem Inserat faszinierte, aber es fesselte mich. Vielleicht musste es einfach so sein, dass mir diese drei geschriebenen Zeilen ins Auge stachen. Noch am selben Abend meldete ich mich unter der aufgeführten Telefonnummer per SMS. Ja per SMS ihr habt richtig gelesen. Ich weiss, dass ist nicht gerade die feine Art, sich als potentielle Käuferin bei einem Besitzer zu melden. Das sehe ich heute auch so, denn ich erlebe sehr vieles bezüglich des Pferdeverkaufs – und kaufs. Da ich in einem Zuchtstall mit meinem Pferd zu Hause bin und für diesen alle Verkaufsinserate entwerfe und verwalte und somit oft mit Interessenten in Kontakt bin. Jedenfalls schrieb ich der Verkäuferin am späten Abend heimlich, ohne dass es meine Eltern wussten, eine SMS und fragte nach Bildern. Bereits am nächsten Morgen erhielt ich die Bilder von Indigo und um mich war es geschehen. Ich schaute mir die Fotos genau an und wusste, das ist meiner. Dieser wunderschöne Rapp-Schecke soll mein erstes Pferd sein. Als meine Eltern nach Hause kamen erzählte ich ihnen davon. Natürlich waren sie überrascht, dass ich plötzlich ein Pferd in der Schweiz besichtigen wollte, so überzeugt wie ich zuvor von der Kanadavariante war. Aber irgendwie waren sie auch erleichtert, dass ich den einfachen Weg wählte und mich für ein Pferd aus dem Inland entschied.

Der erste Besuch bei Indigo

Nicht einmal eine Woche später sass ich, gemeinsam mit meiner Tante und meinen Eltern im Auto. Ich war total nervös und konnte es kaum erwarten. Auf dem Hof angekommen, sah ich Indigo auf einem Paddock stehen. Nach der Begrüssung holte die Besitzerin Indigo von der Weide, putzte und sattelte ihn und führte ihn zum Viereck. Und nun durfte ich aufsitzen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, auf dem Pferd zu sitzen, welches man vielleicht schon bald sein Eigen nennen darf. Indigo ging gemütlich seine Runden und musste fleissig getrieben werden, damit er sich vorwärts bewegte. Eigentlich gar nicht die Art die ich mag, aber in dem Moment war mir alles egal. Ich fühlte mich einfach wohl auf ihm und seine schelmische Art faszinierte mich auf Anhieb. Wieder zurück im Stall erkundigte ich mich nach dem Grund für die geschorene Stelle am Hals. Die Besitzerin teilte mir mit, dass er an dieser Stelle geimpft wurde. Mir kam diese Geschichte damals schon etwas suspekt vor, als ich jedoch genauer nachfragte, meinte sie nur, es mache es halt jeder Tierarzt anders. Mit dieser Aussage war die Diskussion über die geschorene Stelle beendet. Auf dem Nachhauseweg strahlte ich, wie ein Marienkäfer und bereits am nächsten Morgen teilte ich der Besitzerin mit, dass ich Indigo kaufen möchte. Naja ich hätte es ihr ja auch direkt sagen können beim Besuch, denn für mich war es da bereits klar. Die nächsten vier Tage waren für mich der absolute Horror. Denn die Besitzerin erzählte mir von unzähligen Mitbewerberinnen und ich hatte Angst, dass Indigo doch nicht meiner wird. Dann das erlösende Telefonat. Ich war zu diesem Zeitpunkt der glücklichste Mensch auf dieser Erde, denn von nun an war ich Pferdebesitzerin.

Indigos Einzug

Bereits eine Woche später, am Ostermontag, wurde Indigo gebracht. Die ersten Stunden konnte ich die Augen nicht von ihm lassen. Ich sass draussen auf einer Bank und beobachtete ihn. Es war für mich ein unglaubliches Gefühl, Pferdebesitzerin zu sein und ich platzte fast vor Stolz. Nach wenigen Tagen dann bereits der erste Schock. Indigo war ein Weber und die Besitzerin hat dies kein einziges Mal erwähnt. Als ich sie anrief und mich erkundigen wollte, meinte sie, dass sie das noch nie bei ihm gesehen hätte. In diesem Moment war ich äusserst enttäuscht von dieser Person und mir war von diesem Zeitpunkt an klar, dass hier viele Dinge nicht richtig ausgelegt wurden. Manchmal zerbrach es mir fast das Herz, wenn ich Indigo webend auf der Weide stand, während die anderen Pferde gemütlich grasten. Ich stellte mir die Frage, ob er sich bei mir nicht wohl fühle und was ich falsch machte. Bei Ankaufsuntersuch dann der nächste Dämpfer. Aufgrund seines Ganges und seiner Hinterhandstellung riet der Tierarzt zu Röntgenaufnahmen. Indigo fand dies überhaupt nicht toll. Er musste sediert und mit einer Nasenbremse gehalten werden, damit er nicht das ganze Gerät zerstörte. Er war in totaler Panik und ich konnte nicht mehr hinschauen, wie er sich mit allen Mitteln gegen das eigentlich harmlose Prozedere wehrte. Zum Glück war der Befund negativ und Indigos Beine waren soweit gesund. Aber mit all dem war noch nicht genug, nein es kam sogar immer noch schlimmer. Während er damals beim Probereiten ein gemütlicher Junge war, konnte er im Gelände kaum gestoppt werden. In einer Gruppe reiten war damals der absolute Horror. Indigo preschte ohne Rücksicht auf die anderen Pferde und Reiter nach vorne und erst wenn er genügen Abstand zu den anderen hatte, konnte er gebremst werden. Auch das Reiten auf dem Platz war zu Beginn alles andere als toll. Für das, dass ich angeblich ein gut ausgebildetes Westernpferd gekauft hatte, konnte er nichts ausser geradeaus laufen. Verlangte ich etwas anderes von ihm war seine Reaktion steigen. Es war sehr deprimierend und ich kam oft weinend nach Hause. Irgendwie war meine Vorstellung vom ersten eigenen Pferd anders. Irgendwie perfekter und problemloser. Aber irgendwie sollte es bei uns am Anfang einfach nicht laufen. Als er ein Monat bei mir war, lief er plötzlich stock lahm. Es war nichts vorgefallen und ich konnte mir nicht erklären weshalb. Ich rief den Tierarzt und dieser musste nach ersten Untersuchungen wieder röntgen. Diesmal verlief dieses Prozedere zum Glück um einiges harmloser als beim letzten Mal ab. Auch nach den Röntgenaufnahmen konnte keine Diagnose gestellt werden. Auf jeden Fall hiess es: Einen Monat stehen lassen und jeden Tag spritzen und anschliessend weiterschauen. Zum Glück war nach einem Monat die Lahmheit nicht mehr vorhanden und wir konnten wieder gemeinsam Reiten gehen. Während diesem Monat versuchte ich die Vorbesitzer, von welcher wir Indigo gekauft hatten, ausfindig zu machen. Diese hatte aber inzwischen Zeit Wohn- und Arbeitsort gewechselt, was das ganze erschwerte. Auf komplizieret Art und Weise haben wir dann ihre Kontaktdaten erhalten und sie zur Rede gestellt. Und endlich bekamen wir auf viele Fragen eine Antwort. Indigo wurde bevor er zu ihr kam einzeln gehalten, daher kommt das Weben. Die geschorene Stelle am Hals hatte er nicht vom Impfen, sondern weil er kurz zuvor im Tierspital war - aufgrund eines Huftrittes an den Kopf. Indigo stand zum Zeitpunkt als ich ihn Probereiten ging noch unter medikamentösem Einfluss und war daher so träge. Nun konnte ich mir so einiges besser erklären. Aber umso mehr ich erfuhr umso mehr wollte ich wissen. Es gab immer mehr Fragen die mir keine Ruhe liessen. Ich wollte wissen woher seine grosse Narbe auf seinem Hintern kam. Ich wollte wissen weshalb er eine solche Panik vor dem Transporterfahren hatte, obwohl ich mir darauf so ungefähr meinen eigenen Reim machen konnte. Indigo stammt aus Polen und kam über Deutschland in die Schweiz. Ich denke, dass vor ungefähr fünfzehn Jahren der Transport für ein Pferd aus einem solchen Land nicht gerade eine Luxusfahrt war. Ich versuchte jeder Spur nachzugehen um etwas heraus zu bekommen. Ich fragte beim Passamt, Tierärzten aus seiner Vergangenheit, der Vermittlungsagentur aus Deutschland und bei Privatpersonen nach. Jedoch konnte oder wollte mir niemand Auskunft geben und weiterhelfen. So bin ich heute, sieben Jahre später, noch genau so ahnungslos wie damals. (fortsetzung - hier)

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