Auch Pferde können depressiv sein

Jährlich erkranken unzählige Menschen an Depressionen.
Pferde dienen bei vielen psychischen Krankheitsbildern als Therapeuten. So auch
bei Depressionen. Aber können denn diese sensiblen Tiere, welche den Menschen
so oft helfen, auch selber unter Depressionen leiden? Ja sie können! Zu dieser
Erkenntnis kamen französische Forscher der Universität Rennes, welchen es
gelang beim Pferd ein Verhaltensprofil ausfindig zu machen, das dem depressiven
Syndrom des Menschen stark ähnelt. Zu diesem Verhaltensprofil zählt eine introvertierte Körperhaltung, bei welcher sich Genick und Rücken bei
Gestrecktem Hals auf gleicher Höhe befinden. Ebenfalls ist der Cortisolspiegel
niedrig. Cortisol ist ein Stresshormon, welches katabole Stoffwechselvorgänge
aktiviert und dem Körper energiereiche Verbindungen zur Verfügung stellt. Ähnlich
wie wir Menschen, leidet das Pferd unter strengen Vorgesetzten, schlechten Lebensumständen und Dauerstress bei der Arbeit. Die Forschung rund um die Depression
beim Pferd wurde mit 59 Schulpferden durchgeführt. Von den untersuchten Tieren litt
rund ein Viertel unter Depressionen. Nebst dem das die betroffenen Pferde überdurchschnittliche
Ängstlichkeit gegenüber neuen Reizen und bei Ansprache eine geringe
Aufmerksamkeit zeigten, war die Kopfhaltung der als depressiv eingestuften
Tiere deutlich zu Unterscheiden von den gesunden Pferden.

Eine klare Grenze müssen jedoch zwischen trauernden und depressiven Pferden
gezogen werden. Die Depression ist ein Langzeitprojekt, während die Trauer ein
vorübergehender Zustand ist. Der Unterschied ist, dass trauernde Tiere gleich
wie trauernde Menschen zwischendurch ihre Lebensfreude wieder zeigen können.
Pferden zeigen dies zum Beispiel im Sinn eines Hüpfers oder einer Galoppeinlage.
Eine Depression geht tiefer und bohrt sich hartnäckig in die Seele des Betroffenen. Oft betroffen sind Tiere die zu wenig Bewegung, mangelnden oder
keinen Sozialkontakt und keinen Weidegang haben. Diesen Pferden fehlen die Reize aus ihrer Umgebung. Ebenfalls können Futterqualität und hohe
Staubbelastung die Stimmung unserer Vierbeiner beeinflussen. Hengste sind sehr
oft betroffen, da sie leider noch immer vielerorts abgeschottet von jeglichem
Sozialkontakt leben müssen. Nebst der Haltung und Fütterungsfehlern kann auch
der Leistungsdruck zu einer Depression führen.

Wie finde ich heraus,
ob mein Pferd depressiv ist?
Beobachtet euer Pferd auf der Koppel: Steht es oft abseits von den anderen Pferden? Wird es aggressiv oder unterwürfig? Steht es meist regungslos mit
dauernd zurückgelegten Ohren auf der Koppel und frisst weniger? Dies alles sind Zeichen die auf eine Depression oder deren Vorstufe hindeuten.
Im Stall: Reagiert euer Pferd nicht auf Reize und steht meist nur in der Ecke? Kommt es bei der Fütterung gar nicht oder desinteressiert herbei? Dann sollten
bei dir die Alarmglocken läuten und du solltest etwas an seiner Haltungsform ändern oder nach anderen Ursachen, die zu diesem Verhalten deines Pferdes
führen können suchen.
Reaktionen im Umgang, die auf eine Depression hindeuten
können: Ist dein Pferd beim Putzen teilnahmslos oder aggressiv? Reagiert dein
Liebling nicht mehr auf Stimmkommandos oder Krauleinheiten, die er früher
genossen hatte? Falls dein Pferd beim Berühren einer bestimmten Stelle ständig ausweicht, stellt sich die Frage, ob es Schmerzen hat, welche dauerhaft
depressiv machen. Ignoriert dein tierischer Freund die Umwelt und seine Artgenossen
und läuft nur mit gesenktem Kopf und an teilnahmslosen Blick neben dir her?
Falls diese Signale auf dein Pferd zutreffen, solltest du dir Gedanken machen ob es eventuell unter einer Depression leidet.
Verhalten bei der Arbeit unter dem Sattel: Verstimmte Pferde
erinnern einem beim Training an verspannte Tiere. Sie laufen oft taktunrein,
hölzern und reagieren kaum auf Reiterhilfen. Auf neue Anforderung reagieren
diese Pferde oft unsicher oder mit Abwehr, in Extremfällen sogar gar nicht.

Schlussfolgerung:
Auch wenn die Forschung rund um depressive Pferde nicht allzu
weit fortgeschritten ist, sollte die Erkenntnis, dass auch Pferde unter
Depressionen leiden können, eine wichtiger Schritt sein für uns Pferdefreunde.
Jedem sollte nach dieser Erkenntnis klar sein, dass falsche Haltung,
Leistungsdruck und schlechte Fütterung dazu führen kann, dass sich unsere
Lieblinge aufgeben. Auch die Seele unseres Vierbeingen Partners kann leiden und
wollen wir ein aufgewecktes, glückliches und leistungsbereites Pferd, sind wir
verantwortlich für sein Wohlbefinden das
Bestmögliche zu tun.

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